DISKURS
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Lieferbare Hefte
Vom "DISKURS" zum "Diskurs Kindheits- und Jugendforschung"
DISKURS - Studien zu Kindheit, Jugend, Familie und Gesellschaft, die sozialwissenschaftliche Zeitschrift des Deutschen Jugendinstituts, musste leider mit Heft 3/2004 (Auslieferung 2005) ihr Erscheinen einstellen. Dem DJI ist es nicht möglich, den anspruchsvoll gestalteten und viel gelobten DISKURS weiterzuführen, weil der technische und redaktionelle Aufwand nicht mehr aus dem Institutsetat finanzierbar ist.
Wir freuen uns jedoch, Ihnen eine neue Zeitschrift, quasi in der Nachfolge des DISKURS, empfehlen zu können, die im März 2006 erstmalig erscheinen wird:
"Diskurs Kindheits- und Jugendforschung"
Diese neue Zeitschrift wird - ohne institutionelle Beteiligung des DJI - von einem Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mehrerer einschlägiger Disziplinen herausgegeben und vorwiegend die Themenfelder abdecken, die auch der DISKURS bearbeitet hat. Zugleich wird sie sich noch intensiver am Stand der internationalen Diskussionen orientieren.
Die Geltung der Herausgeber/innen und wissenschaftlichen Beiräte sowie das Programm der neuen Zeitschrift, die vom Rechtsträger Edmund Budrich im Verlag Barbara Budrich veröffentlicht wird, rechtfertigen diese Empfehlung durch das DJI.
Im ersten Heft der neuen Zeitschrift gibt es mehrere Beiträge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem DJI: Klaus Wahl schreibt über das Paradoxon der Willensfreiheit und seine Entwicklung im Kind. Sibylle Hübner-Funk hat einen Nachruf auf den amerikanischen Entwicklungspsychologen Urie Bronfenbrenner (1917 - 2005) verfasst. Peter Rieker berichtet über Migration und Integration in Ostdeutschland, Sabine Herzig sowie Winfried Krüger besprechen einschlägige Neuerscheinungen auf dem Markt der kinder- und jugendbezogenen Fachliteratur.
Dannenbeck, Clemens; Mayr, Martina; Stich, Jutta Sexualität lernen: Zeit brauchen, Zeit lassen, Zeit haben - Jugendliche erzählen ihre Erfahrungen 1999-01-09 DISKURS 9 1 36-43
Herzberg, Irene Schwierige Kindheit 1997-01-09 DISKURS 7 1 8-15 DJI München
Feil, Christine Kinder im Internet Angebote, Nutzung und medienpädagogische Perspektiven. Initiativen im Schul- und Freizeitbereich zielen darauf ab, möglichst alle Kinder früh- und rechtzeitig mit dem Internet vertraut zu machen. Wie ist es jedoch gegenwärtig um den Zugang der Kinder zum Internet bestellt? Wie nutzen die Kinder das Internet? Werden sie dabei den Erwartungen der Erwachsenen an einen kompetenten Umgang mit dem Medium gerecht? Im Beitrag werden die vorliegenden empirischen Ergebnisse zur Internetnutzung von Kindern ab dem 6. Lebensjahr in Deutschland zusammengefaßt und unter medienpädagogischer Perpsektive kommentiert. In ergänzenden Kurzartikeln wird das WWW-Angebot für und von Kindern in Auschnitten dargestellt. Über "Kinder-Seiten von Fernsehsendern" berichtet Michael Drexler, zur Frage "Chatten - eine sinnvolle Ergänzung zur real-kindlichen Kommunikation?" nimmt Christoph Gieger Stellung, das Angebot an "Kinderhompages" wird von Regina Decker und das Verhältnis von "Kinder-Seiten und Kommerz" von Sandra Schön beschrieben. 2000-01-09 DISKURS 10 1 15-24 Leske + Budrich Opladen
Herausgeberkreis DISKURS Homo politicus novus Heftthema Menschen in Deutschland leben in einer Demokratie - zumindest wieder seit 1949. In einem Teil Deutschlands ließ diese allerdings noch 40 Jahre auf sich warten. Bürgerinnen und Bürger dieses anderen Deutschland mußten sich mit einer »DDR«, einer »sogenannten«, nur so genannten DDR - i.e. einer Demokratie ohne Gütesiegel zufriedenzugeben. Seit der deutsch-deutschen Vereinigung haben solche frontstaatlich interessierten Unterscheidungen von »geachteter« und »geächteter« Demokratie ihre Grundlage verloren; seither tritt die Demokratie nicht mehr mit und ohne Anführungszeichen, sondern nurmehr gesamtdeutsch ohne auf: Die Demokratie ist in Deutschland »verbindlich« geworden. An politischen wie wissenschaftlichen Überprüfungen, ob und wie weit die Demokratie angekommen ist, hat es in (West)Deutschland nie gefehlt. So durchziehen die Umfrageforschung - beginnend mit den Untersuchungen des Allensbacher Instituts für Demoskopie in den 50er Jahren über die Shell-Jugendstudien bis hin zu den DJI-Jugendsurveys in der Gegenwart - immer wieder Fragen nach der Akzeptanz der Demokratie, des Staates und seiner Einrichtungen. Dieses fortwährende öffentliche Interesse an den Konjunkturen politisch-gesellschaftlicher Partizipation und Botmäßigkeit der Jugend deutet darauf hin, daß die Integration der Nachgeborenen in das politische System bis heute nicht als selbstverständlich gilt. Befürchtungen, die politische Eingemeindung könne auch mißlingen, kamen und kommen immer dann auf, wenn Jugendliche über Krawalle und Proteste auf sich bzw. ihre Anliegen aufmerksam machen. Diese Störungen der Ordnung wurden häufig - wie etwa die »Halbstarkenkrawalle« in den späten 50er Jahren - nicht als genuin politisch, sondern als »Ausbruchsversuche aus der in die Watte manipulierter Humanität, überzeugender Sicherheit und allgemeiner Wohlfahrt gewickelten modernen Welt« (Helmut Schelsky) eingestuft. Dies änderte sich, als in in den 60er Jahren eine politische Protestbewegung entstand, die sich für eine bessere Demokratie engagierte und ihre Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen zunehmend im Namen des Allgemeinwohls artikulierte. In den Medien wie in den Analysen und Stellungnahmen der Fachöffentlichkeit zu den jeweiligen Protest- und Neuen Sozialen Bewegungen ist immer wieder auf die tiefe Kluft zwischen der politischen Führung und der jungen Generation hingewiesen worden. Daneben wird aber immer auch das kritische Potential der Jugendlichen - wenn es sich denn im gesetzlichen Rahmen hält - als »Beitrag zur Belebung der Demokratie« gewürdigt. Wenngleich der »unruhigen« Jugend stets die größte öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird, ist stets auch die »ruhige«, bzw. die »zu ruhige« Jugend politisch-öffentlich begutachtet wie wissenschaftlich vermessen worden. Gegenwärtig scheint vor allem »Politikverdrossenheit« das Bild der Jugend in den Medien zu prägen. Daneben lassen sich aber auch offen nationalistische Gesinnungen und Bekenntnisse ausmachen. Diese finden zwar in Gesamtdeutschland Gefolgschaft, aber - gemessen an der Häufigkeit von Übergängen in rechtsextremistische Gewalt - überproportional bei jungen Männern im dazugekommenen post-sozialistischen Teil. Ein Beleg, daß mit der Vereinigung nicht unbedingt auch schon die Demokratie angekommen ist?
THEMA stellt drei Beiträge vor, die den »Homo politicus« und die Frage, was an ihm neu oder alt ist, in unterschiedlicher Weise konturieren. Ursula Hoffmann-Lange widerspricht der gängigen Vorstellung, wonach politische Einstellungen und gesellschaftlich-politisches Engagement nur dann das Prädikat »demokratieverträglich« verdienen, wenn sie in den Bahnen tradierter politischer Meinungsbildung und Partizipation verbleiben. Wolfgang Gaiser, Martina Gille, Winfried Krüger und Johann de Rijke illustrieren anhand empirischer Befunde, wie Demokratie nach einem Jahrzehnt deutsch-deutscher Vereinigung von Heranwachsenden buchstabiert wird. Günter C. Behrmann befaßt sich in seinem Beitrag mit den durch das Ende des Ost-West-Gegensatzes gewandelten politischen Rahmenbedingungen und analysiert vor diesem Hintergrund Ansätze einer konzeptionellen wie instituionellen Neuorientierung der Politischen Bildung.
Im SPEKTRUM beleuchtet Renate Matsche Prozesse der Selbst-Bildung von Kindern. Im Zentrum steht hier die Frage nach den Entwicklungsimpulsen, die von Eltern und Gleichaltrigen für eine aktive Aneignung und Umgestaltung der sozialen und kulturellen Lebenswelt durch Kinder ausgehen. Michael Meuser legt in seiner Abhandlung dar, wie wenig bislang die Transformation der Geschlechterordnung das Versprechen, Muster hegemonialer Männlichkeit aufzubrechen, einzulösen vermag. Ute Schad thematisiert die gesellschaftspolitische Dimension von Fremdenfeindlichkeit und argumentiert gegen eine Verharmlosung von rechtsextremistischen Einstellungen und Verhaltensweisen als »Jugendphänomen«. Der Beitrag der Autorin eröffnet eine Debatte über »Fremdenfeindlichkeit und Gewalt«, die den inhaltlichen Schwerpunkt der Verhandlungen im nächsten DISKURS-Heft bilden wird.
Unter Trends wird diesmal das städtische Wohnumfeld als unterbelichtetes Thema der Pädagogik in Augenschein genommen. Andreas Schmitz und Wolfgang Schlicht zeigen auf, welche Bedeutung der Gestaltung des räumlich-materiellen Wohnumfeldes für urbanes Zusammenleben im allgemeinen, wie für die Prävention abweichenden Verhaltens von Kindern und Jugendlichen im besonderen zukommt. 2001-01-10 DISKURS 11 1 Leske + Budrich Opladen
Herausgeberkreis DISKURS So nah - so fern. Familien ausländischer Herkunft in Deutschland Heftthema Wie im Heft 1/2000 bereits angekündigt, erscheint der DISKURS nunmehr dreimal. Schwerpunktthema jedes dritten Hefts eines Jahrgangs bilden die Verhandlungen auf dem jährlichen Symposium des DJI. Seine letzte Fachtagung »So nah - so fern. Familien ausländischer Herkunft in Deutschland« im Dezember 2000 in Berlin nahm das DJI zum Anlaß, ausgewählte Befunde des Sechsten Familienberichts der Bundesregierung einer größeren Fachöffentlichkeit vorzustellen. Als Referentinnen und Referenten konnten drei Sachverständige aus der Familienberichtskommission (Prof. Dr. Maria Dietzel-Papakyriakou, Prof. Dr. Rosemarie von Schweitzer, Prof. Dr. Bernhard Nauck) und Prof. Dr. Rita Süssmuth - Vorsitzende der Zuwandererkommission - gewonnen werden.
Die im THEMA dieses Heftes versammelten Beiträge stellen von den Autorinnen und Autoren überarbeitete Fassungen ihrer auf dem DJI-Symposium gehaltenen Referate und Diskussionsbeiträge dar. Eine kurze Einführung in die Familienberichterstattung in Deutschland und in die Fragestellung des im letzten Jahr vorgelegten Berichts erfolgt im thematischen Vorwort im Anschluß an dieses Editorial. Im Frühjahr 2000 fand in Leipzig ein Fachkongreß zum Thema »Rechtsextreme Jugend: eine Erschütterung der Gesellschaft?« statt. Mit dieser Fachtagung wollte die Stadt ein Zeichen setzen, indem sie sich der notwendigen Auseinandersetzung mit den Ursachen und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus stellte. Ziel war es, einen interdisziplinären, überregionalen und berufsgruppenübergreifenden Austausch über das Gewaltpotential in der Demokratie zu ermöglichen und durch renommierte Expertinnen und Experten Kenntnisse über inhaltlich relevante Zusammenhänge zu vermitteln. Die Thematik dieses Kongresses und ihre praktische Behandlung »von Amts wegen« auf kommunaler Ebene bildeten den Hintergrund für ein Gespräch mit Dr. Nina L. Dulabaum, Leiterin des Fachreferats für jugendpolitische Sonderaufgaben und Extremismus der Stadt Leipzig. Im INTERVIEW gibt sie Auskunft über ihre Bemühungen um eine Deeskalation von Konflikten im extremistischen Spektrum und über ihren alltäglichen Kampf um Ressourcen und Koalitionspartner. Die Fragen für den DISKURS stellte Hans Lösch.
Das SPEKTRUM stellt zwei Beiträge vor. Martina Liebe und Rubeena Esmail-Arndt gehen in ihrem Artikel der Frage nach, wie angesichts nachlassender Attraktivität der europäischen Idee bei Jugendlichen internationaler Jugendaustausch konzeptionell weiterentwickelt werden kann. Vor dem Hintergrund von Erfahrungen und Beobachtungen aus Praxisprojekten wird angeregt, die Europäisierung der Jugendarbeit zukünftig als Querschnittsaufgabe zu verankern. Frank Bauer resümiert in seinem Aufsatz Ergebnisse empirischer Forschung zum Zusammenhang von Erwerbsarbeitskonstellationen und familialen Zeitbudgets. Anhand von Fallbeispielen illustriert der Autor, wie berufliche und außerberufliche Zeitverwendungsmuster sowie Strukturen der familialen Bewältigung von Zeitknappheit differieren und darüber entscheiden können, ob ein gemeinsames Familienleben gelingt. 2000-03-10 DISKURS 10 3 Leske + Budrich Opladen
Herausgeberkreis DISKURS Geschlecht - Aktuelle Streitfragen und theoretische Positionen Heftthema Menschen haben Herkünfte, Zugehörigkeiten, ordnen sich zu und werden zugeordnet - schon immer und allüberall. Auskünfte von solcher Allgemeinheit lassen denn auch nichts von den Dissonanzen erahnen, die sich im gemeinhin friedlich-harmonisch gedachten Spektrum von Zugehörigkeiten und Zuordnungen bemerkbar machen können. Dann nämlich, wenn eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit oder Mitgliedschaft zu einer gegebenen Zeit und an einem gegebenen Ort nicht nur als ein nationaler, ethnischer, kultureller, geschlechtlicher und klassenmäßiger Tatbestand gilt, sondern mit Bedeutungen aufgeladen wird, die Achtung und Ächtung, Privilegierung und Diskriminierung gleichermaßen beinhalten können.
Aus dem Ensemble multipler Zugehörigkeiten des Menschen THEMAtisiert der DISKURS in diesem Heft Geschlecht: eine Kategorie, an der sich nach wie vor - wenn man mal von dem öffentlich noch weithin geteilten Grundkonsens Mann hat Penis, Frau hat Vagina absieht - soziale wie politische Streitfragen und rivalisierende theoretische Positionen festmachen. Dabei geht es nicht nur um die (Neu)Konstruktion, (Neu)Bewertung und (Neu)Konturierung von Männer- und Frauenbildern, sondern um die praktisch-politische Ausgestaltung von Geschlechterverhältnissen. Der DISKURS nähert sich dieser geschlechtlichen Kampfzone in dreifacher Weise: in einem Überblick über theoretische Ansätze zur Geschlechtersozialisation (Hannelore Faulstisch-Wieland), am Beispiel der programmatischen Verwendung der Geschlechterkategorie in der Kinder- und Jugendhilfe (Lotte Rose) sowie im Zusammenhang von Militär und Geschlechterverhältnis (Ruth Seifert). Die inhaltliche Auswahl und Betreuung des Themenschwerpunkts übernahmen Andrea Abele-Brehm (Universität Erlangen) und Ursula Nissen (Deutsches Jugendinstitut).
Das SPEKTRUM bringt diesmal drei Beiträge. Heiner Schäfer setzt sich mit Problemen und Perspektiven des Umgangs mit Kinderdelinquenz auseinander. Ausgehend von der öffentlichen Kritik an einem vermeintlichen Versagen der Kinder- und Jugendhilfe und von grundsätzlichen Fragen der Zuständigkeit für delinquente Kinder stellt der Autor neuere präventive Ansätze der Jugendhilfe vor. Zu bedauern sei, daß die Vielfalt und der Ideenreichtum dieser pädagogischen Projekte und Aktivitäten so gut wie keine öffentliche Resonanz fänden. Das Autorenteam Christian Büttner/Claude Chrétiennot und Pat Clayton setzt eine Diskussion über Autonomieentwicklung von Kindern in vorschulischen Erziehungskonzepten fort, die Christian Büttner im DISKURS 2/99 mit seinem Beitrag Abhänigkeit und Autonomie angestoßen hat. Präsentiert werden aktuelle Vorschulkonzepte aus Frankreich, England und Deutschland, wobei das Hauptaugenmerk den jeweiligen Formen der Stärkung von Autonomie gilt. Die Autorinnen und der Autor kommen zu dem Schluß, daß die Chancen einer Autonomieentwicklung von Kindern nach Maßgabe der jeweils verfolgten Pädagogik differieren, mithin eine Pädagogik für das Kind und eine mit dem Kind unterschiedliche Resultate zeitigen. Ingo Richter skizziert in seinem Beitrag Probleme und Barrieren im Verhältnis von Jugendhilfe und Politik und entwirft anhand zentraler Leitfragen - etwa der praktischen Ausgestaltung des Neuen Generationenvertrages - Perspektiven für eine strukturelle Fundierung und Sicherung von Jugendhilfeleistungen. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen eine vorherrschende Haltung in Politik und Öffentlichkeit, wonach die Jugendhilfe nach wie vor als Ausfallbürge und soziale Feuerwehr beschworen werde - und zwar immer dann, wenn es für die Nichtbewältigung von sozialen Notlagen und das Scheitern im Umgang mit Problemjugendlichen einen Schuldigen zu finden gilt. Solange die Politik die Jugendhilfe nicht mit den entsprechenden Mitteln ausstatte, werde diese ihren Beitrag zum Gelingen eines Neuen Generationenvertrages nicht leisten könen.
