Am 11. September 2003 wurde in Bonn im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Umsetzungsprozesses von Gender Mainstreaming eine Fachtagung statt, für VertreterInnen von Trägerorganisationen veranstaltet, die finanzielle Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan (KJP) des Bundes erhalten. Ziel der Tagung war, über erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung zu informieren, Praxisbeispiele der Implementierung von Gender Mainstreaming vorzustellen und ein Forum für die Diskussion von Möglichkeiten der Einbeziehung des neuen Leitprinzips in Prozesse der Organisationsentwicklung zu bieten.
Die ca. 80 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Fachtagung wurden von Marianne Biehl aus dem BMFSFJ im Namen des
Ministeriums begrüßt. Elisabeth Helming (DJI München) informierte in einem Vortrag über den
Entstehungshintergrund und die Ziele von Gender Mainstreaming und stellte die Ergebnisse einer
Auswertung von KJP-Sachberichten zu Gender Mainstreaming vor.
In vier parallel aufenden Workshops am Vormittag referierten Mitarbeiterinnen unterschiedlicher Organisationen über ihre Vorgehensweisen und Erfahrungen in der Umsetzung von Gender Mainstreaming: Ina-Benigna Hellert (Hannover) stellte den Umsetzungsprozess von Gender Mainstreaming im Landesjugendring Niedersachsen vor. Heike Schlottau (Plön) präsentierte die Implementierungsstrategien der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung. Heike Rullmann (Büdelsdorf) zeigte auf, wie ein in der Gemeindepsychiatrie tätiger Trägerverbund (Brücke-Gruppe Rendsburg-Eckernförde) Gender Mainstreaming in Verbindung mit Qualitätsmanagementprozessen umsetzt. Christine Kolmer (Frankfurt) berichtete über die Implementierung von Gender Mainstreaming als Teil von EFQM-Prozessen (European Foundation for Qualitiy Management) beim Internationalen Bund. Zusätzlich zu den konkreten Informationen aus den Praxisbeispielen beleuchtete Dr. Andrea Jochmann-Döll (Essen) in einem Vortrag das Verhältnis von Gender Mainstreaming und Organisationsentwicklung.
Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in weiteren Workshops Ansatzpunkte der Implementierung von Gender Mainstreaming in ihren Organisationen. Dabei wurde ein großer Bedarf an zusätzlichen konkreten Informationen über Maßnahmen und Instrumente sichtbar, mit denen Gender Mainstreaming in den unterschiedlich organisierten Trägerverbänden verwirklicht werden kann.
Im Abschlussplenum erläuterte Peter Kupferschmid (BMFSFJ) die Erwartungen des Ministeriums an die Träger: Mit der Inanspruchnahme von KJP-Mitteln gehen die Träger die Verpflichtung ein, Gender Mainstreaming zu implementieren. In Bezug auf die praktische Umsetzung hingegen macht das Bundesministerium keine inhaltlichen Vorgaben, sondern erwartet, dass die Träger sich auf den unterschiedlichen Ebenen ihrer Organisationen und den jeweiligen Erfordernissen entsprechend für die Schaffung geschlechtergerechter Strukturen einsetzen.
Das große Interesse am Thema und das Bedürfnis nach Erfahrungsaustausch zeigte sich sowohl in der Anzahl der Teilnehmenden an der Fachtagung als auch in den lebhaften Diskussionen im Anschluss an die Vorträge wie in den Workshops.
Auf Wunsch vieler TeilnehmerInnen stellen wir die Vorträge und Beiträge aus den Workshops zum Download zur Verfügung.Die Dokumentation enthält die Beiträge aller Referentinnen und gibt damit einen vollständigen Überblick über die auf der Tagung präsentierten Informationen zu Gender Mainstreaming-Prozessen in der Kinder- und Jugendhilfe.
Die Dokumentation der Tagung steht als Download
im pdf-Format zur Verfügung. Folgende Beiträgen sind enthalten
Das Konzept des Gender Mainstreaming und Informationen aus dem DJI-Projekt "Gender Mainstreaming in der Kinder-
und Jugendhilfe"
Elisabeth Helming
Organisationsentwicklung und Gender Mainstreaming
Andrea Jochmann-Döll
Beispiele der Umsetzung von Gender Mainstreaming aus der Praxis
Gender Mainstreaming in der Jugendverbandsarbeit am Beispiel vom Landesjugendring Niedersachsen
Ina Benigna Hellert
Gender Mainstreaming in einem Bundesverband am Beispiel der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische
Jugendbildung
Heike Schlottau
Gender Mainstreaming in der Organisationsentwicklung in Verbindung mit Prozessen des Qualitätsmanagements
am Beispiel des Trägerverbunds Brücke-Gruppe Rendsburg-Eckernförde
Heike Rullmann
Gender Mainstreaming als Teil von Qualitätsmanagement-Prozessen der European Foundation for Quality Management
beim Internationalen Bund
Christine Kolmer