In TRENDS stellt Monika Schroettle die Arbeit des Informationszentrums Kindesmißhandlung/Kindesvernachlässigung (IKK) am Deutschen Jugendinstitut vor. Ausgehend von Anforderungen an praxisbegleitende Forschung und Vernetzung werden Optionen einer Verbindung von Information und Vernetzung aufgezeigt, Fragen der Themenwahl beantwortet und die Organisation der aktiven und passiven Informationstätigkeit beschrieben. Überlegungen zu einer geplanten und koordinierten Vernetzung der einzelnen Handlungsfelder beschließen den Beitrag. 2000-02-10 DISKURS 10 2 Leske + Budrich Opladen
Herausgeberkreis DISKURS Netkids - Kinder im virtuellen Raum Heftthema 2000-01-10 DISKURS 10 1 Leske + Budrich Opladen
Herausgeberkreis DISKURS Jugend und Gesundheit Heftthema 1999-02-10 DISKURS 9 2 Leske + Budrich Opladen
Herausgeberkreis DISKURS Sexualität und Partnerschaft Heftthema 1999-01-10 DISKURS 9 1 Leske + Budrich Opladen
Familienselbsthilfe in Europa Heftthema 1998-02-10 DISKURS 8 2 Juventa Weinheim und München
Jugend und Arbeit Heftthema 1998-01-10 DISKURS 8 1 Juventa Weinheim und München
Die Quadratur des Jugendbegriffs Heftthema 1997-02-10 DISKURS 7 2 Juventa Weinheim und München
Sozialisationsforschung Heftthema 1997-01-10 DISKURS 7 1 Juventa Weinheim und München
Wohnen. Biographische und sozialstaatliche Herausforderung Heftthema 1996-02-10 DISKURS 6 2 Juventa Weinheim und München
Wissenschaft und Praxis Heftthema 1996-01-10 DISKURS 6 1 Juventa Weinheim und München
Hoffmann-Lange, Ursula Politikverdrossenheit oder Politikdistanz? Zum Wandel der politischen Orientierungen junger Menschen Mit dem gesellschaftlichen und politischen Engagement der nachwachsenden Generation ist kein Staat zu machen - so eine in der öffentlichen Begutachtung der Nachgeborenen immer wieder angestimmte Klage. Genauere Analysen machen demgegenüber deutlich, daß von einer generellen "Politikverdrossenheit" nicht die Rede sein kann. Gewandelte Formen gesellschaftlicher Partizipation von Jugendlichen legen es vielmehr nahe, die Mitgliedschaft in Parteien, Gewerkschaften und Jugendverbänden nicht als alleiniges Gütesiegel für ein gelungenes gesellschaftlich-politisches Engagement anzuerkennen. 2001-01-09 DISKURS 11 1 11-19 Leske + Budrich Opladen DJI
Gaiser, Wolfgang; Gille, Martina; Krüger, Winfried; de Rijke, Johann Zufrieden - kritisch - distanziert: Einstellungen junger Deutscher in West und Ost zur Demokratie Wie ist es um die Akzeptanz des demokratischen Systems und seiner Spielregeln in der Jugend im vereinten Deutschland bestellt? Eine DJI-Untersuchung zeigt, wie unterschiedliche Lebenslagen und die daraus jeweils gezogenen Schlüsse die Urteile der einzelnen bestimmen. Ob und wie gut sich die Demokratie im ersten Jahrzehnt des Zusammenwachsens bewährt hat, findet aus der Sicht der Heranwachsenden denn auch recht unterschiedliche Antworten: "Zufriedene Demokraten" einerseits, "Kritische Demokraten" und "Distanzierte" andererseits - mit den für West und Ost spezifischen Ausprägungen. 2001-01-09 DISKURS 11 1 20-29 Leske + Budrich Opladen DJI
Behrmann, Günter C. Quo vadis, Politische Bildung? Zeit- und ideengeschichtliche Grundlagen ihrer Konzeptionen und Institutionen Das Ende des Ost-West-Gegensatzes mit seinen ideen-, ordnungs- und machtpolitischen Konfliktlinien hat neben den Koordinaten nationaler und internationaler Politik auch die Rahmenbedingungen der Politischen Bildung in Deutschland wesentlich verändert. Der Beitrag beleuchtet die Umstrukturierungen und programmatischen Erklärungen, mit denen versucht wurde, der neuen Lage und den neuen Anforderungen an die Politische Bildung hinsichtlich ihrer Träger und im Rückblick auf deren Geschichte gerecht zu werden. 2001-01-09 DISKURS 11 1 30-37 Leske + Budrich Opladen DJI
Matsche, Renate Die Bedeutung von Eltern und Peers für Selbst-Bildungsprozesse von Kindern Vor dem Hintergrund einer sich immer komplexer darstellenden Welt und einer individualisierten Kindheit werden Prozesse der »Selbst-Bildung« von Kindern immer wichtiger. Dabei gehen von Gleichaltrigen wie von Eltern bzw. erwachsenen Bezugspersonen gleichermaßen Entwicklungsimpulse aus. Die Autorin erörtert anhand neuerer empirischer Untersuchungen, welche Kompetenzen Kinder in und zwischen diesen Bezugssystemen entwickeln. 2001-01-08 DISKURS 11 1 38-43 Leske + Budrich Opladen DJI
Meuser, Michael Das heißt noch lange nicht, daß sie die Peitsche in der Hand hat Die Transformation der Geschlechterordnung und die widersprüchliche Modernisierung von Männlichkeit Daß der Wandel der Geschlechterordnung mitunter eine Erweiterung von Handlungsspielräumen mit sich bringt, hat nicht schon zwingend die Auflösung tradierter Hierarchien und Disparitäten zur Folge. Dies wird mit Blick auf die Männer deutlich, wenn Schritte der Veränderung auf neuen Sohlen alter Muster der Geschlechterhierarchie daherkommen. Der Autor legt Widersprüche in der Modernisierung von Männlichkeit offen und illustriert anhand von Fallbeispielen, wie sehr die Akzeptanz , als echter Mann durchzugehen, nach wie vor an das Vokabular hegemonialer Männlichkeit gebunden bleibt. 2001-01-08 DISKURS 11 1 44-50 Leske + Budrich Opladen DJI
Schad, Ute Jugend und Rechtsextremismus Die gesellschaftspolitische Dimension von Fremdenfeindlichkeit Die Tatsache, daß Angriffe auf Ausländer und fremd aussehende Menschen vorwiegend von jungen Männern verübt werden, läßt leicht die gesellschaftspolitische Dimension dieser Gewalttaten übersehen. Der Beitrag wendet sich gegen eine Verharmlosung von rechtextremistischen und fremdenfeindlichen Formen der Gewalt als "Jugendphänomen" und beleuchtet die Defizite einer soziologisch-pädagogischen Betrachtungsweise, die als Desintegrationsansatz bekannt geworden ist. 2001-01-08 DISKURS 11 1 51-57 Leske + Budrich Opladen DJI
Schmitz, Andreas; Schlicht, Wolfgang; Gestaltung des städtischen Wohnumfeldes ein Thema für die Pädagogik? Die schon etwas in die Jahre gekommene Klage, die Pädagogik werde nur zu oft als soziale Feuerwehr benutzt, hat trotz der seit längerem entwickelten und erprobten niedrigschwelligen Angebote wie der Straßensozialarbeit nichts an Aktualität eingebüßt. Die Autoren machen deutlich, wie wenig rein verhaltensorientierte Interventionen die Entstehung und Eskalation abweichendes Verhalten von Kindern und Jugendlichen verhindern können. Zur Prävention von Delikten wie generell zur Verbesserung urbanen Zusammenleben plädieren sie für einen stärkere Berücksichtigung des räumlich-materiellen Wohnumfeldes bei der Wahrnehmung pädagogischer Aufgaben. 2001-01-06 DISKURS 11 1 58-62 Leske + Budrich Opladen DJI
Faulstich-Wieland, Hannelore Sozialisation von Mädchen und Jungen Zum Stand der Theorie Biologische Ansätze zur Erklärung von "geschlechtsspezifischer Sozialisation" erleben derzeit eine Renaissance. Ihrer Unterkomplexität wird ein Konzept entgegengesetzt, das "Sozialisation in alltäglicher Lebensführung" begreift. In ihm sind Prozesse des doing gender ebenso verankerbar wie Gender als Institution. Mit dem Habitusbegriff wird Geschlecht sowohl als vergeschlechtlichtes Merkmal wie als vergeschlechtlichende Praxis faßbar. Dabei dürfen Machtverhältnisse jedoch nicht außer Betracht bleiben. Vor allem in den Ansätzen der hegemonialen Männlichkeit bzw. der männlichen Herrschaft lassen sich Bedingungen aufzeigen, die erklären, wie die Sozialisation der Geschlechter sich vollzieht und zugleich wie Geschlechterverhältnisse veränderbar sind. 2000-02-09 DISKURS 10 2 8-14 Leske + Budrich Opladen DJI
Rose, Lotte Die Geschlechterkategorie im Diskurs der Kinder- und Jugendhilfe Kritische Überlegungen zu zentralen Argumentationsmustern Die aktuelle Bestandsaufnahme zur geschlechtsspezifischen Qualifizierung in der Jugendhilfe zeigt ein widersprüchliches Bild. Neben Etablierungs- und Qualifizierungsmomenten lassen sich ebenso immanente Schwachpunkte, Begrenzungen und offene Fragen ausmachen. Der Beitrag will letzterem auf die Spur kommen. Aus diesem Grund werden Selbstverständlichkeiten der Geschlechterdebatte in der Jugendhilfe kritisch in den Blick genommen. Es werden zum einen die diskursbestimmenden theoretischen Konstruktionen der Geschlechterrealitäten untersucht, zum anderen die daraus abgeleiteten praktischen Arbeitsprinzipien. Welche Vorstellungen zu Mädchen- und Jugenwelten bestimmen den Mädchenarbeits- und Jungenarbeitsdiskurs? Wie "passend" sind diese Vorstellungen? Welche Fragwürdigkeiten produzieren sie theoretisch und praktisch? Im Mittelpunkt stehen dabei die Bilder der Mädchenbenachteiligung und der Gleichheit qua Geschlecht, die angesichts der gesellschaftlichen Individualisierungsprozesse und der damit verbundenen geschlechtsspezifischen Entnormierungen grundsätzlich neu überprüft werden müssen. 2000-02-09 DISKURS 10 2 15-20 Leske + Budrich Opladen DJI
Seifert, Ruth Militär und Geschlechterverhältnis - ein neues politisches Terrain Das Militär ist ein gesellschaftlicher Bereich, der sich von der Forderung nach der Gleichstellung der Geschlechter bis zum EuGH-Urteil am stärksten abgeschottet hat. Dafür wurden Gründe ins Feld geführt, die aus der geschlechtsspezifischen Professionenforschung bekannt sind, aber auch Gründe, die spezifisch für das Militär geltend gemacht werden. Sie beziehen sich im wesentlichen auf das geschlechtsspezifische Arbeitsvermögen (einem der feministischen Debatte vertrauten Argument) sowie auf einen männlichen Schutzinstinkt oder ein kulturelles Gebot, Frauen zu schützen, was den Einsatz von Frauen in Kampf und Krieg ausschließe, oder schlicht auf die militärische Unvereinbarkeit von Männern und Frauen. Da es in der politischen Öffentlichkeit in Deutschland bislang kaum eine gesellschaftliche Kraft gegeben hat, die die Öffnung der Armee für Frauen gefordert hätte, hat es über die Argumentationsmuster hierzulande wenig Diskussionen gegeben. Dennoch beeinflußten sie auch die deutsche Debatte und die politische Ausgestaltung des Verhältnisses von Frauen und Militär maßgeblich. Der vorliegende Text beschäftigt sich mit diesen Argumentationsmustern und ihrer Bedeutung im diskursiven Raum "Militär und Geschlecht" und stellt abschließend die Frage nach der Bedeutung des Verhältnisses von Frauen und Militär für die feministische, politische Diskussion. 2000-02-09 DISKURS 10 2 21-29 Leske + Budrich Opladen DJI
Schäfer, Heiner Zum Umgang mit Kinderdelinquenz Ein Blick auf präventive Ansätze in der Jugendhilfe Anders als bei straffälligen Jugendlichen haben Polizei und Justiz gegenüber delinquenten Kindern fast keine Zuständigkeiten. In der Pflicht steht dagegen die Kinder- und Jugendhilfe, die jedoch aufgrund ihrer angeblichen Untätigkeit in der Öffentlichkeit arg in die Kritik geraten ist. Der Beitrag weist auf einige - oft wenig beachtete - pädagogische Aktivitäten und Ansätze von Projekten der Kinder- und Jugendhilfe hin, die sich, bewährt oder innovativ, immer aber in Kooperation mit anderen Akteuren den Herausforderungen der Kinderdelinquenz stellen. Auch wenn - und darauf weist der Beitrag ebenfalls hin - noch viele Fragen und Probleme ungelöst sind, die Vielfalt und der Ideenreichtum der Ansätze sind gerade auch vor dem Hintergrund der öffentlichen Kritik eindrucksvoll. 2000-02-08 DISKURS 10 2 30-35 Leske + Budrich Opladen DJI
Büttner, Christian; Chrétiennot, Claude; Clayton, Pat Zur Autonomieentwicklung von Kindern in vorschulischen Erziehungskonzepten Ein deutsch-französisch-englischer Vergleich Aktuelle Vorschulkonzeptionen aus Frankreich, England und Deutschland werden im Hinblick auf die Unterstützung der Autonomieentwicklung bei Kindern diskutiert. Dabei ergibt sich, daß die Möglichkeiten kindlicher Autonomieentwicklung von einer grundsätzlichen Haltung der Erwachsenen abhängig sind, ob nämlich eine Pädagogik für das Kind oder eine Pädagogik mit dem Kind im Vordergrund steht. Mit dem Beitrag wird eine Diskussion um den Status und die Repräsentation von Kindheit fortgesetzt, die im DISKURS 2/99 mit einer Präsentation der Argumentation von Gilles Brougère (Paris) begonnen wurde. 2000-02-08 DISKURS 10 2 36-41 Leske + Budrich Opladen DJI
Richter, Ingo Jugendhilfe und Politik In dem Beitrag werden Probleme und Barrieren im Verhältnis von Jugendhilfe und Politik skizziert und der Autor entwirft anhand zentraler Leitfragen - etwa der praktischen Ausgestaltung des Neuen Generationenvertrages -Perspektiven für eine strukturelle Fundierung und Sicherung von Jugendhilfeleistungen. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen eine vorherrschende Haltung in Politik und Öffentlichkeit, wonach die Jugendhilfe nach wie vor als Ausfallbürge und soziale Feuerwehr beschworen werde - und zwar immer dann, wenn es für die Nichtbewältigung von sozialen Notlagen und das Scheitern im Umgang mit Problemjugendlichen einen Schuldigen zu finden gilt. Solange die Politik die Jugendhilfe nicht mit den entsprechenden Mitteln ausstatte, werde diese ihren Beitrag zum Gelingen eines Neuen Generationenvertrages nicht leisten könen. 2000-02-08 DISKURS 10 2 43-50 Leske + Budrich Opladen DJI
Schröttle, Monika Das Informationszentrum Kindesmisshandlung/ Kindesvernachlässigung (IKK) Die Autorin stellt die Arbeit des Informationszentrums Kindesmißhandlung/Kindesvernachlässigung (IKK) am Deutschen Jugendinstitut vor. Ausgehend von Anforderungen an praxisbegleitende Forschung und Vernetzung werden Optionen einer Verbindung von Information und Vernetzung aufgezeigt, Fragen der Themenwahl beantwortet und die Organisation der aktiven und passiven Informationstätigkeit beschrieben. Überlegungen zu einer geplanten und koordinierten Vernetzung der einzelnen Handlungsfelder beschließen den Beitrag. 2000-02-06 DISKURS 10 2 43-50 Leske + Budrich Opladen DJI
Lösch, Hans Familienberichterstattung in Deutschland. Befunde des Sechsten Familienberichts der Bundesregierung Die Sachverständigenkommission des Sechsten Familienberichts der Bundesregierung hatte den Auftrag, über die Lage ausländischer Familien in Deutschland zu berichten. Die aus unterschiedlichen Disziplinen kommenden Expertinnen und Experten der Kommission konzentrierten ihre Darlegungen zwar auf ausländische Familien, ihre Lebenslagen und Lebensformen, erweiterten aber die Themenstellung wesentlich: Neben Familien mit ausländischer Staatsangehörigkeit bezogen sie auch Familien ausländischer Herkunft - eingebürgerte wie Aussiedlerfamilien - in ihre Betrachtung ein. Der Artikel referiert die wichtigsten Aussagen des Berichts und der Symposiumsbeiträge. 2000-03-09 DISKURS 10 3 6-7 Leske + Budrich Opladen DJI
Süssmuth, Rita Integration in Deutschland Was heißt hier fremd? Für viele Ausländer ist die Bundesrepublik längst neue Heimat und Lebensmittelpunkt geworden. Dies gilt vor allem für Familien. Gleichwohl birgt der unterschiedliche Aufenthaltsstatus nach wie vor Unsicherheiten und Integrationsprobleme. 2000-03-09 DISKURS 10 3 8-10 Leske + Budrich Opladen DJI
Nauck, Bernhard Familien ausländischer Herkunft in Deutschland Politische Konsequenzen der Vielfalt von Akkulturationsprozessen "Die" Ausländer gibt es nicht! Diese nicht gerade blendende Einsicht wird nicht wieder mal bloß rhetorisch bedient, sondern anhand der Lebensverhältnisse von Migrantenfamilien empirisch veranschaulicht. Im Spektrum möglicher Ausgänge von Akkulturationsprozessen werden Chancen der Partizipation von Migranten an den Gütern der Aufnahmegesellschaft ausgelotet. Für das Gelingen struktureller Integration fordert der Autor, die abstammungsgeschichtliche durch eine zivilgesellschaftliche Legitimierung des modernen Sozialstaats zu ersetzen. 2000-03-09 DISKURS 10 3 13-19 Leske + Budrich Opladen DJI
Dietzel-Papakyriakou, Maria Bildungssituation und Bilingualismus von Migrantenkindern bei zunehmender transnationaler Mobilität Familien ausländischer Herkunft sind anders! Von Haus aus? Sie haben gemeinhin - wie einheimische Familien auch - ein praktisches Interesse, ihr ökonomisches, soziales und kulturelles Kapital zu mehren. Vor allem Bildungsanstrengungen zahlen sich langfristig aus: nicht nur wenn die Bildung der Kinder durch das Prisma des Verbleibs in Deutschland gesehen wird. Bildungsqualifikationen erhöhen die Mobilität, Mobilitätschancen erweitern Handlungsoptionen von Migranten. Bilingualität und Bikulturalität sind auch dann Ressourcen, wenn Rückwanderung nicht auf der Tagesordnung steht. 2000-03-09 DISKURS 10 3 20-25 Leske + Budrich Opladen DJI
von Schweitzer, Rosemarie Wohnversorgung ausländischer Familien in der Spannung zwischen Eigeninitiative und Restriktion Niemand wird wegen seiner Herkunft diskriminiert. Von wegen! Auf dem freien Wohnungsmarkt sind ausländische Familien weiterhin benachteiligt: Trotz insgesamt schlechterer Wohnversorgung haben sie im Vergleich zu Einheimischen höhere Mieten zu zahlen. Äußern sich Deutsche zunehmend positiver hinsichtlich der Integration ihrer ausländischen Nachbarn, treibt diese - ebenfalls mit steigernder Tendenz - Ausländerfeindlichkeit als ihre größte Sorge um. Anstatt proportionalen Mischungsverhältnissen zwischen Migrantenfamilien und Deutschen in Wohnquartieren das Wort zu reden, werden Rahmenbedingungen erörtert, die geeignet erscheinen, Eigeninitiativen und Eigenverantwortung für eine Verbesserung der Qualität des Wohnumfeldes zu fördern. 2000-03-09 DISKURS 10 3 26-30 Leske + Budrich Opladen DJI
Dulabaum, Nina L. Gegen Rechts von Amts wegen Gespräch mit der Leiterin des Fachreferats für jugendpolitische Sonderaufgaben und Extremismus der Stadt Leipzig 'Alle Rassisten sind Arschlöcher, überall.' Mag sein - nur wie geht man mit Rechtsextremisten um, wenn sie nicht nur ein Tagungsthema sind, sondern mit und ohne Glatze auf Straßen und Plätzen Hoheit über "ausländerfreie Zonen" reklamieren? Nina L. Dulabaum gibt Auskunft, wie mühsam es ist, "von Amts wegen" eine Deeskalation von Konflikten im extremistischen Spektrum zu bewirken. Ihr täglicher Kampf um Ressourcen und Kooperationspartner macht deutlich, wie eng das Terrain ist, auf dem so etwas wie eine konstruktive Streitkultur zwischen rivalisierenden Gruppierungen gedeihen kann. 2000-03-07 DISKURS 10 3 31-38 Leske + Budrich Opladen DJI
Liebe, Martina; Esmail-Arndt, Rubeena Vom internationalen Jugendaustausch zur Europäisierung der Jugendarbeit Haben junge Leute mit Europa überhaupt noch etwas am Hut? Eher wenig - zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die nachlassende Faszination der Idee Europas unter Jugendlichen zum Maßstab der Beurteilung macht. Ausgangspunkt der hier angestellten Überlegungen sind Ergebnisse der 13. Shell-Studie, die vor dem Hintergrund von Erfahrungen und Beobachtungen aus Praxisprojekten der Jugendaustauscharbeit diskutiert werden. In ihrem Resümee zur konzeptionellen Weiterentwicklung der internationalen Jugendarbeit plädieren die Autorinnen dafür, die Europäisierung der Jugendarbeit als Querschnittsaufgabe zu verankern. 2000-03-08 DISKURS 10 3 39-44 Leske + Budrich Opladen DJI
Bauer, Frank Familiale Zeitbewirtschaftung Zum Zusammenhang von Erwerbsarbeitskonstellationen und familialen Zeitbudgets Außer Atem? Mit Zeit umgehen können, setzt für Familien Ressourcen und Fähigkeiten voraus, Zeitprobleme umgehen zu können. In der Darstellung und Analyse empirischer Befunde über Zeitbudgets von Familien wird die doppelte Anforderungsstruktur deutlich, mit der das Interesse am Gelingen eines gemeinsamen Familienlebens konfrontiert ist: Unterschiedliche Erwerbsarbeitskonstellationen sowie berufliche und außerberufliche Zeitverwendungsmuster erzwingen vom einzelnen immerzu Synchronisationsanstrengungen im Hinblick auf innerfamiliale Arbeitsteilung, den Austausch von Gedanken und Gefühlen - damit Intimität nicht in Entfremdung übergeht. 2000-03-08 DISKURS 10 3 39-44 Leske + Budrich Opladen DJI
Herausgeberkreis DISKURS Bunte Gesellschaft - braune Gewalt Heftthema Zugegeben, der Titel dieses Heftes kommt in seiner kruden Gegenüberstellung nicht gerade diskursoptimistisch daher. Zunächst nur als vorläufiges, noch weiter zu bearbeitendes Dach für die zu suchenden Beiträge zum Thema "Fremdenfeindlichkeit" formuliert, scheint uns der Werkstattitel aber auch vor dem Hintergrund der ausgewählten Artikel immer noch vertretbar. Vielleicht gerade deshalb, weil er in seiner bunt-braunen Schwarzweißfärbung möglicherweise dazu einlädt, ihm mit einigem Mißtrauen zu begegnen. "Bunte Gesellschaft": ein einziger Euphemismus, eine einzige Idylle friedlichen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher "Rassen", Klassen, Nationalitäten, Ethnizitäten, Kulturen und Glaubensrichtungen - ein Hohes Lied auf Pluralität und Heterogenität? "Braune Gewalt": ein beredter Hinweis , daß militante Fremdenfeindlichkeit in dieser Republik immer noch eine Heimstatt hat - und bornierte Schägertrupps sich als Gralshüter und Vollstrecker völkischer Reinheit und Homogenität gerieren können? Wenn zutrifft, daß "braune Gewalt" eine Reaktion auf die "bunte Gesellschaft" darstellt, erscheint es nicht ganz abwegig, die Ursachen dieser Gewalt in eben jener Gesellschaft zu suchen. Nur, wo fängt man damit an, wo hört man damit auf? Solange sich Wissenschaft nach wie vor schwer tut, verläßlich zu bestimmen, was eine Gesellschaft zusammenhält und was sie auseinandertreibt - etwa wieviel Zuwanderung und wieviel "Fremdheit" sie verträgt -, wird man weiter danach fragen müssen, was wen warum dazu treibt, der "bunten Gesellschaft" seine Feindschaft zu erklären. Zu dieser Dauersondierung gehört, neben den Darlegungen der Befragten auch die wissenschaftlich gegebenen Antworten auf ihre Stimmigkeit und Reichweite hin zu überprüfen. . Was weiß man etwa, wenn jemand seine Fremdenfeindlichkeit damit begründet, daß "Ausländer" "Deutschen" die Arbeitsplätze wegnehmen und das soziale System mißbrauchen? Ist hier eine individuell und (rand)gruppenspezifisch nachholende Aufklärung fällig, oder sind hier Maßnahmen ganz anderen Kalibers vonnöten, um der Fremdenangst und -feindlichkeit den Boden zu entziehen? Oder was ist davon zu halten, wenn Jugendliche andere Jugendliche oder Erwachsene ob ihrer Hautfarbe und ihres "fremden" Aussehens verfolgen, angreifen und zusammenschlagen und dies dann mit "Haß auf Ausländer" erklären? Mit dem, was einer zu dem sagt, was er tut, hat man ein Warum noch nicht bündig in der Tasche. Richtig: Nur, wer vermag schon mit welcher Autorität zu sagen, warum jemand auf "Fremde" gleichgültig, neugierig oder feindselig reagiert? Will man Selbsterklärungen von Befragten nicht schon trauen, mag man aber auch die öffentlich kursierenden Großantworten wie "Arbeitslosigkeit", "Werteverfall" und "zu viel Fremde im Land" nicht unbedingt als Erklärungen mit Gütesiegel durchgehen lassen, bleibt nicht viel anderes übrig, als im Spektrum von Individuum und Gesellschaft weiter, gegebenenfalls auch "tiefer" zu forschen.
Einen solchen Versuch, unbekannteren Seiten von Fremdenfeindlichkeit auf die Spur zu kommen, unternehmen die Beiträge im THEMA - theoretisch und praktisch. Klaus Wahl und Helmut Willems, die den Schwerpunkt betreut haben, führen in die Problematik ein und präsentieren neuere Forschungsbefunde und Praxisanregungen.
Im SPEKTRUM befaßt sich Andreas Walther mit Ausgrenzungsrisiken beim Übergang junger Erwachsener in die Arbeit. Hierbei werden Befunde aus dem Forschungsnetzwerk "Misleading Trajectories" vorgestellt, das in einer acht europäische Länder umfassenden Vergleichsstudie den "Fallen" sozialer Ausgrenzung nachging, wie sie in den institutionellen Strukturen des Übergangs von der Schule in die Arbeit sowie in Programmen gegen Jugendarbeitslosigkeit anzutreffen sind. Der Beitrag von Paul Mecheril zeichnet den pädagogisch-sozialwissenschaftlichen Diskurs über natio-kulturelle Mehrfachzugehörigkeit der letzten drei Dezennien schlaglichtartig nach, in dem er die Konzepte "Kulturkonflikt" und "Hybridität" in ihrer Gegensätzlichkeit erläutert. Anhand von biografischen Interviewaussagen wird das Phänomen sozialer Mehrfachzugehörigkeiten zu dem empirisch ausgeleuchtet.
TRENDS
Es besteht eine auffällige Divergenz zwischen der Häufigkeit und Ausführlichkeit der Thematisierung der Kinderarmut in Wissenschaft und Medien und der konkreten Reaktion darauf im politischen Raum. H. Gerhard Beisenherz nimmt diesen Tatbestand zu Anlaß, die Beschäftigung mit Armutszahlen sowie ihrer ökonomischen Ableitung und Einbettung in den sozialhistorischen Kontext kritisch zu kommentieren. Im Zentrum seiner Darlegungen stehen typische Exklusionsrisiken von Kindern, wie sie mit lang anhaltender Armut markant einhergehen. Die vom Autor herausgearbeitete Differenz zwischen Integration und Inklusion - und damit von Exklusion und Desintegration - stellt eine Unterscheidung dar, von deren Erkenntnis und praktischer Umsetzung der gesellschaftliche Umgang mit Armut in der Zukunft wesentlich geprägt sein dürfte. 2001-02-10 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Wahl, Klaus; Willems, Helmut Unbekanntere Seiten von Fremdenfeindlichkeit und wie man damit umgeht Neuere Forschungsbefunde und Praxisanregungen 2001-02-09 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Wahl, Klaus; Gaßebner, Martina; Peucker, Christian Fremdenfeindliche Straftäter Von A wie "Alkohol" bis Z wie "Zecken klatschen" Als Hauptverdächtige für Fremdenfeindlichkeit wurden und werden verhandelt: Desintegration, Arbeitslosigkeit, Familie, Sozialmilieu und Werteverfall. Ohne diesen Variablen umstandslos einen Erkärungsanspruch absprechen zu wollen, arbeiten die Autor(inn)en - gestützt auf eigene empirische Studien - die bislang vernachlässigte Rolle der Emotionen, i.e. früherer bzw. tieferliegender Dimensionen der Motivation zu Fremdenfeindlichkeit heraus. 2001-02-09 DISKURS 11 2 9-15 Leske + Budrich Opladen
Dollase, Rainer Fremdenfeindlichkeit verschwindet im Kontakt von Mensch zu Mensch Zur Reichweite der Kontakthypothese Gegen die Behauptung, Fremdenfeindlichkeit entstehe "in der Mitte der Gesellschaft" und müsse daher auch "gesamtgesellschaftlich" besiegt werden, plädiert der Autor für die Verantwortung des einzelnen, für die Kontakte von Mensch zu Mensch. Wenn es gelingt, neben herkunftsfixierten Identitätsbildungen neue, selbstgewählte Identäten wie "meine Schulklasse", "meine Clique" auszubilden, erhöhen sich die Chancen, Vorurteile, Fremdheit und Feindseligkeiten in multiethnischen Gruppen abzubauen. 2001-02-09 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Wagner, Petra Kleine Kinder - keine Vorurteile? Vorurteilsbewußte Pädagogik in Kindertageseinrichtungen Kindergartenkinder machen nicht nur Unterschiede aus, sondern stellen auch fest, daß diese in ihrer Umwelt ständig bewertet werden. Der Beitrag reflektiert Erfahrungen aus dem Projekt KINDERWELTEN und zeigt auf, wie auf der Grundlage des Situationsansatzes Vorurteile und Stereotypen im Kinderalltag angegangen werden können. 2001-02-09 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Kowalzyck, Markus Trainieren gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt Erfahrungen aus einem Praxismodell Der Verein "Horizonte e.V." richtet sich an gefährdete und bereits rechtsextrem eingestellte Jugendliche mit dem Ziel, bei ihnen Ängste und Fremdenfeindlichkeit abzubauen wie auch zur Stärkung von demokratischem Bewußtsein und Toleranz beizutragen. Anhand ausgewählter Beispiele wird dargelegt, wie der (Um-)Weg über Affekte und Emotionen dazu beitragen kann, Jugendliche für eine konstruktive und für den einzelnen gewinnbringende Zusammenarbeit zu gewinnen. 2001-02-09 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Winkler, Beate Die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) Daß interkulturelle Konflikte und Fremdenfeindlichkeit nicht nur bundesrepublikanisch geschrieben werden, machen Aktivitäten auch der Europäischen Union deutlich. Beate Winkler, Leiterin der EUMC, informiert über Ziele und das Aufgabenspektrum der Beobachtungsstelle in Wien. 2001-02-09 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Walther, Andreas Hauptsache unterkommen? Ausgrenzungsrisiken beim Übergang junger Erwachsener in die Arbeit Das europäische Forschungsnetzwerk "Misleading Trajectories" ist in einer Vergleichsstudie von acht europäischen Ländern der Frage nach dem Verhältnis von Arbeitsmarktintegration und sozialer Integration Jugendlicher nachgegangen. Der Autor resümiert die empirischen Befunde des Projekts und macht deutlich, daß bei allen strukturellen Unterschieden im Übergang in die Arbeit in den einzelnen Ländern ähnliche Dimensionen institutioneller Ausgrenzungsrisiken anzutreffen sind. 2001-02-08 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Mecheril, Paul Pädagogiken natio-kultureller Mehrfachzugehörigkeit Pädagogiken natio-kultureller Mehrfachzugehörigkeit In Auseinandersetzung mit identitäts- und kulturtheoretischen Vorstellungen der Kulturkonflikthypothese plädiert der Autor für eine Rehabilitation des Uneinwertigen und "Unreinen", des In- und An-sich-Fragmentierten. Den analytischen Rahmen hierzu bildet das Konzept der "Hybridität". Vor dem Hintergrund biografischer Auskünfte skizziert der Beitrag in pädagogisch-praktischer Absicht Möglichkeiten, wie sich Individuen unter Bedingungen natio-kultureller Mehrfachzugehörigkeit handlungsfähig positionieren können. 2001-02-08 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Beisenherz, H. Gerhard Kinderarmut als verschämte Thematisierung sozialer Ungleiheit Was lehrt ein Jahrzehnt öffentlicher Thematisierung von Kinderarmut angesichts einer nahezu perfekten Immunisierung der Politik gegenüber den dadurch aufgeworfenen Problemen? Der Autor nimmt Armutszahlen und -quoten zum Anlaß, die sozialwissenschaftliche Untersuchung von Armut selbst als Teil des gesellschaftlichen Definitionsprozesses des Phänomens durchsichtig zu machen. Mit Blick auf die Folgen des Globalisierungsprozesses arbeitet der Autor spezifische Exklusionsriken von Kindern heraus und diskutiert Elemente einer Sozialpolitik gegen Ausgrenzung. 2001-02-06 DISKURS 11 2 Leske + Budrich Opladen
Herausgeberkreis DISKURS Öffentliche Verantwortung und soziale Gerechtigkeit - Verhandlungen um das Gemeinwohl Heftthema »Öffentliche Verantwortung und soziale Gerechtigkeit - Verhandlungen um das Gemeinwohl«: ein Titel, der - zugegeben - nicht gerade graziös daherkommt. Mit allen drei Begriffen dürften sich Laien wie Experten einigermaßen schwer tun - gegenwärtig wie zukünfig. Warum macht sie der DISKURS gleichwohl zum Thema? Weil es Anhaltspunkte für gravierende Veränderungen des Sozialstaats, »für den quantitativen Abbau sozialstaatlicher Leistungen und den qualitativen Umbau sozialstaatlicher Organisations- und Verfahrensformen« gibt. Dies hat zur Folge, »dass die Individuen, die Familien und die sozialen Gruppen in Zukunft eine größere Selbständigkeit und Eigenverantwortung für ihre Lebensbedingungen tragen werden, als dies im >Jahrhundert des Sozialstaats<, im 20. Jahrhundert, der Fall gewesen ist« (s. hierzu den Beitrag von Ingo Richter im Themenschwerpunkt). Monetäre Transferleistungen, mit denen der Sozialstaat die soziale Sicherheit seiner Bürger und Bürgerinnen zu sichern vermeinte, machen - so scheint es - zunehmend einer »öffentlichen Verantwortung« Platz. Wie soll und kann man diese buchstabieren? Allemal pluralistisch: Neben den Netzwerken der Familie, den Wirtschaftsunternehmen (»Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Allgemeinwohl dienen.«), den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen kommen hierbei auch die Kirchen, die Umweltschutzverbände sowie die Massenmedien in den Blickpunkt. Mithin: Es geht um die Verteilung der Verantwortung auf verschiedene gesellschaftliche Schultern - jenseits der traditionellen Gegenüberstellung von Familie und Staat, von Familie und Wirtschaft. Nach Maßgabe von was? Nach Maßgabe »sozialer Gerechtigkeit« - eines weiteren Begriffs, unter dem jeder etwas anderes verstehen mag, der aber durchaus zur Qualifizierung von politischen Entscheidungen beitragen kann. Ob sich aus diesen Bemühungen konsensfähige Perspektiven für das »Gemeinwohl« entwickeln lassen, wird sich werweisen.
THEMA, das diesmal von Jutta Müller-Stackebrandt und Christian Lüders inhaltlich betreut wurde, stellt drei Beiträge vor, in denen die Begriffe öffentliche Verantwortung (Neugewichtung des Verhältnisses von Eltern und Staat - Ingo Richter; Aushandlung familialer und betrieblicher Interessen - Annemarie Gerzer-Sass) und soziale Gerechtigkeit (Qualifizierung politischer Entscheidungen durch Befunde interdisziplinärer Gerechtigkeitsforschung - Holger Lengfeld) als Momente des Gemeinwohls entfaltet werden.
SPEKTRUM bringt drei Beiträge: Jürgen Zinnecker stellt Befunde einer Befragung von Kindern und Jugendlichen zur Verarbeitung medialer Großereignisse am Beispiel des 11. Septembers vor. Sigrid Metz-Göckel analysiert die Karriere des Gender Mainstreaming in Politik und Wissenschaft. Sabine Hark untersucht die Implikationen normativer Heterosexualität für die Lebenslagen lesbischer und schwuler Jugendlicher.
Unter TRENDS geht Thomas Rauschenbach der Frage nach, was unter dem Projekt der Bürgergesellschaft zu verstehen ist, welche Gründe und Ursachen einer zumindest verbal festzustellenden Konjunktur dieser Thematik auszumachen sind, um abschließend einige Überlegungen zu den damit zusammenhängenden Forschungsbedarfen und -defiziten zu skizzieren.
2002-01-10 DISKURS 12 1
Richter, Ingo Einführung in das Thema des 16. Symposiums des Deutschen Jugendinstituts 2001-03-09 DISKURS 11 3 6-9
Cremer-Schäfer, Helga Öffentliche Debatten über die 'gefährliche und gefährdete Jugend' Überlegungen anlässlich eines (vorläufigen) Endes Öffentliche Skandalisierungskampagnen (»moral panics«), die eine »gefährliche und
gefährdete Jugend« als sozialen Tatbestand konstruieren, schaffen vor allem eins: Feindbilder. Dabei kommt es zu fatalen Problemverschiebungen und Personalisierungen, mittels derer Fragen, was an gesellschaftlichen Verhältnissen Unbehagen verursacht, in Fragen und Antworten, wer Angst macht, untergehen.
2001-03-09 DISKURS 11 3 15-20
Böllert, Karin Jugend als politischer Sündenbock Rechtfertigt ein Anstieg jugendlicher Delinquenz schon eine mediale Inszenierung junger Menschen als eine Generation, die den Älteren das Fürchten lehrt, ihnen Angst macht und ihre Sicherheit bedroht? Welche Antworten hier auch im Einzelnen überzeugen mögen - Versuche, Jugend als Sicherheitsrisiko zu thematisieren und zum Sündenbock gesellschaftlicher Fehlleistungen zu machen, können nicht davon ablenken, dass Jugend längst zum Symbol für eine risikobelastete Gesellschaft geworden ist. 2001-03-09 DISKURS 11 3 10-14
Blath, Richard Jugendpolitische Folgerungen aus dem Ersten Periodischen Sicherheitsbericht der Bundesregierung Der Autor, selbst Mitglied des mit der Erstellung des Berichts beauftragten Gremiums, fokussiert anhand von 13 Statements zentrale Aussagen und Problemstellungen des Dokuments unter einer spezifisch jugendpolitischen Perspektive. 2001-03-09 DISKURS 11 3 21-23
Bruhns, Kirsten; Wittmann, Svendy; Hoops, Sabrina; Permien, Hanna; Heinemann, Gabi Workshop 1: Familie und Clique als Risiko Kinderdelinquenz und Jugendgewalt unter einer Geschlechterperspektive Vorgestellt werden Befunde zweier Untersuchungen des Deutschen Jugendinstituts, die Aufschlüsse über Kinderdelinquenz und Jugendgewalt sowie den Einfluss von Familie und Clique auf diese Phänomene liefern. Zudem stellt MaDonna Mädchenkult.Ur e.V. einen gewaltpräventiven Ansatz aus der Jugendhilfepraxis vor, der auf den Zusammenhang von Jugend- und Straßengewalt mit häuslicher und sexueller Gewalt zwischen den Geschlechtern sowie sexuellem Missbrauch und Kindesmisshandlung in den Familien abzielt. 2001-03-09 DISKURS 11 3 25-31
Seifert, Brigitte; Locher, Beate Workshop 2: Risikoverhalten im Jugendalter durch Drogengebrauch Akzeptiertes Konfliktlösungsmuster oder sanktioniertes jugendkulturelles Verhalten? Einführend werden in Kontrastierung von Entwicklungspsychologie, Gesundheitpolitik und Suchtprävention unterschiedliche Deutungsweisen des Risikoverhaltens Jugendlicher skizziert wie auch die Wechselwirkung zwischen den veränderten Sichtweisen der Entwicklungspsychologie und Jugendforschung sowie den Umorientierungen in der Prävention seit Mitte der 80er Jahre gewürdigt. Im zweiten Beitrag werden Ergebnisse einer Studie vorgestellt, in der sportvereinsgebundene und nicht vereinsgebundene Jugendliche hinsichtlich ihrer Suchtgefährdung verglichen werden. Dabei zeigt sich, dass Sportvereine gegenüber Alkohol- und Nikotinkonsum eine unterschiedliche Protektivfunktion ausüben. Haupteinflussgrößen für den Substanzgebrauch Jugendlicher bilden das Vereinsmilieu und die Jugend- und Übungsleiter. 2001-03-09 DISKURS 11 3 32-39
Gabriel, Gabriele; Ferse, Kristin Workshop 3: Risiko Kriminalitätsprävention Zwischen Stigmatisierung und Hilfe Einleitend wird das in der Prävention von Kinder- und Jugendkriminalität vorherrschende
Verhältnis von Polizei und Justiz auf der einen und der Kinder- und Jugendhilfe auf der
anderen Seite beleuchtet. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen gesetzlichen Aufträge
der jeweiligen Institutionen und ihrer verschieden Handlungsperspektiven werden typische
Konflikt- und Abschottungsmuster problematisiert. Das Interventions- und Präventionsprojekt
Dresden zeigt auf, welche Hilfe- und Unterstützungsangebote Kindern und Jugendlichen
unmittelbar nach Kontakt mit der Polizei von Seiten der Jugendhilfe eröffnet werden können.
Berichtet wird über fünf Jahre Praxiserfahrungen.
2001-03-09 DISKURS 11 3 40-44
Wahl, Klaus; Rieker, Peter; Steger, Peter Workshop 4: Fremdenfeindlichkeit Kontroverse Deutungsmuster und Praxisansätze Vor dem Hintergrund mehrerer, interdisziplinär angelegter empirischer Untersuchungen zur Entstehung von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus werden Thesen zur Diskussion gestellt, die Zweifel daran anmelden, in den »üblichen Verdächtigen« wie Arbeitslosigkeit, ungenügende Bildung oder Werteverfall schon umstandslos die »Ursachen« ausmachen zu können. Des weiteren werden Ansätze skizziert, die darauf abzielen, Formen von Fremdenfeindlichkeit pädagogisch entgegenzuwirken. Exemplarische Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit fremdenfeindlich orientierten Jugendlichen beschließen den Workshop. 2001-03-09 DISKURS 11 3 45-58
Schüler-Springorum, Horst Kinder und Jugendliche - Täter und Opfer Zum Ersten Periodischen Sicherheitsbericht der Bundesregierung Das Klischee, wonach eine alte hilflose Frau von jungen Räubern und Vandalen angefallen wird, ist so dominant, dass die Angst vor der Jugend nach wie vor eine zentrale Rolle im Sicherheitsempfinden von Erwachsenen spielt. Vor dem Hintergrund eigener kriminologischer Forschungs-, Lehr- und Praxiserfahrungen kommentiert Horst Schüler-Springorum zentrale Problemstellungen des Sicherheitsberichtes. 2001-03-07 DISKURS 11 3 49-54
Dannenbeck, Clemens Differenz(en) in der Sozialen Arbeit Pädagogisch-praktische Überlegungen zu Kultur- und Fremdheitsdiskursen Debatten um und über Differenz(en) haben Konjunktur. Auch in den Erziehungswissenschaften hat das Differenzparadigma inzwischen Einzug gehalten. Empirischer Ausgangspunkt ist die »Entdeckung« der kulturellen Heterogenität ihres Klientels und die praktischen Probleme, die damit in Verbindung gebracht werden. 2001-03-08 DISKURS 11 3 55-59
Jampert, Karin Schlüsselsituation Sprache Spracherwerb im Kindergarten unter besonderer Berücksichtigung mehrsprachiger Kinder In Auseinandersetzung mit den Bedingungen des frühkindlichen Prozesses des Spracherwerbs geht die Autorin davon aus, dass das Kind Sprache nicht einfach vorfindet, sondern sie sich aktiv konstruiert. Untersucht wird aus der Perspektive des Kindes, wie Kinder im Vorschulalter Sprache verwenden und so ihre sprachliche Entwicklung vorantreiben. 2001-03-08 DISKURS 11 3 60-68
Haubrich, Karin; Lüders, Christian Evaluation - hohe Erwartungen und ungeklärte Fragen Der steigenden Nachfrage nach Evaluation steht im deutschsprachigen Raum eine noch vergleichsweise unübersichtliche Fachdiskussion gegenüber. Angesichts der in vielen Politik- und Praxisfeldern vorhandenen professionellen Lücken stehen Forschungsdinstitute wie das Deutsche Jugendinstitut vor der Herausforderung, konzeptionelle und methodologische Antworten auf neue Fragestellungen in der Evaluationsdebatte zu finden.
2001-03-06 DISKURS 11 3 69-73
Herausgeberkreis DISKURS Sicherheitsrisiko Jugend Heftthema Man muss nicht unbedingt den 11. September 2001 bemühen, um gegenüber Vermutungen des Kalibers »Sicherheitsrisiko Jugend?« ernsthafte Zweifel anzumelden. Bereits eine unaufwendige Begutachtung von Gepflogenheiten, wie Menschen die ihnen von Politik und Wirtschaft jeweils aufgemachten Ausgangsbedingungen fürs Zurechtfinden in Familie, Schule, Ausbildung und Beruf alltäglich parieren, dürfte deutlich machen, dass Jugendliche hierbei nicht unbedingt schon als Avantgarde gesellschaftsgefährdender Umtriebe anzutreffen sind - mit anderen Worten: Ihre Macht, Unheil anzurichten, hält sich in Grenzen.
Warum also ein solcher Titel für ein Symposium - formuliert noch dazu von einem sozialwissenschaftlichen Institut, das Jugend im Schilde führt, ohne sie bislang als »Risiko« für wen oder was auch immer vorzuführen? Weil Jugend in Öffentlichkeit und Politik in unterschiedlichen Schattierungen immer wieder zu einem Sicherheitsrisiko - kriminell, gewalttätig, fremdenfeindlich, drogensüchtig - erklärt wird? Weil der aktuelle Sicherheitsbericht der Bundesregierung Jugendkriminalität als Schwerpunktthema gewählt hat? Gerade die in diesem Dokument zusammengefassten Befunde machen indes unmissverständlich deutlich, dass das Abweichungs- und Delinquenzpotential Jugendlicher nicht schon als Grund für eine solche dramatisierende Etikettierung herhalten kann - wohl aber als Anlass, der Prävention von Viktimisierung und sozialer Ausgrenzung junger Menschen verstärkt Aufmerksamkeit zu schenken, da diese zentrale Risikofaktoren späterer Delinquenz darstellen.
THEMA dieses Heftes dokumentiert die Verhandlungen des 16. DJI-Symposiums vom 5. Dezember 2001 in Berlin, auf dem das »Sicherheitsrisiko Jugend?« Gegenstand wissenschaftlicher, politischer und praktischer Erörterung bildete. Das Resümee dieser Tagung erfolgt hier anhand überarbeiteter Fassungen von Referaten, Fachforenbeiträgen und Inputs zu den einzelnen Workshops. Nach einer Einführung in das Thema (Ingo Richter) geht Karin Böllert der Frage nach, warum Jugend in Politik und Öffentlichkeit immer wieder als Sicherheitsriko thematisiert wird. Helga Cremer-Schäfer zeigt in ihrer Skizze öffentlicher Skandalisierungskampagnen fatale Problemverschiebungen und Personalisierungen auf, die mit der Konstruktion von Feindbildern einhergehen. In einem Thesenpapier zieht Richard Blath jugendpolitische Folgerungen aus dem Ersten Periodischen Sicherheitsbericht der Bundesregierung.
In den Workshops zu ausgewählten Risikobereichen Jugendlicher werden folgende Inhalte behandelt: »Kinderdelinquenz und Jugendgewalt unter einer Geschlechterperspektive«. Kirsten Bruhns und Svendy Wittmann, Sabrina Hoops und Hanna Permien sowie Gabi Heinemann stellen zentrale Ergebnisse zweier thematisch einschlägiger Studien des Deutschen Jugendinstituts sowie ein
Gewaltpräventionsmodell aus der Jugendhilfepraxis vor (Workshop 1); »Risikoverhalten im Jugendalter durch Drogengebrauch«: Brigitte Seifert und Beate Locher zeigen unterschiedliche Deutungsweisen des Risikoverhaltens Jugendlicher durch Entwicklungspsychologie, Gesundheitspolitik und Suchtprävention auf und präsentieren Befunde einer empirischen Untersuchung, die auf einen Vergleich sportvereinsgebundener und nicht vereinsgebundener Jugendlicher hinsichtlich ihrer Suchtgefährdung abzielt (Workshop 2); »Risiko Kriminalitätsprävention«: Gabriele Gabriel und Kristin Ferse problematisieren das Verhältnis von Polizei, Justiz und Jugendhilfe auf dem Terrain der Kriminalitätsprävention und stellen ein Interventions- und Präventionsprojekt aus Dresden vor, das Jugendlichen unmittelbar nach Kontakt mit der Polizei Hilfe und Unterstützung von Seiten der Jugendhilfe offeriert (Workshop 3); »Widerstreitende Theorie- und Praxisansätze gegenüber Fremdenfeindlichkeit«: Klaus Wahl, Peter Rieker sowie Peter Steger stellen Thesen zur Diskussion, die aus den Ergebnissen mehrerer empirischer Untersuchungen zur Entstehung von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus abgeleitet werden. Zudem wird über die Arbeit mit fremdenfeindlich orientierten Jugendlichen in einem Berliner Praxismodell berichtet (Workshop 4.?
Im INTERVIEW äußert sich Horst Schüler-Springorum zu zentralen Befunden des Sicherheitsberichts der Bundesregierung.
Im SPEKTRUM greift Clemens Dannenbeck »Differenz(en) in der Sozialen Arbeit« auf und stellt »pädagogisch-praktische Überlegungen zu Kultur- und Fremdheitsdiskursen« an. Karin Jampert befasst sich mit dem » Spracherwerb im Kindergarten unter besonderer Berücksichtigung mehrsprachiger Kinder«.
Unter TRENDS setzen sich Karin Haubrich und Christian Lüders mit Fragen der Evaluation und dem Stand der Fachdiskussion im deutschsprachigen Raum auseinander.
2001-03-10 DISKURS 11 3
Müller-Stackebrandt, Jutta; Lüders, Christian Öffentliche Verantwortung und Gerechtigkeit Zwei Leitbegriffe des Elften Kinder- und Jugendberichts 2002-01-09 DISKURS 12 1
Richter, Ingo Öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen Trotz allen Geredes von der »Entstaatlichung des Staates« ist daran festzuhalten, dass der
Staat die öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten hat. Im traditionellen Sozialstaat musste der Staat das sogenannte Existenzminimum der Menschen garantieren. Öffentliche Verantwortung heißt dagegen, dass der Staat eine Selbsthilfefähigkeit sicherstellen - und schlimmstenfalls zahlen - muss.
2002-01-09 DISKURS 12 1
Gerzer-Sass, Annemarie Der Beitrag der Wirtschaft zum Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung In Deutschland wird eine familienfreundliche Arbeitswelt in weiten Kreisen der Bevölkerung und der Öffentlichkeit immer noch als Teil der Sozial- und Frauenpolitik begriffen. Die Frage der Verbindung von Familie und Beruf ist aber komplexer: So geht es vor allem auch darum, wie die Rolle des Mannes aus ihrer funktional einseitigen Definition als Haupternährer und »Berufsmensch« herausgelöst werden kann. Dazu bedarf es nicht nur eines individuellen »Umerziehungsprozesses«, sondern vielmehr eines kulturellen Wandels, der vor allem auch von Unternehmen getragen werden muss. 2002-01-09 DISKURS 12 1
Lengfeld, Holger Soziale Gerechtigkeit und politische Entscheidungen Perspektiven der interdisziplinären Gerechtigkeitsforschung Soziale Gerechtigkeit ist ein Begriff, der im politischen Alltag zwar häufig bemüht wird, aber leicht in den Geruch politischer Rhetorik gerät. Soziale Gerechtigkeit - mithin nichts anderes als ein schmückendes Beiwerk politischer Entscheidungen, das der Politik deshalb keinen verlässlichen Maßstab bereitstellen kann, weil ein jeder darunter etwas anderes versteht? Befunde der empirischen Gerechtigkeitsforschung lassen erkennen, dass Gerechtigkeitserwägungen durchaus zur Qualifizierung politischer Entscheidungen beitragen könnten. 2002-01-09 DISKURS 12 1
Zinnecker, Jürgen Mediale Großereignisse als kulturelle Sozialisation Das Beispiel des 11. Septembers Eine aktuelle Befragungsstudie des Siegener Zentrums für Kindheit-, Jugend- und Biografieforschung bietet Gelegenheit, die Verarbeitung medialer Großereignisse durch Heranwachsende mit Mitteln der empirischen Sozialforschung nachzuzeichnen. Die Befragung - repräsentativ für das Bundesland Nordrhein-Westfalen im Jahr 2001 - richtete sich an knapp 8.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 18 Jahren. Während die Kinder und Jugendlichen befragt wurden, ereigneten sich die Terroranschläge in den USA. Wie würde sich die Stimmungslage der Kinder und Jugendlichen durch dieses Großereignis verändern, das sie fast alle live am Fernseher zu Hause verfolgt hatten?
2002-01-08 DISKURS 12 1
Metz-Göckel, Sigrid Die Karriere des Gender Mainstreaming in Politik und Wissenschaft Etikettenschwindel oder neuer Schritt im Geschlechter- und Generationenverhältnis? In den letzten Jahren hat sich in Politik und Wissenschaft eine neue Begrifflichkeit breit gemacht, die Frauen sprachlich wieder unsichtbar macht: Gender Mainstreaming. Was ist dran an der rasanten Karriere dieser Begriffsbildung - was ist Sache, was Problem, was nur Etikettenschwindel? Anhand von Befunden zweier empirischer Studien zur Umsetzung des Gender Mainstreaming werden Chancen und Gefahren dieses Konzepts abgewogen.
Sabine Hark
2002-01-08 DISKURS 12 1
Hark, Sabine Junge Lesben und Schwule Zwischen Heteronormativität und posttraditionaler Vergesellschaftung »Ich habe nichts gegen Lesben und Schwule - solange sie mir nicht zu nahe treten, solange sie nicht öffentlich auftreten.« Unterliegen junge Lesben und Schwule dem »heimlichen« Gebot, heimlich zu bleiben? Oft genug wählen sie zunächst selbst den Weg in die Anonymität als eine Form der Heimlichkeit, brechen Herkunftsbindungen und Freundschaften ab, um dann neue soziale Netze aufzubauen. Es scheint, dass nicht so sehr die Differenz in der sexuellen Objektwahl oder vermeintlich andere sexuelle Praktiken die Ursache für die Diskriminierung von Schwulen und Lesben darstellen, sondern die unterstellte Abweichung von den akzeptierten Formen von Männlich- und Weiblichkeit. 2002-01-08 DISKURS 12 1
Rauschenbach, Thomas Die Bürgergesellschaft - auch ein Forschungsprogramm? Anmerkungen zum Projekt der Bürgergesellschaft und zum Bedarf an Forschung Warum bedarf eigentlich ein so dezidiert politisches Projekt wie das der Bürgergesellschaft vermehrter Forschung? Der Hauptgrund liegt darin, dass dieses Vorhaben so anspruchsvoll ist, das es entweder nur ständig gefordert, erwünscht, erdacht werden kann, oder aber in seinen Prämissen und seinen Effekten genauer geklärt und geprüft werden muss. Empirische Forschung kann eine Brücke sein, um auch theoretisch gehaltvoller über mögliche Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der Bürgergesellschaft diskutieren zu können. Forschungsbedarf besteht vor allem an Zeitvergleichsstudien - neben Untersuchungen zum Motivationswandel der Bürger und Bürgerinnen auch an spezifischer Ursachenforschung zu Kontext- und Strukturvariablen bürgerschaftlichen Engagements.
2002-01-06 DISKURS 12 1 59-67
Jürgens, Kerstin Arbeitszeitflexibilisierung Marktanpassung oder neue Balance von Familie und Beruf? In Betrieb und Büro sind abhängig Beschäftigte zunehmend mit einer veränderten Arbeitsorganisation konfrontiert: Deregulierung und Flexibilisierung zählen zu den neuen Leitbildern und Orientierungslinien der Gestaltung von Erwerbsarbeit. Wenn die Beschäftigten die Arbeitsabläufe vermehrt selbst planen, mehr Verantwortung im Arbeitsprozess übernehmen und zeitlich flexibel arbeiten, dann eröffnet dies einerseits mehr Freiraum für individuelle Zeitgestaltung. Andererseits werden dadurch jedoch Anpassungsleistungen erforderlich, die besonders für erwerbstätige Eltern negative Effekte im Familienalltag nach sich ziehen können. Inwiefern beeinflusst die Flexibilisierung der Arbeitszeiten den »Balanceakt« zwischen Familie und Beruf? Der Beitrag zeigt, dass flexible Arbeitszeitmodelle die Koordination der Lebensbereiche erleichtern können, aber in der Praxis oft einseitig zur Anpassung an Produktions- und Dienstleistungslogik dienen. 2002-03-09 DISKURS 12 3 17-23
Herausgeberkreis DISKURS Kindheit und Bildung Heftthema Es ist ein Ruck durch dieses Land gegangen – als mittlerer Schock: Deutschland hat für den Zustand seines Bildungswesens schlechte Noten bekommen – noch dazu von einer unabhängigen Jury: PISA. Das gibt zu denken – aber in welche Richtung? Mehr Leistung! Wenn ja, auch mehr derselben? Schluss mit Spiel und Spaß im »Spielerparadies« Kindheit! Bereits im Kindergarten? Schon liegen die ersten Forderungen nach einem wissenschaftsorientierten Curriculum des Kindergartens auf dem Tisch (s. hierzu die thematische Einführung von Manfred Liebel und Jens Lipski in diesem Heft). Noch aber ist nicht ausgemacht, wie diese Forderungen und Vorschläge für einen neuen Bildungsauftrag des Kindergartens - politisch, pädagogisch, praktisch - durchbuchstabiert werden (sollen).
Darüber hinaus werden Rufe nach einer breiteren oder gar flächendeckenden Einführung von Ganztagsschulen laut. Auch ohne Anhörung, selbst gegen den Willen der Schülerinnen und Schüler? Was würde dann aus der bislang noch weitgehend selbst organisierten Freizeit der Kinder und Jugendlichen werden, was mit dem (Bildungs-)Wert dieser Freizeitkultur? »Begründbar wäre die Einführung der Ganztagsschule vor allem durch die Möglichkeit einer qualitativen Veränderung der schulischen Lernkultur. Tatsächlich böte der zeitliche und organisatorische Rahmen der Ganztagsschule die Chance, die immer weiter auseinander driftenden Lebenswelten von Schule und Freizeit wieder miteinander zu verbinden, indem Elemente sowohl des schulischen wie auch außerschulischen Lernens in einer modernen Lernkultur zusammengefügt werden. Dazu müsste man sich allerdings Gedanken über eine mögliche Synthese der grundlegenden Elemente dieser beiden Lernkulturen machen.« - soweit Manfred Liebel und Jens Lipski in ihrer Einleitung zum THEMA, das sich diesmal mit sechs Beiträgen vorstellt.
Jürgen Zimmer plädiert im Einklang mit der PISA-Studie für eine Weiterentwicklung des Situationsansatzes. Der Beitrag von Hans Rudolf Leu befasst sich mit Verfahren zur Qualifizierung des Bildungsauftrags im Elementarbereich. Heinz Hengst rekonstruiert den Wandel informellen Lernens an signifikanten Veränderungen der außerschulischen Kinderkultur. Anne Wihstutz geht Fragen der Kompetenzentwicklung am Beispiel von Kinderarbeit nach. Günther Dohmen interpretiert die Veränderung des Lernverständnisses hin zu lebenslangem Lernen und zur Anerkennung informellen Lernens als Wende zu einem »natürlicheren« und damit humaneren Lernen. Der Beitrag von Walter Hornstein fragt nach der Rolle der Jugendhilfe im Hinblick auf Bildungsaufgaben und plädiert für eine stärkere Vergegenwärtigung vergleichbarer historischer Situationen.
Im INTERVIEW argumentiert Arlie Russell Hochschild gegen eine individuelle Verrechnung der Kosten von Arbeit und familialen Pflegeleistungen und fordert ein breites gesellschaftliches Bündnis zur Umgestaltung des Verhältnisses von Familie und Arbeitswelt.
SPEKTRUM stellt zwei Beiträge vor: Ingo Richter setzt sich mit einzelnen Stadien des Gleichberechtigungsdiskurses in der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Claudia Franziska Bruner und Clemens Dannenbeck gehen in ihrem Beitrag der Rezeption der so genannten Disability Studies nach und problematisieren Formen ihrer fachlichen Institutionalisierung sowie unterschiedliche Positionierungsstrategien innerhalb des Wissenschaftsapparates.
Unter TRENDS bietet Claus J. Tully einen Überblick über erlebnisorientierte Technologien und fragt, wie durch individuelle Kontextualisierungsleistungen eine sinnhafte Nutzung der neuen »gadgets«, der neuen technischen Apparate, eröffnet werden kann.
Info 2002-02-10 DISKURS 12 2 4-5
Liebel, Manfred; Lipski, Jens "Für das Leben lernen" - durch Standardisierung? 2002-02-09 DISKURS 12 2 6-10
Zimmer, Jürgen Nicht das Rad neu erfinden! Der Bildungsanspruch des Situationsansatzes reicht weiter, als PISA es verlangt. Defizitäre Bildungsverläufe und große Diskrepanzen in den Schulleistungen zwischen »oben« und »unten« haben in Deutschland die Notwendigkeit einer Revision des Bildungssystems erkennen lassen. Dabei gewinnt der Elementarbereich für die Entwicklung und Förderung von Strategien zur Bewältigung realitätsnaher Herausforderungen zunehmend an Bedeutung. Vor dem Hintergrund der PISA-Ergebnisse fragt der Autor nach der Relevanz und Reichweite des mehrfach evaluierten Situationsansatzes für heutige Bildungsansprüche. 2002-02-09 DISKURS 12 2 11-18
Leu, Hans Rudolf Bildungs- und Lerngeschichten Ein Weg zur Qualifizierung des Bildungsauftrags im Elementarbereich Wenn von Bildung die Rede ist, stehen gemeinhin Schulen und Hochschulen im Zentrum des Interesses. Umso bemerkenswerter ist es, dass in der aktuellen Bildungsdebatte auch die Bildungsprozesse im frühen Kindesalter (wieder) verstärkt Beachtung finden. Gelten die Orientierung an den Interessen und Fähigkeiten der Kinder, der konkrete Situationsbezug sowie ein ganzheitliches Verständnis von Lernen im Elementarbereich weithin als unstrittig, gestaltet sich die Messung der Qualität und des tatsächlichen Ertrags der jeweiligen Bildungs- bzw. Selbstbildungsprozesse ungleich schwieriger. Der Beitrag stellt einige Ansätze hierzu vor, wobei insbesondere auf die Arbeit mit Bildungs- und Lerngeschichten abgestellt wird. 2002-02-09 DISKURS 12 2 19-25
Hengst, Heinz Vom Beiprogramm zum Programm Zur Kontextualisierung informellen Lernens Ausgehend von der These, wonach die Grenzen zwischen Erziehung, Unterhaltung, Technik und Konsum zunehmend fließender werden, fokussiert der Autor auf Lernwelten, die durch die Expansion und die Transformationen der mediatisierten Konsumkultur entstanden sind. Entlang signifikanter Veränderungen der außerschulischen Kinderkultur zeichnet der Beitrag einen Wandel informellen Lernens nach. Dabei wird der Blick auf einzelne Implikationen der Relativierung formalen, institutionalisierten Lernens gelenkt und der Einfluss der Scripts der Medien- und Konsumindustrie auf nicht-schulische wie schulische Lernprozesse aufgespürt. 2002-02-09 DISKURS 12 2 26-33
Wihstutz, Anne Arbeit von Kindern Überforderung oder Chance zur Entwicklung von Kompetenzen? Vor dem Hintergrund qualitativer empirischer Forschungen, in denen Kinder explizit als Akteure ausgewiesen werden, erörtert die Autorin Tätigkeiten von Kindern als Arbeit und fragt nach deren spezifischer Bedeutung für die Kompetenzentwicklung. Der Beitrag zielt auf den Entwurf eines Rahmens, in dem »Arbeit« so kontextualisiert und strukturiert werden kann, dass sie sowohl dem Bedürfnis der Kinder nach Autonomie und Selbständigkeit entgegenkommt, als auch ihrer Schutzbedürftigkeit gerecht wird. 2002-02-09 DISKURS 12 2 34-38
Dohmen, Günther PISA als Anstoß für ein »natürlicheres« Lernen »Non scholae, sed vitae discimus.« Diese in ihrem Gang durch die Jahrhunderte schon ein wenig strapazierte, gleichwohl immer noch nicht ausgezehrte Formel hat in den PISA-Untersuchungen ihre moderne Fassung erhalten: Erwerb von Fähigkeiten zur Anwendung relevanten Wissens auf die Lösung realer Aufgaben. Dies erfordert von den Lernenden eine stärker selbstgesteuerte Erarbeitung und Verarbeitung von Information und Wissen. Darüber hinaus geht es um die Notwendigkeit lebenslangen Lernens sowie die Anerkennung lebensimpliziten informellen Lernens. Der Verfasser attestiert dem gewandelten Lernverständnis Attribute eines »natürlicheren«, kindgemäßeren wie auch humaneren Lernens. 2002-02-09 DISKURS 12 2 39-44
Hornstein, Walter Jugendhilfe und Bildung zu Zeiten der Bildungsreform der 70er-Jahre und im Zeichen der PISA-Debatte Parallelen, Unterschiede, Entwicklungen Mit den Befunden der PISA-Studie ist auch die Frage nach der Rolle und dem Beitrag der Jugendhilfe zu den Bildungsaufgaben neu gestellt und mit Nachdruck auf die Tagesordnung gesetzt worden. Der Autor kritisiert den durchgängig a-historischen Zuschnitt der aktuellen Debatte und verweist auf Erkenntnisse und Einsichten, die durch eine Vergewisserung der Situation in den 70er-Jahren und aus der Rekonstruktion relevanter Entwicklungsprozesse in der Jugendhilfe gewonnen werden können. Sein Plädoyer für die Jugendhilfepraxis: Implementierung von zentralen Elementen des Bildungsgedankens wie Subjektorientierung sowie Anerkennung des Eigensinns des Subjekts. 2002-02-09 DISKURS 12 2 45-50
Hochschild, Arlie Russell Familie und Arbeit - »die Zeitfalle« Karin Jurczyk interviewt Arlie Russell Hochschild Die Autorin des Buches »Time Bind« versteht ihre Forschungsbefunde über Wandlungen der Bedeutung von Arbeit in den USA auch als eine Warnung für die Lage in Deutschland. Globalisierungs- und Deregulierungsprozesse haben die Belastungen der Arbeitskraft generell steigen lassen – was insbesondere Frauen zu spüren bekommen, da sie traditionell für Pflegeleistungen in der Familie als zuständig angesehen werden. Arlie Russell Hochschild plädiert für familiale Entlastungen - vor allem Arbeitszeitverkürzungen – und wendet sich gegen eine individuelle Verrechnung der Kosten von Arbeit und familialer Pflege. Sie wirbt für ein Netz gesellschaftlicher Bündnisse, die im Verhältnis von Arbeitswelt und Familie ein angemessenes Terrain für »Liebe und Privatheit« zu erkämpfen versuchen. Text 2002-02-07 DISKURS 12 2 51-55
Tully, Claus J. Informalisierung und Kontextualisierung Technische Netze im Alltag der »Generation @« Wenn zutrifft, dass jeder zweite Jugendliche über einen eigenen Computer verfügt, mehr als zwei Drittel der Kinder und nahezu 85 Prozent der Jugendlichen Nutzungserfahrungen haben und beinahe 90 Prozent der 15- bis 18-Jährigen ein Handy besitzen, hat der Terminus »Generation @« in der Tat einen Beigeschmack von Wahrheit. Kann vor dem Hintergrund der Auflösung und Transformation traditioneller Lebens- und Familienverhältnisse durch individuelle Kontextualisierungsleistungen eine sinnhafte und befriedigende Nutzung der neuen »gadgets«, der neuen technischen Apparate, eröffnet werden? Der Beitrag gibt Antwort.
2002-02-08 DISKURS 12 2 65-68
Richter, Ingo »Männer und Frauen sind gleichberechtigt« Der Beitrag erörtert einzelne Stadien des Gleichberechtigungsdiskurses in der Bundesrepublik Deutschland. Beim Durchgang durch differenztheoretische Positionen feministischer Kritik am Egalitarismus erfährt insbesondere die »dekonstruktivistische Wende« im feministischen Diskurs eine kritische Würdigung. Dabei geht es Ingo Richter vor allem um die Alltagsrelevanz dekonstruktivistischer Bemühungen, ihre Folgen für die Gesellschaftspolitik sowie um ihr juristisches Veränderungspotential. 2002-02-08 DISKURS 12 2 56-64
Bruner, Claudia Franziska; Dannenbeck, Clemens Disability Studies in Deutschland Zur Formierung eines Diskurses Mit der zunehmenden Rezeption der so genannten Disability Studies, die in den anglo-amerikanischen Ländern schon eine längere Forschungstradition haben, geht eine Auseinandersetzung um Formen ihrer fachlichen Institutionalisierung und um Positionierungsstrategien innerhalb des Wissenschaftsapparates einher. Fragen nach einem angemessenen Selbstverständnis von Disability Studies und nach der Legitimation ihrer Forschungspraxis werden in zweifacher Absicht diskutiert: die Ersetzung eines medizinischen Modells von Behinderung durch ein soziales über stigmatisierungstheoretische Erklärungsansätze wie auch über "Forschung von Behinderten" hinauszutreiben. 2002-02-06 DISKURS 12 2 69-73
Jurczyk, Karin; Lange, Andreas Familie und die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben Neue Entwicklungen, alte Konzepte Im Rahmen der Diskussionen um die Zukunftsfähigkeit von Familien geht es nicht alleine um immanente Familienprozesse. Vielmehr ist Familie eingebettet in ein Geflecht von Systemen und Institutionen, die über diese Zukunftsfähigkeit mit entscheiden. Im vorliegenden Beitrag wird der Stellenwert beleuchtet, den wirtschaftliche Umbruchprozesse für familiale Leistungserbringungen haben. Dies erfolgt vor der Folie eines idealtypischen Vergleichs "fordistischer" und "postfordistischer" Gesellschaften, bei der deutlich wird, dass die Denkfigur der Vereinbarkeit dem Wandel des Zusammenhangs von Arbeiten und Leben nicht mehr angemessen ist. In diesem Zusammenhang plädieren die Autorin und der Autor dafür, verstärkt die Ebene der alltäglichen Lebensführung von Familien in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken und nicht auf der Ebene von Einstellungen zu verbleiben. Abgeschlossen wird der Beitrag durch eine Reflexion der sich daraus ergebenden familienpolitischen Herausforderungen.
2002-03-09 THEMA 83 3 9-16
Heiliger, Anita; Permien, Hanna Deutsches Jugendinstitut Männliche Gewalt und Prävention Erst allmählich berücksichtigt die aktuelle Diskussion über Jugendgewalt in ihren Erklärungsansätzen
die Erkenntnis, daß physische Gewalt im wesentlichen von Jungen und Männern
ausgeübt wird und stellt den Zusammenhang dieser Tatsache mit der männlichen Sozialisation
und ihren vorherrschenden Leitbildern her. Dabei ist im "Männlichkeitswahn" sicher nicht
der alleinige, jedoch einer der wichtigsten Faktoren für Gewalt zu sehen (vgl. Schenk 1993,
S.166): Jungensozialisation richtet sich noch immer an einem Bild von Männlichkeit aus, in
dem Dominanz, Überlegenheit und Stärke eine zentrale Rolle spielen. Dieses Leitbild
schließt Gewaltanwendung zur Durchsetzung eigener Interessen und zur Festigung bzw.
Verbesserung des eigenen Status keineswegs aus, im Gegenteil: Aggressives Handeln bei
Jungen/Männern bis hin zu brutaler Gewalt sowohl gegen das eigene als auch das andere
Geschlecht werden gesellschaftlich in hohem Maße toleriert oder sogar offen akzeptiert als
integraler Bestandteil des Erwerbs männlicher Identität ("Jungen sind eben so.."). Gewaltausübung
erscheint als ein mit dem männlichen Geschlechtsrollenbild übereinstimmendes
Mittel der Aggressionsabfuhr und der Problembewältigung von Jungen und Männern (vgl.
Kersten 1993; Hafeneger 1992; Heiliger 1993; Brandes 1992; Enders-Dragässer 1991,
Lempert/Oelemann 1994).
Dieses Männlichkeitsbild ist zwar nicht das einzige, aber immer noch das vorherrschende
(vgl. Connell 1994), mit dem sich alle Jungen auseinandersetzen müssen. Ob und in
welchem Ausmaß Jungen nun tatsächlich Gewalt ausüben, hängt von einer Reihe modifizierender
Faktoren ab, auf die hier aber nicht eingegangen werden soll, da sich der vorliegende
Artikel auf die allgemeine Förderung von Gewaltbereitschaft im Verlaufe der männlichen
Sozialisation sowie auf Möglichkeiten präventiver Gegensteuerung konzentriert. 1995-01-06 DISKURS 5 1 33-41
Herausgeberkreis DISKURS Moderne Zeiten: Zur Entgrenzung von Arbeit und Leben Heftthema Der DISKURS hat sein Aussehen geändert. Das Titelbild tritt kleiner auf, kommt dafür im Innenteil größer raus. Das schafft Platz auf dem Cover für die Beiträge des Schwerpunktthemas, deren Nennung bisher erst im Inhalt erfolgte. Auch sonst wurde einiges neu gestaltet – in der Absicht, den DISKURS schöner und lesefreundlicher zu machen. Wir beginnen das erste Heft im anderen Gewand mit Rot und folgen dem Spektrum des Regenbogens.
Was beim Regenbogen zuweilen schon nicht ganz einfach ist – das Auseinanderhalten der einzelnen Farben – kann bei der Bestimmung und Differenzierung von Alltagssegmenten mitunter zu einem veritablen praktischen Problem werden. Was zeichnet diese in »modernen Zeiten« aus? Was ist dran an der »Entgrenzung von Arbeit und Leben«? Wird Arbeit immer mehr zum Zuhause und Familie immer mehr zur Arbeit? Metaphorik oder Realität? Wie flexibel dürfen, können und müssen Individuen sein, damit sie für sich, ihre Partner (innen) und ihre Familien eine gelingende Balance zu den beruflichen Anforderungen moderner Arbeitsplätze herstellen können? Wie stark sind Kinder von den Veränderungen des Arbeits(zeit)alltags ihrer Eltern betroffen, wie arrangieren sie sich damit – und welche neuen Betreuungsbedarfe ergeben sich daraus? Welche Handlungsperpektiven hinsichtlich einer humanen Gestaltung von Arbeitszeiten kann eine moderne Arbeitspolitik eröffnen? Was ist Sache, was Problem in der »fluiden Gesellschaft«, in den »hybriden« Arbeits- und Lebens-verhältnissen, was womöglich nur öffentlich inszeniertes Thema – als Kür zu den täglich neu aufgemachten Leistungs-maßstäben der Pflicht?
THEMA dieses Heftes verhandelt diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven und bilanziert sie entlang empirischer Forschungsbefunde und theoretischer Konzepte. In ihrer Einführung zum Themenschwerpunkt warnen Karin Jurczyk und Mechtild Oechsle davor, »bei der Analyse entgrenzter Arbeitsverhältnisse und ihrer ambivalenten Folgen (…) der falschen historischen Analogie« aufzusitzen, in der »die gegenwärtige Moderne mit der Vor- oder Erste(n) Moderne gleich(gesetzt wird)«. Vor dem Hintergrund der »vielfältig gewandelten gesellschaftlichen Bedingungen, allen voran partnerschaftlich orientierte Geschlechterverhältnisse, bei denen Frauen nicht mehr selbstverständlich das zeitlich, räumlich und emotional stabile ›Hinterland‹ der familialen Alltagsversorgung für ihre flexiblen Männer übernehmen«, versuchen die beiden Autorinnen, das Zauberwort der Moderne »Entgrenzung« zum Sprechen zu bringen und geben einen Überblick über die fünf Beiträge zu »Moderne Zeiten«.
SPEKTRUM stellt diesmal drei Beiträge vor, die alle um einen Gegenstand kreisen: den Körper. Damit bilden sie – wenn man es so sehen will – ein zweites »heimliches« Schwerpunktthema, aber nur auf den ersten Blick. Sibylle Hübner-Funk nähert sich der Thematik aus einer wissenssoziologischen Perspektive und kritisiert die Enthaltsamkeit der deutschen Jugendsoziologie in Sachen »Jugend und Körperlichkeit«. Sie plädiert für eine »somatische Wende« der Jugendforschung und eine verstärkte interdisziplinäre Ausrichtung ihrer Forschungsthemen (etwa in Kooperation mit der Entwicklungspsychologie oder den Sport- und Public-Health-Wissenschaften). Einen ganz anderen Zugang wählt Ulf Preuss-Lausitz: Er problematisiert das Körper-Bild der Postmoderne, wonach Kinder allesamt autonome und selbstkonstruktive Gestalter ihrer Körper seien. Mit Blick auf »abweichende« – i. e. (zu) dicke, behinderte und chronisch kranke – Kinder verweist der Autor auf die Notwendigkeit, der Realität von Abhängigkeit und Unvollkommenheit in der Kindheitsforschung wie auch in den Disability Studies verstärkt Aufmerksamkeit zu zollen.
Was Menschen angetan wird, wenn ihnen sexuelle Gewalt widerfährt und damit ihre psycho-physische Integrität verletzt wird, stellt Rita Völker anhand empirischer Befunde über sexuelle Traumatisierung von Kindern und Jugendlichen dar. Alarmierend an ihren Ergebnissen ist, wie wenig der Tatbestand sexueller Traumatisierung bislang in den einschlägigen Professionen zur Kenntnis genommen wird.
In TRENDS stellt Sebastian Hanny Projekte und Modelle zum Themenbereich Unternehmensgründungen vor. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation dürfte der Ruf nach vermehrten Existenzgründungen und der dafür anzubietenden Qualifizierung bereits in der schulischen Ausbildung eher noch lauter werden.
2002-03-10 DISKURS 12 3 5-8
Suthues, Bettina Elterliche Arbeitszeit und Kinderalltag Zwei Fallstudien zu Zeithoheit und Zeitsouveränität von Grundschulkindern Thema des Artikels ist der Zusammenhang zwischen Zeitstrukturen elterlicher Erwerbsarbeit und dem Alltagsleben von Kindern – aus Kindersicht. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen von Zeitbedingungen im Kinderleben wird anhand zweier Fallbeispiele die Verzahnung von Arbeitszeit, Betreuung und Kinderalltag verdeutlicht. Grundlage bilden Interviews, die im Rahmen einer explorativen Studie mit Kindern geführt wurden, ergänzt durch Befunde ihrer Eltern. Umgangsweisen mit Zeit werden über die Differenzierung "moderner" und "traditionaler" Kinderalltage hinaus unter den Aspekten "Zeitsouveränität" und "Zeithoheit" betrachtet. 2002-03-09 DISKURS 12 3 24-31
Erler, Gisela Anna Flexible Eltern - flexible Kinder? Neue Wege einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung Die Gründerin und Geschäftsführerin der pme Familienservice GmbH berichtet über bundes-weit bereitgestellte neue Angebote für Kinder von acht Wochen bis zwölf Jahren mit besonderen Betreuungsbedarfen. Diese "Back-Up-Betreuung", die in den USA weit verbreitet ist und sich dort bereits schon auf Nachtschicht-Betreuung erstreckt, wird angeboten z. B. bei Erkrankung der Mutter, Schließung eines Kindergartens, bei heftigen Arbeitsanfällen der Eltern und trifft bei Betrieben wie Eltern auch in Deutschland zu-nehmend auf große Nachfrage. Aus betrieblicher Sicht handelt es sich dabei um kostensparende, aber auch loyalitätsbildende Maßnahmen. Die Autorin prüft die aus pädago-gischen und familienpolitischen Fachkreisen vorgebrachten Vorbehalte gegenüber diesen flexiblen Angeboten und zeigt entlang von Praxisbei-spielen die mentalen und strukturellen Voraussetzungen für eine gelingende "Flexicurity" für Kinder auf. 2002-03-09 DISKURS 12 3 32-36
Mönig-Raane, Margret Damit die Arbeit nicht endlos wird! Neue Initiativen in der Arbeitszeitpolitik Ausgehend von dem Befund einer abnehmenden Zeitsouveränität der Beschäftigten zeigt die Gewerkschafterin auf, wie unterschiedliche Strategien der Arbeitszeitflexibilisierung die zunehmenden Spaltungen auf den Arbeitsmärkten verschärfen. Sie bescheren einer gut qualifizierten, aber abnehmenden Stammbelegschaft längere Arbeitszeiten bei relativ sicheren Beschäftigungsverhältnissen und lassen im Gegenzug an den Rändern die Zahl der prekären Beschäftigungsverhältnisse mit kurzen Arbeitszeiten und geringen Karrierechancen beständig wachsen. Grund genug für die Forderung der Autorin, Arbeitszeitpolitik wieder zu einem gewerkschaftlichen Schwerpunkt zu machen. In einem Klima von Verängstigung und postmodern aufgenötigter Strebsamkeit sieht sie Ansätze eines Gegentrends zur immer flexib-leren Arbeitszeitgestaltung: das wachsende Bedürfnis nach kürzeren Arbeitszeiten, nach planbarer, verlässlicher Arbeits- und Freizeit, nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance und nach geschlechtergerechten Chancen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
2002-03-10 DISKURS 12 3 37-39
Hübner-Funk, Sibylle Wie entkörperlicht ist die Jugend der Jugendsoziologie? Argumente für eine »somatische Wende« In Werbespots und Jugendzeitschriften wird Jugend vor allem mit den positiven Körpermerkmalen straff und schön, sexy und sportlich assoziiert. Nicht so in der deutschen Jugendsoziologie: Hier dominiert – wie der Beitrag zeigt – eine "übersozialisierte" Perspektive des Heranwachsens, in der die Fülle der körperlichen Entwicklungen, die in der Adoleszenzphase aus Kindern Jugendliche, d. h. körperbewusst agierende junge Erwachsene machen, kaum beforscht wird. Die Ursachen dieses Defizits lassen sich zwar anhand der Gründungsgeschichte der Soziologie nachvollziehen, die Folgen aber erzeugen viele »blinde Flecken«: z. B. die Vernachlässigung der ästhetischen, sportlichen, gesundheitlichen und theatralischen Lebens- und Handlungsmuster dieser Population. Die vorgetragenen Argumente für eine "somatische Wende" der Jugendforschung sind nicht nur als Appell für eine Neuorientierung der Jugendsoziologie, sondern auch als Plädoyer für eine verstärkt interdisziplinäre Ausrichtung ihrer Forschungsthemen (etwa in Kooperation mit der Entwicklungspsychologie oder den Sport- und Public Health Wissenschaften) gedacht. 2002-03-08 DISKURS 12 3 40-46
Preuss-Lausitz, Ulf Körpermanagement bei Kindern Notwendigkeit und Grenzen der Selbstsozialisation Von Kindern wird in der Postmoderne erwartet, selbständig ihr Leben zu führen und zu gestalten. Die Sozialisationstheorie focussiert diese Erwartung im Begriff der »Selbstsozialisation«. Auch der Kinder-Körper soll konstruktivistisch gestaltet werden. Aber zu dicke, behinderte und chronisch kranke Kinder können diese Erwartung oft nicht erfüllen. Der Autor versucht zu zeigen, dass Kindheitsforschung und Disability Studies die realen Möglichkeiten, autonom und selbstkonstrukiv zu handeln, mit der Realität von Abhängigkeit und Unvollkommenheit besser verbinden müssen. 2002-03-08 DISKURS 12 3 47-52
Völker, Rita Sexuelle Traumatisierung von Kindern und Jugendlichen Ergebnisse einer empirischen Untersuchung Vorgestellt werden Befunde einer empirischen Studie zu sexuellen Missbrauchserfahrungen von Mädchen. Die Untersuchung macht deutlich, dass sexueller Missbrauch eine besonders schwerwiegende Form der Traumatisierung darstellt und die Betroffenen noch lange Zeit nach erlittener Gewalt in Bann hält. Alle befragten Kinder und Jugendlichen haben bereits traumatisierende Erfahrungen gemacht und kommen zum Teil geschändet in Einrichtungen der Jugendhilfe. Oftmals nehmen Pädagogen und Psychologinnen, Ärzte und Erzieherinnen das traumatische bzw. posttraumatische Belastungssyndrom überhaupt nicht wahr. Auch fällt es in der Praxis häufig schwer, bei entsprechenden Hinweisen professionelle Strategien zu entwickeln und den Kindern und Jugendlichen Sicherheit und Schutz zu geben. Der vorliegende Beitrag will anhand ausgewählter Beispiele für das Phänomen der sexuellen Traumatisierung sensibilisieren und den Blick für verdeckte Angst- und Rückzugssignale von Betroffenen schärfen. 2002-03-08 DISKURS 12 3 53-60
Hanny, Sebastian Spielerisch der eigene Chef Gründungsprojekte erobern das Klassenzimmer Die Gründerausbildung an deutschen Schulen und Hochschulen entwächst ihren Kinderschuhen. Mehr und mehr Planspiele, Projekte und Ausbildungsprogramme im Bereich des Gründungsmanagements werden ins Leben gerufen. Der Trend zeigt klar in eine Richtung: Schüler werden immer früher mit gründungsrelevanten Inhalten vertraut gemacht. Der Beitrag widmet sich der Notwendigkeit einer Gründerausbildung an Schulen, stellt einschlägige Projekte und Planspiele vor und gibt einen Ausblick in die Zukunft.
2002-03-06 DISKURS 12 3 61-65
Herausgeberkreis DISKURS Jugendforschung: Bilanz und Ausblick nach vier Jahrzehnten Heftthema Das vorliegende DISKURS-Heft stellt inhaltlich wie formal eine besondere Ausgabe dar. Der Anlaß ist das 40-jährige Jubiläum des Deutschen Jugendinstituts, das am 5. Oktober 1963 seine Arbeit aufnahm. Das Heft dokumentiert im Themenschwerpunkt wichtige Beiträge des DJI-Symposiums, das am 23./24. Juni 2003 in Berlin unter dem Titel „Jugendforschung zwischen Tradition und Innovation. Bilanz und Ausblick nach vier Jahrzehnten“ stattgefunden hat und der wissenschaftliche Auftakt dieses Jubiläumsjahres war. Unter Trends behandelt das Heft überdies die Entwicklung des DJI als eines sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Beratungsinstituts, das seit seiner Gründung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik- und Praxisberatung angesiedelt war.Nach vier Jahrzehnten eine Bilanz der eigenen institutionellen Entwicklung zu ziehen, d. h. sich auf die Leistungen zu besinnen, die das DJI im Gefolge der zeitgeschichtlichen und politischen Umstände seit 1963 erbracht hat, ist keine leichte Aufgabe. Es soll nicht um eine Bilanz im Sinne einer„narzisstischen Nabelschau“ gehen, sondern um eine reflektierte Rückblende, aus der einige der zentralen Fragen deutlich werden, an deren Lösung das DJI (als Mittler zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis im Feld von Jugend, Familie und Kinderbetreuung) maßgeblich mitgewirkt hat.
1963: Die „Beatles“ veröffentlichen ihr erstes Album, die Bundesrepublik erhält ihre zweite öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt (ZDF), der erste Video-Rekorder kommt auf den Markt. Konrad Adenauer tritt als Bundeskanzler zurück, Ludwig Erhard wird sein Nachfolger und muß als erste Belastungsprobe den Streit um die Kriegsopferrente durchstehen. Auf dem Weg zur europäischen Einigung schließen Deutschland und Frankreich (noch unter Adenauer) einen Vertrag über ihre freundschaftliche Zusammenarbeit, aber Frankreich legt sein Veto gegen einen Beitritt Großbritanniens zur EWG ein; und schließlich geschieht das bestürzende Ereignis: US-Präsident John. F. Kennedy, der noch im Juni seine berühmte Rede „Ich bin ein Berliner“ vor dem Schöneberger Rathaus gehalten hat, wird im November in Dallas/Texas auf offener Strasse erschossen. Neben der Bundesrepublik existiert der zweite deutsche Staat, die DDR, die zu diesem Zeitpunkt die zweitgrößte Industriemacht im COMECON-Lager ist. Zum Jahresende öffnet sich für die Bewohner West-Berlins zum ersten Mal seit dem 13. August 1961 die Mauer für einige Stunden zu Privatbesuchen im anderen Teil der Stadt. Die Sowjetunion und die USA fechten ihren hoch-technisierten, kostenintensiven Kampf um die Vormachtstellung in der Weltraumfahrt aus.
2003: Die „Beatles“- Alben und Songs feiern ein Come-Back, in der Bundesrepublik haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten längst Konkurrenz von zahlreichen Privatsendern gekommen, statt des Video-Rekorders steht das digitale Fernsehen im Mittelpunkt des technischen Alltagsinteresses. Aus der EWG ist mittlerweile die Europäische Union (aus 16 Mitgliedsländern) geworden, zu der auch Großbritannien gehört; die Mehrzahl der EU-Staaten besitzt seit 2001 eine gemeinsame Währung: den Euro; in der akuten Irak-Krise, die dem Anti-Terror Krieg der USA (ohne UN-Mandat) gefolgt ist, vertreten die Partner Deutschland und Frankreich einerseits, die kriegsführenden Briten und USA andererseits gegensätzliche Positionen. Seit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 gibt es nur noch einen deutschen Staat: die Bundesrepublik Deutschland, dessen Hauptstadt wieder Berlin ist. Der Ostblock ist in zahlreiche Länder zerfallen, von denen einige in absehbarer Zeit auch Mitglieder der Europäischen Union sein werden (nachdem sie bereits Mitglieder der NATO sind). Rußland und die USA haben sich wirtschaftlich, kulturell und strategisch einander angenähert; sie führen nicht nur gemeinsame Raumfahrt- und Abrüstungsprogramme durch, sondern versuchen auch zunehmend, für die weltweiten Krisenregionen gemeinsame Lösungen zu finden.
Von diesen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der letzten vierzig Jahre hat die deutsche Einigung die Arbeit des Deutschen Jugendinstituts am direktesten beeinflusst. Nicht nur war es geboten, rasch qualifizierte Vergleichsstudien über die Meinungen und Einstellungen der ost- und die westdeutschen Jugendlichen vor dem Hintergrund ihrer Lebenslagen durchzuführen, sondern mit dem Einigungsvertrag wurde dem DJI auch das (1966 gegründete) fast gleichaltrige Zentralinstitut für Jugendforschung (ZIJ) in Leipzig zugeordnet. Damit fand die Geschichte der deutschen Zweistaatlichkeit auch im Bereich Jugendforschung ihren Abschluß.
Bereits bei seiner Gründung fusionierten zwei Einrichtungen zum DJI: Als es am 27. April 1961 auf Initiative des Deutschen Bundestages als „eingetragener Verein“ im Bayerischen Staatsministerium des Inneren in München „aus der Taufe gehoben“ wurde, gingen zwei thematisch ähnlich ausgerichtete Vorläufer in dem neuen Institut auf: einerseits das (seit 1949 bestehende) „Deutsche Jugendarchiv“ in München und andererseits das (1956 errichtete) „Studienbüro für Jugendfragen“ in Bonn. Insbesondere der Auftrag des „Deutschen Jugendarchivs“, als zentrale Dokumentations- und Auskunftsstelle für Jugendpflege und Jugendfürsorge zu fungieren, wurde an das DJI in seiner Gründungsurkunde weitergereicht: Es solle sich vor allem „mit Aufgaben der Jugendarbeit und der Jugendforschung, vor allem der Dokumentation, fachlichen Information für Forschungsarbeiten, Erteilung von Forschungsaufträgen und der Auswertung von wissenschaftlichen Arbeiten“ befassen.
Vor dem Hintergrund der stürmischen wirtschaftlichen Entwicklung (des „Wirtschaftswunders“), der beginnenden Diskussion der Chancengleichheit für Kinder der Arbeiterschicht im Bildungssystem („Bildungskatastrophe“) und der verstärkten westeuropäischen Integration der Bundesrepublik sollte das DJI dem gestiegenen Bedarf an wissenschaftlichen Übersichten und Erklärungen zur Lage und Problemlage der (west-) deutschen Jugend Rechnung tragen. Jugendforschung war also die „Keimzelle“ des Instituts, das sich heute darüber hinaus auch mit Fragen der Familien-, Kindheits- und Geschlechterforschung beschäftigt.
Jugendforschung ist seit den 60-ger Jahren ein weites Feld geworden, das sich kaum noch überblicken und erst recht nicht auf „einen Nenner“ bringen lässt. Um diesem Feld in der Jubiläumsbilanz gerecht zu werden, haben zwei Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats des DJI eine Rückschau und eine Vorausschau „von außen" vorgenommen: einerseits der Erziehungswissenschaftler Jürgen Zinnecker von der Universität Siegen und andererseits die britische Sozialwissenschaftlerin Claire Wallace vom Institut für Höhere Studien in Wien. Zusammen mit einer kritischen Nachlese der diskursiven Ortsbestimmung „Wo steht die Jugendforschung heute?“ dokumentieren sie wichtige Beiträge des Symposiums und bilden damit den Themenschwerpunkt des vorliegenden Hefts.
Die Herausgeberinnen sind der Ansicht, dass es lohnt, jene Rück- und Ausblicke für die weitere fachwissenschaftliche Debatte quasi als Kristallisationskerne zu nutzen, deren Ziel nicht zuletzt darin bestehen sollte, die deutsche Jugendforschung des kommenden Jahrzehnts mit mehr „Biss“ zu versehen. Angesichts des ambivalenten Tenors der in Berlin versuchten „Ortsbestimmung“ hat die kritische Nachlese jener Podiumsdiskussion zur Frage „Wo steht die Jugendforschung heute?“ von Sibylle Hübner-Funk nämlich eine orientierungslose, wenn nicht „zahnlose“ Ausgangslage erbracht, in der nur zögerlich die dramatischen Herausforderungen der neuen europäischen Vereinigung aufgegriffen werden. „Die Zukunft ist europäisch oder gar nicht“ lautet daher das Resümee jener Nachlese, denn die beiden europäischen Podiumsteilnehmerinnen haben ihren deutschen Kollegen auf recht eindrucksvolle Weise vor Augen geführt, dass das Ende einer nation-zentrischen Jugendforschung schon längst gekommen ist.
Ein thematisch breiterer, doch institutionell engerer Zugang kennzeichnet den Teil Trends des vorliegenden Heftes. Er wird durch den Beitrag „Wissenschaft und Politik. Die unverzichtbare Rolle der Sozialforschung für politisches Handeln“ von Rita Süssmuth eingeführt, die dem DJI seit Mitte der 1970-er Jahre sowohl in ihrer Funktion als Professorin für Erziehungswissenschaft als auch in ihrer zeitweiligen Rolle als Jugend- und Familienministerin und als Mitglied bzw. Vorsitzende verschiedener Expertenkommissionen für die Jugend- und Familienberichte der Bundesregierung fachlich eng verbunden ist.
Anschließend wird das DJI in seinen unterschiedlichen Wachstums- und Entwicklungsphasen von seinen vier bisherigen Direktoren, Prof. Dr. Walter Hornstein, Prof. Dr. Lothar Böhnisch, Prof. Dr. Hans Bertram und Prof. Dr. Ingo Richter, seiner einzigen Direktorin Prof. Dr. Line Kossolapow sowie seinem derzeitigen Direktor, Prof. Dr. Thomas Rauschenbach kurz charakterisiert. Besonders markante Forschungs- und Praxisprojekte und ihre öffentlichkeits- und DJI-wirksamen Folgen werden parallel zu diesen sechs Direktoratsphasen von einschlägigen – früheren und jetzigen – MitarbeiterInnen des DJI vorgestellt. Auf diese Weise entsteht ein Kaleidoskop aus sechs Diraktoraten und neun für sie signifikanten Projekten, anhand dessen die LeserInnen ein anschauliches Bild von den Interdependenzen gewinnen können, in die sowohl die Sozialforschung als auch die Politik- und Praxisberatung des DJI eingebunden sind.
Hinter allem erfolgreichen Wachstum des Deutschen Jugendinstituts, so wird aus diesen Darstellungen deutlich, stehen letztlich engagierte Kämpfe und Auseinandersetzungen um das soziale Feld „Jugend“ (wie von Jürgen Zinnecker in seinem Einführungsartikel beschrieben), da es keinen fest bestimmten Aufgabenkreis markiert, sondern ständig in Wechselwirkung mit andern sozialpolitisch wichtigen Aufgabenfeldern neu determiniert wird. Insbesondere die 1989-er Wende und die deutsch-deutsche Vereinigung von 1990 haben diesen Umstand dramatisch zum Ausdruck gebracht, als im Osten Deutschlands das zentralstaatliche Modell der Jugend, ihrer Interessenvertretung und politischen Führung, in weniger als zwölf Monaten vollständig in sich zusammengebrochen ist. Das DJI war damals eine der maßgeblichen Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik, die diese Implosion und Erosion wissenschaftlich aufzuarbeiten hatte. Seine Erbschaft der ZIJ-Datenbestände hat ihm eindrucksvoll vor Augen geführt, wie anfällig und hinfällig Wissenschaft ist, die unter politisch abhängigen Bedingungen ihre Aufgaben zu erfüllen hat.
2003-01-10 DISKURS 13 1 2-5
Bullock, Roger; Axford, Nick; Little, Michael; Morpeth, Louis Predicting the Likelihood of Family Reunification in the Foster Care System Patterns of Separation and Return Die Frage nach der Wirksamkeit der Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe wird in Grossbritannien spätestens seit einer Übersichtsarbeit von Sheldon (1986) diskutiert. Durch eine Mischung verschiedener Strategien – wie etwa Prävention, frühe Intervention und Verbesserung der Diagnostik – wird versucht, Hilfeprozesse für betroffene Kinder und ihre Eltern wirksamer zu gestalten. Ein wichtiger Motor der Veränderung ist dabei die »Dartington Social Research Unit« geworden, die sich der Jugendhilfeforschung und Förderung des Forschung-Praxis-Dialogs verschrieben hat. In der »Dartington Social Research Unit«, einer multidisziplinären Forschungseinrichtung, wurde eines der gegenwärtig in Grossbritannien diskutierten Systeme zur Beschreibung der Bedürfnisse von Kindern in der Kinder- und Jugendhilfe erstellt. Das Institut spielte auch bei der »Looking-after-Children« Initiative, einer koordinierten Anstrengung zur Evaluation und Verbesserung der Situation fremduntergebrachter Kinder, eine wichtige Rolle. Unter anderem konnte dabei am Institut auf längsschnittliche Forschungen zurückgegriffen werden, in denen gelingende und scheiternde Rückführungsprozesse bei Kindern nach Pflegestellenaufenthalten untersucht wurden. Hieraus wurden Einschätzungsinstrumente für die Praxis entwickelt und in weiteren Studien erprobt. Die AutorInnen arbeiten an der »Dartington Social Research Unit«, wobei Roger Bullock die Einrichtung mitbegründete und bis 2001 leitete und Michael Little zugleich am renommierten Chapin Hall Center for Children an der Universität Chicago forscht.Artikel in deutscher Übersetzung 2003-02-09 DISKURS 13 2 26-33
Kindler, Heinz Risikoeinschätzung bei Kindeswohlgefährdung Heinz Kindler interviewt Chris Baird Das Interview dient der Einführung in die Forschungen des »Children’s Research Center (CRC)« über Risikoeinschätzungsverfahren. Chris Baird beschreibt den Forschungsansatz bei der Entwicklung dieser Verfahren, ihren Stellenwert im Rahmen strukturierter Systeme der Entscheidungsfindung sowie Befunde zur Fairness der Instrumente in der Arbeit mit Familien unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit. Die gegenwärtig vorliegenden Verfahren zur Einschätzung von Misshandlungs- bzw. Vernachlässigungsrisiken sind aussagekräftiger als viele der etwa in der Medizin verwendeten Risikoinstrumente. Trotzdem bereitet es vielen Fachkräften – aus mehreren Gründen – Unbehagen, Familien, die aufgrund einer Gefährdungsmeldung mit dem Jugendhilfesystem in Kontakt kommen, hinsichtlich ihres Misshandlungsrisikos explizit einzuschätzen. Ein weiteres Thema des Interviews war daher die Reaktion der amerikanischen Fachkräfte auf die Einführung von Risikoeinschätzungsinstrumenten. Chris Baird betont in seinen Antworten, dass die gegenwärtig vorliegenden Verfahren nicht der Etikettierung bestimmter Familien als Misshandler dienen. Eine solche Vorhersage werde nicht geleistet. Vielmehr geht es darum, Risikoniveau und Intensität der Hilfe möglichst gut aufeinander abzustimmen, sodass einerseits Kindeswohlgefährdungen abgewehrt werden können, andererseits aber auch ein effektiver Mitteleinsatz erfolgt.
Originaltext des Interviews 2003-02-07 DISKURS 13 2 24-41
Hater, Karin Heute hier, morgen dort? Aspekte der räumlichen Neuordnung familiärer Beziehungen nach einer Trennung Trennung wird definiert als die Auflösung eines gemeinsamen Haushalts der Eltern. Die anschließende räumliche Neuordnung der Eltern-Kind-Beziehungen wird als eine sehr anspruchsvolle Aufgabe beschrieben, die vielfältige Dimensionen des Wohnens von Erwachsenen und Kindern berührt. In raumsoziologischer Perspektive wird der komplexe Prozess unter fünf Aspekten ausgelotet: wachsende Anforderungen an zeitliche Koordination und räumliche Mobilität im Alltag der Kinder, neue Formen von »Elternhaus« als Repräsentation der Elternfiguren, Aushandlungsprozesse zwischen Gast- und Wohnrechten, Wohnen über die Grenze zwischen zwei elterlichen »Hoheitsgebieten« und über die Grenze zwischen den privaten Räumen und dem öffentlichen Raum, räumliche Bedingungen für die Ablösung vom »Elternhaus«. Damit wird ein theoretischer Rahmen skizziert, in dem die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen räumlichen Strukturen und der Entwicklung von Eltern-Kind-Beziehungen empirisch zu prüfen wären. 2003-02-08 DISKURS 13 2 42-49
Rauschenbach, Thomas Das Bildungsdilemma (Un-)beabsichtigte Nebenwirkungen öffentlicher Bildungsinstanzen Vor dem Hintergrund zentraler PISA-Befunde zeichnet der Autor einzelne Stadien des Reformprojekts Bildung nach und macht in der deutschen Gegenwartsgesellschaft ein Bildungsdilemma aus, das seinen Grund in der Verengung des öffentlichen Blicks auf den Bildungsort Schule und die Bildungsform Unterricht habe. Er plädiert für einen Perspektivenwechsel in der derzeitigen Debatte, um Bildungsprozesse als Produkt eines diachronen und synchronen Zusammenspiels von unterschiedlichen Bildungsorten und modalitäten im Lebensverlauf von Kindern und Jugendlichen konzipieren zu können. Damit kommen mehrere Orte und Modalitäten von Bildung, Erziehung und Lernen – Familie, Schule, Peers, Kinderbetreuung, Jugendhilfe, Medien etc. – gleichermaßen in den Blick. Nach einem exemplarischen Durchgang durch verschiedene Bildungsorte und -prozesse spricht sich der Autor dafür aus, Bildung weiter zu fassen und breiter zu konzipieren als nur über Schule und mit Blick auf die Vermittlung zentraler Kompetenzen und Lernziele auch die außerschulischen Lern- und Bildungsressourcen einzubeziehen. 2003-02-08 DISKURS 13 2 50-58
Schittenhelm, Karin; Granato, Mona »Geschlecht« und »Ethnizität« als Kategorien der Jugendforschung Junge Migrantinnen heute und die Differenzierung einer Lebensphase Für die sozialwissenschaftliche Forschung stellt sich die Anforderung, die Konstruiertheit geschlechtlicher und interethnischer Unterscheidungen zu analysieren, ohne diese von neuem fortzuschreiben. Um das Problem einer Reifikation zu vermeiden, schlägt der Beitrag vor, zukünftige Forschung zu jungen Migrantinnen nicht allein auf geschlechter- oder migrationsbezogene Gesichtspunkte zu verengen, sondern diese ebenso mit Blick auf allgemeine jugendspezifische Entwicklungen im Zuwanderungsland zu untersuchen. Ausgangspunkt ist die Frage, inwieweit sich Forschungsarbeiten zu jungen Migrantinnen und Ergebnisse der Jugend- und Mädchenforschung zur gegenseitigen Kenntnis nehmen. Der anschließende Blick auf »Geschlecht« und »Ethnizität« als Kategorien der Jugendforschung zeichnet die Ergebnisse sozialkonstruktivistisch orientierter Ansätze nach. Als eine Möglichkeit, jugend-, geschlechts- und migrationsbezogene Perspektiven zu integrieren, diskutiert der Beitrag abschließend vergleichende Forschungsansätze, die junge Migrantinnen mit Bezug auf einheimische Vergleichsgruppen junger Frauen untersuchen. 2003-02-08 DISKURS 13 2 59-66
Zinnecker, Jürgen Forschung im sozialen Feld »Jugend«
Deutsche Jugendforschung zwischen Nachkriegszeit und beschleunigter Moderne In dem Beitrag wird ein Überblick über die Geschichte der Jugendforschung in (West) Deutschland seit den 1950-er Jahren gegeben. Jugendforschung stellt sich als ein dezentriertes, abhängiges Wissenschaftsfeld dar, dessen Geschichte nur bedingt aus der Eigenlogik wissenschaftlichen Voranschreitens verstehbar ist. Sozialwissenschaftliche Jugendforschung ist vielmehr Teil eines sozialen Diskurs- und Kräftefeldes (im Sinne von Pierre Bourdieu), in dem es um die historische Bestimmung und Entwicklung des jugendlichen "Moratoriums" in der Moderne geht. Welche Positionierung hat Jugendforschung in den letzten fünf Jahrzehnten in diesem sozialen Feld in der Bundesrepublik Deutschland eingenommen? Dieser Frage wird z. B. anhand der Koppelung zwischen Jugendforschung und Massenmedien und anhand der Leitdiskurse um signifikante politische Jugendgenerationen nachgegangen. Besondere Beachtung wird dabei den zunehmenden Tendenzen zur Entgrenzung des jugendlichen "Moratoriums" und dem damit einhergehenden Schwund des realen Erkenntnisobjektes Jugend geschenkt. Abschließend wird danach gefragt, welche Schlüsse die heutige Jugendgeneration für sich selbst aus diesen Tendenzen gezogen hat. 2003-01-09 DISKURS 13 1 7-18
Zinnecker, Jürgen 50 Jahre Jugendforschung in Deutschland Eine bibliografische Auswahl 2003-01-09 DISKURS 13 1 19-21
Wallace, Claire Perspektiven der Jugendforschung im neuen Europa Aufgrund der Entwicklung von EU-Richtlinien zur europäischen Jugendpolitik sowie der erfolgreichen Mitwirkung von europäischen JugendforscherInnen an einschlägigen EU-Forschungsprogrammen (z. B. dem Vierten und Fünften Rahmenprogramm) besteht mittlerweile ein gemeinsames Forschungsfeld der europäischen Jugendforschung. Dennoch gibt es immer noch erhebliche nationale Unterschiede in der Begriffsbestimmung von Jugend sowie in den Programmen, die sich auf diese Population richten, und in der Definition dessen, was als "Jugendproblem" zählt – sei es unter politischen oder theoretischen Gesichtspunkten.
Die Erweiterung Europas in den 1990er Jahren hat überdies eine Fülle von neuen Problemen, Theorien und Definitionen von Jugend mit sich gebracht, die nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatengemeinschaft entstanden sind. Trotz dieser Heterogenität der Jugendforschung verfügen die JugendforscherInnen in Europa über gute und funktionsfähige Netzwerke, die von der EU-Kommission, dem Europarat, der European Science Foundation oder von anderen internationalen Organisationen unterstützt werden und mittels derer sich gemeinsame Konzepte und Strategien der europäischen Jugendforschung weiterentwickeln können. Die disziplinäre Heterogenität der Jugendforschung – im Blick auf Fachrichtungen, Probleme und Forschungsfelder, jeweils bezogen auf die Nähe zur Politik –, die sie in der Vergangenheit in die Lage versetzt hat, sich als eigenständiges Forschungsfeld in Europa zu etablieren, kann aber in Zeiten, in denen die Grenzen von "Jugend" sich aufzulösen beginnen, auch zu einem Hindernis werden.
2003-01-09 DISKURS 13 1 22-33
Lüders, Christian Wo steht die Jugendforschung heute? Thesen zur Podiumsdiskussion am 23.6.2003 auf dem 18. DJI-Symposium 2003-01-09 DISKURS 13 1 34-35
Hübner-Funk, Sibylle Wo steht die Jugendforschung heute? Eine kritische Nachlese Eine systematisch wie zeitgeschichtlich sensible Ortsbestimmung der deutschen Jugendforschung zu leisten, war das Ziel der Podiumsdiskussion "Wo steht die Jugendforschung heute?" des 18. DJI-Symposiums (am 23./24. Juni 2003 in Berlin), das "Jugendforschung zwischen Tradition und Innovation. Bilanz und Ausblick nach vier Jahrzehnten" zum Programmthema hatte. Die fünf geladenen DiskutantInnen (und das Publikum) wurden vom Diskussionsleiter mit einem – in Form von Thesen formulierten – schriftlichen Input versehen, der im vorliegenden Heft als Dokument im Original abgedruckt ist, damit die kritische Nachlese der Podiumsdiskussion "Jugendforschung ohne Biss, oder: die Zukunft ist europäisch (oder gar nicht)" leichter verstanden werden kann. Inhaltlich divergieren beide Texte voneinander, da sie persönliche Meinungen und Wertungen zum Ausdruck bringen und nicht institutionelle "Verlautbarungen des DJI" sind. Dadurch spiegeln sie auch den Zustand der deutschen Jugendforschung, die – trotz oder gerade wegen ihrer Medienwirksamkeit und Fülle – keinen klar definierbaren wissenschaftlichen »Korpus« mehr darstellt und ihren Gegenstand, die Jugend, nicht mehr eindeutig zu bestimmen vermag. Umso wichtiger, wenn auch gewagter, sind die Versprechungen zweier europäischer Podiumsteilnehmerinnen, dass eine "Heilung" dieses desolaten Zustandes vermutlich mittels der dezidierten "Europäisierung" der Jugendforschung gelingen könne.
2003-01-09 DISKURS 13 1 36-40
Süssmuth, Rita Wissenschaft und Politik Die unverzichtbare Rolle der Sozialforschung für politisches Handeln Wissenschaft und Politik stehen in einem besonderen Spannungsverhältnis zueinander. Politik ist stärker denn je für ihre Entscheidungen auf Information und Rat aus der Wissenschaft angewiesen. Die Spannungen zwischen beiden werden besonders virulent, wenn es um tiefgreifende gesellschaftliche Strukturveränderungen geht, wie z. B. die Emanzipation der Frau oder grundlegende Veränderungen in den Familienstrukturen und daraus folgende Maßnahmen der familienergänzenden Kinderbetreuung. Die Sozialforschung des Deutschen Jugendinstituts hat in vier Jahrzehnten in diesem Feld entscheidende Beiträge geleistet. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik stellt besondere Anforderungen an den Umgang mit Nähe und Distanz, Eigenständigkeit und Verbunddenken, Vermittlung und Umsetzung. Wissenschaftliche Politikberatung ist nicht wirkungslos, aber in der Art ihrer Rezeption und dem Maß ihrer Umsetzung kaum prognostizierbar. Eine nur reaktive Gesellschaftspolitik kann nicht präventiv wirken; sie verstärkt eher Konflikte, statt sie zu reduzieren. 2003-01-06 DISKURS 13 1 41-47
Hornstein, Walter Der »Kampf« um das Deutsche Jugendinstitut 2003-01-06 DISKURS 13 1 48-49
Braun, Frank Gut 30 Jahre »Jugend und (Erwerbs-)Arbeit am DJI« 2003-01-06 DISKURS 13 1 49-50
Jaeckel, Monika Soziale Innovation durch Forschung - das Beispiel »Mütterzentrum« 2003-01-06 DISKURS 13 1 51-52
Kossolapow, Line Suche nach Selbstvergewisserung als Stabilitätsfaktor in der Sozialstaatskrise 2003-01-06 DISKURS 13 1 53-54
Seidenspinner, Gerlinde Zur Entstehung der Mädchen- und Frauenforschung am DJI 2003-01-06 DISKURS 13 1 55
Böhnisch, Lothar Das DJI am Scheideweg: Ende der sozial-liberalen Reformpolitik 2003-01-06 DISKURS 13 1 56-57
Colberg-Schrader, Hedi »Orte für Kinder« - ein Modellprojekt stößt Entwicklungen in der Praxis an 2003-01-06 DISKURS 13 1 57-58
Bertram, Hans Zwischen Rechnungshof und deutscher Einheit: Die große Transformation des DJI 2003-01-06 DISKURS 13 1 59-60
Marbach, Jan Der Familiensurvey des DJI 2003-01-06 DISKURS 13 1 60-62
Gille, Martina Der DJI-Jugendsurvey 2003-01-06 DISKURS 13 1 62-63
Müller, Hans-Ulrich; Nissen, Ursula Die Ära Richter: Institutspolitische Ereignisee und Entwicklungen zwischen 1993 und 2002 2003-01-06 DISKURS 13 1 64-65
Schäfer, Heiner Die DJI-Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention 2003-01-06 DISKURS 13 1 67-68
Berg-Lupper, Ulrike »Multikulturelles Kinderleben« aus der Sicht von Kindern und Migrantenfamilien 2003-01-06 DISKURS 13 1 69
Rauschenbach, Thomas Das fünfte Jahrzehnt des DJI 2003-01-06 DISKURS 13 1 70-72
Rabe-Kleberg, Ursula Geschlecht und Generation. Oder: Wie weiter ... 2003-01-06 DISKURS 13 1 73
Herausgeberkreis DISKURS Risikoeinschätzung: Empirisch-quantitative Verfahren in der Sozialen Arbeit Heftthema
»Helfen ist riskant.« Eine in der Sozialen Arbeit nicht gerade neue Wahrheit -
schließlich ist sie ja hier zu Hause. Die Vertrautheit mit Gefährdungen, Vernachlässigungen oder
gar Misshandlungen unterschiedlicher Art heißt aber noch nicht, dass sich die Fachkräfte im Umgang mit
ihnen schon auf sicherem Terrain bewegen. So fällt es im Einzelfall häufig schwer, die Risiken offenkundiger
Beeinträchtigungen, Belastungen und Schädigungen für die Betroffenen angemessen einzuschätzen.
Solche profunden Situationsbewertungen sind aber notwendig, damit in einem gegeben Fall eine rationale Entscheidung
wie auch ein rasches Eingreifen gewährleistet sind.
Noch überwiegen
persönliche, erfahrungsgeleitete Einschätzungen des Risikos zukünftiger Misshandlung bzw. Vernachlässigung
für die Fallwahrnehmung und -bearbeitung in der öffentlichen Jugendhilfe. Strukturierte Risikoeinschätzungsverfahren
hingegen, die eine empirisch gesicherte Grundlage für eine einzelfallbezogene Unterscheidung verschiedener
Risikogruppen im Hinblick auf Misshandlung bzw. Vernachlässigung liefern könnten, sind - so scheint es
- eher noch rar.
In seinen Beiträgen
zum THEMA greift der DISKURS diese Problematik in zweifacher Weise auf: Zum einen wird ein Überblick über
den internationalen Forschungsstand zu Verfahren der Risikoeinschätzung gegeben, zum anderen werden Widerstände
gegenüber einer quantitativ-empirischen Darstellung von Wirklichkeit - hier vor allem die in der Bundesrepublik
Deutschland historisch gewachsene Distanz zwischen Jugendhilfe und standardisierten Verfahren - kritisch reflektiert.
Die Schwerpunktartikel
ausgewählt und inhaltlich betreut haben Heinz Kindler und Peter Zimmermann.
Im Interview wird die Thematik
»Risikoeinschätzungsverfahren« vertieft. Zu Wort kommt der amerikanische Wissenschaftler Chris
Baird, langjähriger Direktor des »Children’s Research Center«, der mehrere Längsschnittuntersuchungen
zur Erprobung von Risikoeinschätzungsverfahren auf den Weg gebracht hat und daher ein ausgewiesener Fachmann
für strukturierte Systeme der Entscheidungsfindung ist. Das Gespräch mit Heinz Kindler illustriert neben
der Notwendigkeit, Risikoniveau und Intensität der Hilfemaßnahmen möglichst gut aufeinander abzustimmen,
auch die Reaktion amerikanischer Fachkräfte auf die Einführung von Risikoeinschätzungsinstrumenten
- vielleicht eine Einladung für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Deutschland, standardisierten Instrumenten
mit weniger Bedenken und Widerständen zu begegnen.
Das SPEKTRUM stellt drei
Beiträge vor: Katrin Hater setzt sich mit Aspekten der räumlichen Neuordnung familiärer Beziehungen
nach einer Trennung auseinander und entwirft einen theoretischen Rahmen für die empirische Analyse der Wechselwirkungen
von räumlichen Strukturen und der Entwicklung von Eltern-Kind-Beziehungen.
Thomas Rauschenbach
geht den (un-)beabsichtigten Nebenwirkungen öffentlicher Bildungsinstanzen nach und kritisiert vor dem Hintergrund
zentraler PISA-Befunde die Verengung des öffentlichen Blicks auf den Bildungsort Schule und die Bildungsform
Unterricht. Er plädiert demgegenüber für eine umfassendere Konzeption von Bildung, in der die vielfältigen
außerschulischen Lern- und Bildungsressourcen stärker berücksichtigt werden.
Karin Schittenhelm und
Mona Granato fragen, was »Geschlecht« und »Ethnizität« als Kategorien der Jugendforschung
zur Differenzierung der Jugendphase leisten. In kritischer Auseinandersetzung mit Untersuchungen zu jungen Migantinnen
schlagen sie vor, zukünftige Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet nicht allein und vorab auf geschlechter-
oder migrationsbezogene Gesichtspunkte zu beschränken, sondern junge Migrantinnen ebenso vor dem Hintergrund
allgemeiner jugendspezifischer Entwicklungen im Zuwanderungsland zu untersuchen.
Unter TRENDS soll sporadisch
wieder an eine abgebrochene Tradition des Hauses angeschlossen werden: an die seit 1998 eingestellte Mitgift
des DISKURS - den Literaturreport. Schwerpunkt dieses ersten Trendbriefs, der von Andreas Lange verfasst wurde,
sind öffentliche Verhandlungen von »Glück« und »gutem Leben«, wobei populäre
wie sozialwissenschaftliche Diskurs gewürdigt werden. Überlegungen zur Anwendung der Erkenntnisse bisheriger
Glücksforschung beschließen den Beitrag.
2003-02-10 DISKURS 13 2 2-3
Kindler, Heinz Ob das wohl gut geht? Verfahren zur Einschätzung der Gefahr von Kindesmisshandlung und Vernachlässigung im ASD Die Einschätzung des Risikos zukünftiger Misshandlung bzw. Vernachlässigung stellt in Fällen von Kindeswohlgefährdung regelmäßig einen integralen Bestandteil der Fallwahrnehmung und bearbeitung durch die öffentliche Jugendhilfe dar. Eingebettet in ein umfassendes Modell der Einschätzungsaufgaben von Fachkräften in Gefährdungsfällen wird das Konzept der Risikoeinschätzung für diesen Kontext definiert und und entlang unterschiedlicher Formen expliziert. Ausgehend von einer Analyse der Fehleranfälligkeit unstrukturierter Vorgehensweisen bei der Risikoeinschätzung wird der internationale Forschungsstand zu strukturierten Verfahren der Einschätzung von Misshandlungs- bzw. Vernachlässigungsrisiken erörtert. Auf der Grundlage von neun Längsschnittstudien mit mehr als 14.000 teilnehmenden Familien folgert der Autor, dass strukturierte Risikoeinschätzungsverfahren einen empirisch gesicherten Beitrag zur einzelfallbezogenen Unterscheidung verschiedener Risikogruppen im Hinblick auf Misshandlung bzw. Vernachlässigung leisten könnten. Da eine solche Unterscheidung für die weitere Fallgestaltung von hoher Bedeutung sein kann, wächst auch im Jugendhilfesystem der Bundesrepublik die Nachfrage nach Risikoeinschätzungsverfahren. Neben einem Aufweis der Stärken und Schwächen der bislang in der Bundesrepublik entwickelten Verfahren plädiert der Beitrag für eine stärkere Verknüpfung mit dem internationalen Forschungsstand.Vollständige Literaturliste 2003-02-09 DISKURS 13 2 8-18
Pothmann, Jens Grenzgänge Anmerkungen zur Anwendung von Messinstrumenten in der Sozialen Arbeit Die Soziale Arbeit ist derzeit verstärkt auf der Suche nach veränderten Konzepten, Modellen und Strukturen sowie neuen Strategien und Instrumenten. Dazu gehört auch, die Positionierung zu Instrumenten der quantitativ-empirischen Darstellung von sozialer Wirklichkeit und zu deren Messergebnissen auf den Prüfstand zu stellen. Vor diesem Hintergrund fragen die Ausführungen nicht nur nach den Gründen für eine zu beobachtende zunehmende Akzeptanz von Dokumentations- und Messverfahren, sondern vergewissern sich auf der theoretischen Ebene über Messvorgänge als ein pädagogisches Grundproblem und schließen mit pragmatischen Überlegungen zur Anwendung dieser Instrumente am Beispiel von Verfahren zur Risikoeinschätzung in der Jugendhilfe. Im Ergebnis plädiert der Beitrag für eine Anwendung von Messinstrumenten zur Unterstützung von Handlungsentscheidungen und damit gegen eine Installierung von Handlungsautomatismen, die unmittelbar an ein bestimmtes Messergebnis gebunden sind. 2003-02-09 DISKURS 13 2 19-25
Kindler, Heinz; Zimmermann, Peter Helfen mit handhabbarem Risiko? Empirisch gestützte Verfahren zur Risikoeinschätzung in der Jugendhilfe Die Arbeit der Jugendhilfe mit Fällen von Kindeswohlgefährdung ist mit Risiken behaftet. Hierbei kann es sich etwa um ein strafrechtliches Risiko für die beteiligten Fachkräfte handeln. Bekannt wurde etwa der so genannte »Osnabrücker Fall«. Hierbei handelte es sich um ein Strafverfahren gegen eine ASD-Mitarbeiterin nach dem vernachlässigungsbedingten Tod eines Säuglings in einer von ihr betreuten Familie. Dieses Strafverfahren wurde von Mörsberger/Restemeier (1997) unter dem Titel »Helfen mit Risiko« dokumentiert. Dieser Titel ist für die Arbeit mit Gefährdungsfällen in einem sehr umfassenden Sinn zutreffend. Denn für die handelnden Fachkräfte gilt es, nicht nur strafrechtliche Risiken zu vermeiden. Durch ein angemessenes fachliches Handeln sind vielmehr auch Risiken für die betroffenen Kinder und Eltern zu minimieren. Auf Seiten der Kinder betrifft dies beispielsweise das Risiko einer nachhaltigen Schädigung durch wiederholte Misshandlung bzw. Vernachlässigung, das Risiko einer unnötigen psychischen Belastung durch vorschnelle Herausnahme aus der Familie oder das Risiko einer massiven Beeinträchtigung der Bindungsentwicklung durch ein Pendeln zwischen Pflegefamilie und Herkunftsfamilie. 2003-02-09 DISKURS 13 2 5-7
Lange, Andreas Glück und das gute Leben - eine sozialwissenschaftliche Spurensuche Verhandlungen von Kindheit, Jugend, Familie, Gender in den Sozialwissenschaften (1. Trendbrief) Der Trendbrief folgt der Tradition des klassischen Literaturjournals, wie es von Charles Darwin und Karl Marx geführt worden ist. In jeder Ausgabe werden ein bis zwei allgemeine sozialwissenschaftliche Themen schwerpunktmäßig anhand neuerer Literatur umrissen und auf ihre Relevanz für Familie, Kindheit, Jugend und Geschlechterverhältnisse abgeklopft.
Der erste Brief ist dem »Glück« und dem »guten Leben« gewidmet. Es geht um die sozialstrukturellen Bedingungen des Glücksbooms auf der Ebene populärer wie wissenschaftlicher Diskurse, um eine Kartographie der gegenwärtigen empirischen Glücksforschung und um ausgewählte Einblicke in deren Fundus von Einzelergebnissen. Diese reichen von individuellen Faktoren bis hin zu gesamtgesellschaftlichen. Was bislang trotz einer Vielzahl von Resultaten noch aussteht, ist eine integrale Theorie des guten Lebens.
Abgeschlossen wird die thematische Übersicht mit Überlegungen zur Anwendung der Einsichten der Glücksforschung. Sie zielen auf die Informierung der Sozial- und Gesellschaftspolitik sowie die Anreicherung der individuellen, »naiven« Glückstheorien.
2003-02-06 DISKURS 13 2 67-75
Leu, Hans Rudolf Bildungs- und Lerngeschichten. Ein Weg zur Qualifizierung des Bildungsauftrags im Elementarbereich 2. 2002-02-06 DISKURS 12 2 19-25
Herausgeberkreis DISKURS Bildungskarrieren ins Abseits - Ausgrenzung durch Schule Heftthema "Es ist ein Ruck durch dieses Land gegangen - als mittlerer Schock: Deutschland hat für den Zustand seines Bildungswesens schlechte Noten bekommen - noch dazu von einer unabhängigen Jury: PISA." So die einleitenden Bemerkungen zum Themenschwerpunkt Kindheit und Bildung im DISKURS 2/2002. Zwischenzeitlich schreiben wir Herbst 2004 - und immer noch belegen deutsche Schüler und Schülerinnen in der internationalen Vergleichsstudie PISA II Plätze in der unteren Hälfte der untersuchten OECD-Länder. Ist die Bundesrepublik schon wieder "sitzengeblieben", hat sie ihr Klassenziel, bei der Bildung der nachgeborenen Humankapitals - als der Ressource in der Konkurrenz der nationalen Volkswirtschaften - unter den Ersten zu sein, wieder mal nicht erreicht?
Besonnene Stimmen aus Politik und Wissenschaft warnen vor einer neuerlichen PISA-Hysterie und verweisen auf wichtige Reformschritte wie das vom Bund aufgelegte Programm für Ganztagsschulen und die Verständigung zwischen den Ländern auf verbindliche Bildungsstandards. Gleichwohl ist ein ganzheitliches Reformkonzept noch nicht in Sicht, hält der Streit um die Chancen auf "Bildung für alle" und um entsprechende Schulformen unvermindert an. Neben eher grundsätzlichen forschungsmethodischen Fragen "Welcher Bildungsbegriff liegt den OECD-Leistungsvergleichen zugrunde?" (technokratisch-funktional versus humanistisch-traditional), "Welche Fähigkeiten messen die PISA-Aufgaben wie scharf?", "Wird gemessen, was eine(r) oder ob jemand was besser und schneller weiß?", geht es in den öffentlichen Debatten vor allem um Perspektiven des Abbaus sozialer Ungleichheit, i. e. um die Neutarierung des Verhältnisses von Integration und Selektion, von Fordern und Fördern. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei die wegen ihrer sozialen Herkunft massiv benachteiligten Kinder und Jugendlichen - insbesondere die mit Migrationshintergrund.
Das THEMA dieses Heftes fokussiert Bildungskarrieren ins Abseits und spürt Benachteiligungen, Belastungen und Ausgrenzung durch Schule nach. Es kreist um den Sachverhalt, dass das System Schule alle Schüler(innen) dem gleichen Leistungsmaßstab unterwirft, ohne den jeweiligen Ausgangsbedingungen der Einzelnen für die Bewältigung schulischer Anforderungen institutionell Rechnung tragen zu können. Messung und Bewertung schulischer Leistungen erfolgen nicht beiläufig, sondern sind konstitutiv für Selektionsprozesse und machen deutlich, wie bedingt die Forderung "Bildung für alle" - runtergeholt auf den schulischen Lernalltag - gelesen werden muss. Wenn aber an "Bildung als Bürgerrecht" festgehalten wird (siehe hierzu die thematische Einführung von Wolfgang Mack), wenn "Bildung für alle" nicht zu einer euphemistischen Phrase verkommen soll, wird es darum gehen, sich der Bedingungen zu versichern, unter denen Schüler und Schülerinnen Lernanforderungen erleben und - häufig genug - überleben: mithin um eine Bilanzierung der subjektiven Kosten von Bildung.
Eine solche Annäherung erfolgt hier über die Differenzierung schulpädagogisch relevanter Benachteiligungssituationen, über empirische Befunde zu markanten Belastungserfahrungen von Schüler(inne)n in der Grundschule und in der Hauptschule sowie über Beispiele gelingender schulischer Förderung und Beratung - nicht nur in Schweden.
SPEKTRUM stellt drei Beiträge vor:
Franziska Wächter fragt, wieweit das in den Sozialwissenschaften und der Umfrageforschung fest etablierte Links-Rechts-Schema für Jugendliche und junge Erwachsene noch als Orientierungsrahmen im politischen Raum taugt. Was verbinden junge Leute mit einer Politik und den Debatten über diese, die sich solcher Wegweiser bedienen? Diesen Fragen wird vor dem Hintergrund repräsentativer Jugendstudien wie auch qualitativer Zugänge nachgegangen. Zudem wird diskutiert, wie bedeutsam "links" und "rechts" als "politischer Code" für die politische Selbstverortung von 15- bis 25-Jährigen ist.
Claus J.Tully untersucht Arbeitsweltkontakte von Schülerinnen und Schülern. Ausgehend von dem Sachverhalt, dass Schule und Arbeit unterschiedlichen Regeln folgen - unabhängig davon immer mehr junge Leute neben der Schule einem Job nachgehen, fragt der Autor, wie die eher traditionelle arbeitsweltbezogene Unterweisung im Schulalltag modifiziert, aktualisiert und mit konkreten Erfahrungen angereichert werden kann. Aufgrund der höchst vielfältigen Joberfahrungen von Schülerinnen und Schülern lässt der Beitrag offen, ob die Idee einer Verzahnung von "Schule" und "Arbeitswelt" curricular verwirklicht werden kann.
Der Beitrag von Paloma Fernández de la Hoz erörtert anhand sekundärer Quellen einzelne Zusammenhänge im Kontext von "Familie und Gesundheit": Familienleben, Gesundheit und Armut sowie soziale Ausgrenzung. Untersucht wird, welche soziale Faktoren für die Gesundheit im Familienleben maßgeblich sind und welche Brisanz diese Faktoren insbesondere bei Risikofamilien entwickeln können. Die Autorin schließt mit Empfehlungen für gesundheitspolitische Projekte mit dem Ziel, Familien in ihrer Funktion als gesundheitsfördernde Instanzen zu bestärken.
Andreas Lange und Peggy Szymenderski machen sich in TRENDS auf Spurensuche nach dem "Neuen" in der Gesellschaft. Entlang kultureller Phänomene wie David Beckham und den "Pokemons" resümieren sie die Grundideen der Debatte über Konzepte der "Entgrenzung", "Verflüssigung" und "Hybridisierung", mittels derer in der Soziologie neue Verlaufsformen sozialen Wandels zum Sprechen gebracht werden. Neben den wirtschaftlichen Entgrenzungen als wesentliche Triebfedern dieses Wandels wird der Rolle der Medien im Entgrenzungsgeschehen nachgegangen. Der Beitrag formuliert zudem markante, aus den dargelegten Veränderungen in Wirtschaft, Arbeit und Medien sich ergebende Herausforderungen für die Einzelnen, die Forschung und die Politik.
2004-01-10 DISKURS 14 1 60 DJI
Daly, Kerry "Negative Räume" in der Familientheorie Vom Gebrauch der Kultur als Zoom-Objektiv In meinem Beitrag "'Negative Räume' in der Familientheorie: Vom Gebrauch der Kultur als Zoom-Objektiv" gehe ich davon aus, dass es eine signifikante Diskrepanz gibt zwischen der Art und Weise, wie Familien faktisch ihr Leben leben und der Art und Weise, in der die Sozialwissenschaften über Familien theoretisieren. Indem ich die (aus der Welt der darstellenden Kunst stammenden) Metaphern "positive" versus "negative Räume" benutze, demonstriere ich, dass es vielfältige "negative Räume" in unserer traditionellen Theoriebildung gibt – insbesondere bezüglich der alltäglichen Familienaktivitäten, die besonders viel Zeit, Energie und Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Drei Arten von "negativen Räumen" verlangen vor allem vermehrte theoretische Zuwendung: der Bereich der Spiritualität, der Emotionen und Mythen; die Aktivitäten, die sich auf den alltäglichen Konsum und seine Objekte beziehen; sowie Zeit und Raum. Mein Beitrag skizziert das Spektrum der mit diesen Feldern verbundenen Forschungsfragen und versucht, auch deren praktische Implikationen aufzuzeigen.
Download 2004-03-09 DISKURS 14 3 9-18
Jurczyk, Karin; Oechsle, Mechtild Die fluide Gesellschaft Entgrenzung ohne Ende 2002-03-10 DISKURS 12 3 5-8
Herausgeberkreis DISKURS Jugendliche Körper: Identitäten und Kulturen Heftthema
In einer Zeit, in der in den Sozialwissenschaften ehemals klare oder klar zu sein scheinende Sachverhalte wie Arbeit und Famile, Geschlecht und Generation unter den Metaphern "Entgrenzung" und "Verflüssigung" verhandelt werden (s. DISKURS 3/2002), muss - so scheint es - auch das Konzept Jugend Federn lassen. Die durch Politik und Ökonomie jeweils bewirkten unterschiedlichen Ausgangsbedingungen fürs Aufwachsen und Zurechtkommen in der Gesellschaft machen es zunehmend schwieriger, die Grenzen dessen, was Jugend ausmacht, sein kann oder sein soll, eindeutig abzustecken. So sorgen Ungleichheit und Unterschiede in den von den einzelnen erreichbaren materiellen und sozialen Ressourcen, Bildungsqualifikationen und kulturellen wie sozialen Kompetenzen regelmäßig dafür, dass diese Lebensphase - sowohl ihrer Dauer wie auch ihrem Inhalt nach - zu einem recht uneinheitlichem Projekt mit ungewissen Ausgang wird.
Angesichts dieser zwischen Kindheit und Erwachsensein ständig neu zu vermessenden Statuspassage liegt es nahe, sich in Sachen Jugend bei allem Wandel "doch noch" über einige Sicherheiten und Konstanten zu verständigen. So rar diese generell sein mögen und so schwer sie auch gegenwärtig zu haben sind: Vielleicht gibt es - wenn schon keine ausgewiesenen Wegweiser - ein paar Vermutungen oder gar Hinweise auf markante Markenzeichen, die es erlauben, die sich wohl auch weiterhin ausdifferenzierende Jugendphase ein wenig nachhaltiger zu erschließen: die jugendlichen Körper.
Körperlichkeit: fälschungssicherer Ausweis von Zugehörigkeit wie untrügliche Grenzziehung zu Anderen? Wie immer ohne Gewähr! Fest steht nur, dass Jugendliche - anders als Kinder und Erwachsene - über und mittels ihrer Körper Geschichte(n) schreiben: biologisch, sozial und psychisch. THEMA geht dieser körperlichen Geschichtsschreibung in vier Beiträgen nach: entwicklungspsychologisch, anhand körperbezogenem Risikoverhalten, in Inzenierungen von Mädchen und Jungen im Sport sowie in Praktiken jugendlicher Verkörperung und Vergemeinschaftung in Clubkulturen. Sibylle Hübner-Funk führt in die Thematik ein und skizziert Phasen und Konjunkturen unterschiedlichen Umgangs mit Körperlichkeit in Politik, Zeitgeschehen und Soziologie.
Im INTERVIEW befragen Andreas Oehme und Wolfgang Schröer den ostdeutschen Soziologen Wolfgang Engler zum Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft. Vor dem Hintergrund von Jugendarbeitslosigkeit und demographischer Entwicklung wird aus ostdeutscher Perspektive dargelegt, wie trotz oder wegen der Erfahrungen mit dem Umbau Ost Anzeichen für eine neue sozialpolitische Aufbruchstimmung und zukunftweisende Politik der Arbeit zu verzeichnen sind.
Das SPEKTRUM versammelt drei Artikel: Werner Schneider geht den Diskursen zum "Wandel von Jugend" in Deutschland nach. Dabei erörtert er beipielhaft Entwicklungslinien prominenter Konzepte, Leitbegriffe und Veränderungen in der Jugendphase. Erkenntnisleitend ist für ihn dabei die Frage nach deren diskursiven Effekten für die Jugendsoziologie und -forschung sowie nach den Möglichkeiten einer begrifflich-konzeptionellen Erweiterung von Forschungsperspektiven.
Anita Heiliger verweist auf Schattenseiten des neuen Sorge- und Umgangsrechts und lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Problem, das infolge der Kindschaftsrechtsreform aufgetreten ist: die Gefährdung des Kindeswohls durch eine häufig rigide und systematische Durchsetzung von Umgangsrechten selbst für Väter, die körperliche und sexuelle Gewalthandlungen gegen Mutter und/oder Kind ausgeübt haben. Gefordert werden Veränderungen im Gesetz wie in der Praxis mit dem Ziel einer Qualifizierung des Fachpersonals für einen opferschützenden Umgang mit Männergewalt gegen Frauen und Kinder in der Familie.
Manfred Liebel beschreibt die Situation von Jugendlichen an den Grenzen Mittel- und Nordamerikas vor dem Hintergrund der sozialen, politischen und kulturellen Geographie der Region. Dabei geht es ihm um die Herausarbeitung des Profils der für diese Länder typischen Migrationsbewegungen. Er macht deutlich, wie vor allem Jugendliche und junge Familien mit Kindern ihre angestammten Lebensorte verlassen, um irgendeine Arbeit zu finden, die es ihnen erlaubt, unter halbwegs humanen Bedingungen zu leben. Die mit diesen Migrationsprozessen einhergehenden Veränderungen und neuen Erfahrungen werden vom Autor zudem in einen Zusammenhang mit den derzeit in Mexiko und Mittelamerika verbreiteten Jugendkulturen, Musikszenen wie auch Freiheitsbewegungen gestellt, in denen so etwas wie Hoffnung auf soziale Anerkennung und ein Leben in Würde aufscheint.
2003-03-10 DISKURS 13 3 2-3
Hübner-Funk, Sibylle Körperbezogene Selbstsozialisation Varianten sozio-kultureller Überformung jugendlicher "Bodies" Nachdem die Reflexion der Bedürfnisse und Probleme, die die
körperlichen Reifungsprozesse der Kinder und Jugendlichen mit sich
bringen, bislang in der pädagogischen und soziologischen Jugendforschung
kaum stattgefunden hat, scheint nun die Zeit reif für eine Veränderung
der Gewichtungen, d.h. eine Öffnung der Jugendsoziologie für körper-,
sport- und gesundheitsbezogene Aspekte der bio-psycho-sozialen
Entwicklung von Jugendlichen. Denn im sozio-kulturellen und politischen
Alltag haben sich die Aufmerksamkeiten ohnehin stark dorthin verschoben.
Mit der Fokussierung auf das genannte Schwerpunktthema werden allerdings
nur vier der vielfältigen Akzente angesprochen, die einer verstärkten
wissenschaftlichen Betrachtung bedürften: die körperliche Entwicklung in
der Pubertät sowie die gesundheitlichen Problemzonen und die sportlichen
sowie tänzerischen Formen der Selbstdarstellung von Jugendlichen, in
denen sich die kulturelle Bestimmtheit und individuelle Bestimmbarkeit
ihres geschlechtsspezifischen Verhaltens ausdrücken. Das Teilthema
"Körper und Sexualität" ist hier bewußt ausgespart, da es bereits früher
in einem eigenen DISKURS-Schwerpunkt (1/99) behandelt worden ist. Die
Beiträge des vorliegenden Heftes stützen sich auf die Referate eines
(von der Autorin koordinierten) Workshops des letztjährigen
DJI-Symposiums "Jugendforschung zwischen Tradition und Innovation.
Bilanz und Ausblick nach vier Jahrzehnten. 2003-03-09 DISKURS 13 3 5-9
Kracke, Bärbel Erwachsen werden Ein bio-psycho-sozialer Blick auf die Entwicklung männlicher Jugendlicher Die entwicklungspsychologische Jugendforschung der letzten vier Jahrzehnte hat sich ausführlich mit dem Erleben und Verhalten von Jugendlichen in unterschiedlichen Entwicklungskontexten während des Übergangs von der Kindheit zur Jugendphase und zum Erwachsenenalter beschäftigt. Bislang ist jedoch unter den Bedingungen, die zur erheblichen Divergenz dieser psychosozialen Entwicklung beitragen können, die psychologische Bedeutung der pubertären Entwicklungsprozesse zu wenig beachtet worden. An diesem Defizit setzt der vorliegende Beitrag an. Nach einem kurzen Überblick über die wesentlichen körperlichen Veränderungen bei pubertierenden Jungen und der Erörterung einiger zentraler Fragen, die deren Erfassung mittels empirischer Studien betreffen, werden ausgewählte Befunde aus deutschen und internationalen Studien vorgestellt, die die psychosozialen Konsequenzen der relativen Beschleunigung der pubertären Entwicklung von Jungen im Kontext ihrer Peers betonen. Dabei zeigt sich, dass jenes Entwicklungstempo für das subjektive Erleben der Jugendphase und das darauf aufbauende Verhalten ausgesprochen wichtig ist. Abschließend werden einige Implikationen diskutiert, die daraus für die Jugendforschung, die Jugendarbeit sowie einschlägige Kriseninterventionsprogramme für männliche Jugendliche abzuleiten sind. 2003-03-09 DISKURS 13 3 10-17
Hackauf, Horst Zwischen Konvention und "Coolness" Jugendliche Lebensstile als Ausdruck von körperbezogenem Risikoverhalten Der Beitrag unternimmt den Versuch, eine Verbindung herzustellen zwischen der Entwicklung der Körper von heranwachsenden – weiblichen und männlichen – Jugendlichen und ihren kollektiven Lebensstilen. Dazu ist es wichtig, vor allem diejenigen Aspekte der Lebensstile zu verstehen, die riskante Verhaltensweisen, wie z. B. das Zigarettenrauchen und den Alkoholkonsum, umfassen. Alters- und Geschlechtbezüge spielen bei den jeweiligen Entwicklungsverläufen eine entscheidende Rolle, und ohne die Klärung des Begriffs Lebensstil im Kontext der jugendlichen Subkulturen kann auch die Vielfalt der körperlichen Selbstinszenierungen nicht angemessen beschrieben werden. So zeigen empirische Untersuchungsergebnisse zu den gesundheitsrelevanten Aspekten der jugendlichen Lebensstile deutlich, dass sich szenetypische Muster des kollektiven Risikoverhaltens herausbilden und verbreiten. Die mehr oder weniger normentsprechende körperliche Entwicklung der Jugendlichen – sei es Früh- oder Spätreife – spielt dabei im Kontext ihrer Beziehungen zu den Eltern und den Peergroups eine wichtige Rolle. 2003-03-09 DISKURS 13 3 18-26
Rose, Lotte Alles anders? Zum Wandel der Körperinszenierungen von Mädchen und Jungen im Sport In der Auseinandersetzung zur Bedeutung des Sports in den Lebenswelten von Mädchen und Jungen dominierte lange Zeit das Ungleichheitsparadigma, das darauf verwies, dass Mädchen und Jungen nicht unter den gleichen Voraussetzungen an der Kultur des Sports teilhaben und in ihr agieren. Weniger beachtet wurden die mit den gesellschaftlichen Individualisierungsprozessen einhergehenden einschneidenden Wandlungen im Geschlechterverhältnis, die auch in der Welt des Sports viele Spuren hinterlassen haben. Der Beitrag versucht, auf dem Hintergrund des aktuell wirksamen, doch widersprüchlichen Nebeneinanders von »Doing-gender«- und »Undoing-gender«-Prozessen den Stellenwert der Körperinszenierung durch Sport in den Lebenswelten von Mädchen und Jungen in Deutschland zu bestimmen und ihn zugleich mit den Verschiebungen und Erosionen der Geschlechternormalitäten zu verbinden. 2003-03-09 DISKURS 13 3 27-35
Klein, Gabriele Die Theatralität der Jugend Zu Praktiken der Verkörperung und Vergemeinschaftung in Clubkulturen Der Text thematisiert den Zusammenhang zwischen Lebensstilen und der Körperlichkeit von Jugendlichen am Beispiel städtischer Clubkulturen.2 Clubs sind die zentralen theatralen Orte für jugendliche Popkulturen.3 Sie sind jene Orte, so die zentrale These, an denen das im Zuge von Destandardisierungsprozessen brüchig gewordene Konzept Jugend über eine ritualisierte Inszenierungspraxis aktualisiert wird. Der Text knüpft an die Diskussion um die Destandardisierung von Jugend an und fragt, wie das soziale Konzept Jugend als ein wichtiges generationsspezifisches Ordnungsmuster heute zum Sprechen gebracht wird. Zum anderen greift er die seit den 1980er-Jahren schwelende Debatte um Inszenierungspraktiken von Jugendlichen auf, indem er Inszenierung – in Absetzung von Positionen, die diese vornehmlich als ein Indiz für den Übergang von Sein zu Schein, von Ernst zu Spiel, von einer Ethik zu einer Ästhetik verstehen wollen – als eine fundamentale Dimension des Handelns herausstellt. 2003-03-09 DISKURS 13 3 36-42
Angst und Arbeitslosigkeit: ostdeutsch erhellt Andreas Oehme und Wolfgang Schröer interviewen Wolfgang Engler In der Öffentlichkeit ist Wolfgang Engler insbesondere durch seine Bücher »Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land« (Berlin 1999) und »Die Ostdeutschen als Avantgarde« (Berlin 2002) bekannt geworden. Er gilt seither als einer der bekanntesten Vertreter einer politisch engagierten Sozialwissenschaft, wie sie sich in den vergangenen Jahren in Ostdeutschland neu herausgebildet hat. Angesichts der aktuellen sozialen Entwicklungen haben wir mit Wolfgang Engler über die sozialpolitische Verarbeitung des Strukturwandels der Arbeitsgesellschaft gesprochen.
Engler plädiert in dem Interview für eine sozialwissenschaftliche Durchdringung sozialer Herausforderungen wie Jugendarbeitslosigkeit und demografische Entwicklung und sieht aus ostdeutscher Perspektive Anzeichen für eine neue sozialpolitische Aufbruchstimmung.
2003-03-07 DISKURS 13 3 43-53
Schneider, Werner Diskurse zum "Wandel von Jugend" in Deutschland Konzepte, Leitbegriffe und Veränderungen in der Jugendphase Gemäß den gängigen Verweisen auf die zunehmende Individualisierung und Dynamisierung der Jugendphase in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kann der »Wandel von Jugend« in Deutschland als Prozess der Entwicklung von großen (politischen) Generationsgestalten über eine bunte Vielfalt jugendlicher Subkulturen bis hin zur Aufsplitterung jener Jugendkulturen in offenen Szenen umrissen werden. Der Beitrag fragt nach den diskursiven Effekten der diese Entwicklung charakterisierenden Konzepte und Leitbegriffe für den jugendforscherischen Blick: Welches Verständnis von »Jugend« in ihrem Verhältnis zum gesellschaftlichem Wandel ist jeweils darin enthalten? Und welche Konsequenzen ergeben sich aus diesem Diskurs zum »Wandel von Jugend« für die begrifflich-konzeptionelle Orientierung der Jugendsoziologie bzw. -forschung? 2003-03-08 DISKURS 13 3 54-61
Heiliger, Anita Schattenseiten des neuen Sorge- und Umgangsrechts Folgerungen für eine kindeswohlfördernde Praxis Der folgende Beitrag möchte Aufmerksamkeit auf ein Problem lenken, das infolge der Kindschaftsrechtsreform von 1998 entstanden ist: Das Kindeswohl ist gefährdet durch eine häufig rigide und systematische Durchsetzung von Umgangsrechten selbst für Väter, die gegen die Mutter und/oder das Kind körperliche und sexuelle Gewalt ausgeübt sowie diese psychisch drangsaliert haben. Dies folgt aus einer Rechtsauffassung, die die Gründe für die Umgangsverweigerung von Müttern nicht ernst genug nimmt und so ungewollt einer Kindeswohlgefährdung Vorschub leistet. Aufgezeigt werden u. a. die rechtlichen Mittel, die gegen Mütter angewandt werden, um entgegen deren massiven Ängsten und negativen Erfahrungen den Kontakt des Vaters mit seinem Kind zu erzwingen. Gefordert werden Veränderungen im Gesetz sowie in der Praxis von Sozialarbeit, Gutachterwesen und Justiz mit dem Ziel einer Qualifizierung der Fachbasis für einen angemessenen, opferschützenden Umgang mit Männergewalt gegen Frauen und Kinder in der Familie. 2003-03-08 DISKURS 13 3 62-68
Liebel, Manfred Neue Nomaden Jugendliche an den Grenzen Mittel- und Nordamerikas Der Beitrag untersucht am Fall der Jugendlichen Mittelamerikas und Mexikos, wie sich ihre Lebenssituation mit der wachsenden Nötigung zur Migration verändert. Insbesondere wird gefragt, was das Leben mit Grenzen für diese Jugendlichen bedeutet und wie sie mit den diversen Grenzerfahrungen umgehen, die sich im Kontext der Migration ergeben. Zunächst wird die soziale, politische und kulturelle Geographie der Region skizziert. Anschließend wird das Profil der für sie typischen Migrationsbewegungen herausgearbeitet, indem die Erfahrungen mit den Grenzen im Süden und im Norden Mexikos nachgezeichnet werden. Schließlich wird gefragt, worin der Ertrag des neuen Nomadentums für die Jugendlichen besteht.
2003-03-08 DISKURS 13 3 69-78
Mack, Wolfgang Bildung für alle - ausgeschlossen 2004-01-09 DISKURS 14 1 5-8
Schroeder, Joachim Offene Rechnungen Benachteiligte Kinder und Jugendliche als Herausforderung für die Schulentwicklung Es sind vor allem sozial ausgegrenzte Kinder und Jugendlichen, die die subjektiven Kosten eines lediglich auf die Lebensentwürfe und Bildungsbedürfnisse dominierender sozialer Gruppen zugeschnittenen Schulsystems zu tragen haben. Es ist bislang nicht gelungen, das Bildungssystem so zu gestalten, dass auch für Benachteiligte wesentliche Voraussetzungen zur gesellschaftlichen Teilhabe geschaffen werden. Es wird vorgeschlagen, drei verschiedene schulpädagogisch relevante Benachteiligungssituationen zu unterscheiden: Marktbenachteiligungen aufgrund einer unzureichenden schulischen Vorbereitung auf die Arbeitswelt, soziale Benachteiligungen durch fehlende lebenslagenspezifische Bildungskonzepte und Rechtsbenachteiligungen in Form von Ausschlüssen oder erschwerten Zugängen zum allgemeinen und beruflichen Bildungswesen. Jeder dieser drei Kontexte stellt je unterschiedliche Herausforderungen an die Organisation schulischer Bildung sowie an deren curriculare und didaktisch-methodische Auslegung. 2004-01-08 DISKURS 14 1 9-17
Hössl, Alfred; Vossler, Andreas »Manchmal bin ich fix und fertig ...« Belastungen bei Bildungsprozessen in der Grundschule Auf der Grundlage einer qualitativen Längsschnittstudie zu Bildungsverläufen in der Grundschule beschäftigt sich der Beitrag mit der Frage, was Kinder selbst als Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse in den ersten Schuljahren wahrnehmen und von welchen subjektiven Belastungen sie bzw. ihre Eltern berichten. Dabei zeigen sich die Auswirkungen des grundsätzlichen Bildungsdilemmas, dass Kinder mit heterogenen Ausgangsbedingungen hinsichtlich ihres Leistungsvermögens von Anfang an mit den homogenen Leistungsanforderungen eines einheitlichen Lehrplans konfrontiert werden. Wie mit ausgewählten Untersuchungsergebnissen und Fallstudien illustriert werden kann, erleben vor allem leistungsschwächere Kinder sowohl im Unterricht als auch zu Hause schon früh demotivierende Belastungssituationen und Rückmeldungen. Damit bestätigt sich eine häufig geäußerte Kritik am deutschen Bildungssystem, wonach bereits in der Grundschule strukturell bedingte Belastungen den Bildungserfolg gefährden können.
2004-01-07 DISKURS 14 1 18-27
Hofmann-Lun, Irene; Michel, Andrea Schulmüdigkeit und Schulverweigerung Die Hauptschule unter Hauptverdacht Unterrichtsversäumnisse sind in Deutschland weit verbreitet, insbesondere bei Jugendlichen in Haupt- und Sonderschulen. In der Fachdiskussion werden neben anderen Auslösern auch eine Reihe von schulischen Ursachen für dieses Verhalten genannt. Dabei können schwierige Umstände in unterschiedlichen Bereichen der Lebensführung zusammentreffen und sich wechselseitig verstärken. Der Beitrag geht der Frage nach, welche Bedingungskonstellationen und Ausgrenzungsmechanismen dazu führen können, dass Jugendliche problematische Schulkarrieren durchlaufen. Es werden Strategien beschrieben, die in Schulen und außerschulischen Projekten praktiziert werden, um Schulmüdigkeit und Schulverweigerung zu begegnen. Zudem werden Lösungsansätze vorgestellt und die Notwendigkeit der Kooperation von Jugendhilfe und Schule verdeutlicht. 2004-01-06 DISKURS 14 1 28-35 DJI
Söll, Florian Vom Elternsprechtag zum Entwicklungsgespräch Was wir von schwedischen Schulen lernen können An Schulen sind nicht nur Beratungslehrer und Schulpsychologen mit Beratung befasst. Vor allem auch die Lehrer(innen) beraten in vielfältigen Situationen. Sie sind aber für diesen Bereich kaum ausgebildet und das Fortbildungsangebot ist unzureichend. Im Rahmen des Pilot-Projekts »Beratung macht Schule« befragen Erziehungswissenschaftler der Universitäten Paderborn und Bremen Lehrer(innen) zu ihren Erfahrungen insbesondere mit Elterngesprächen und bieten den Kollegien eine Ausbildung in systemischer Gesprächsführung an. In den Interviews wird deutlich, dass z. B. ein starrer Problembezug vorherrscht und Unklarheiten über den »Problembesitz« und den Umgang mit den von den Eltern missachteten Ratschlägen die Gespräche belasten. Der Autor plädiert für eine klare Handlungsorientierung in Entwicklungsgesprächen nach schwedischem Vorbild, sieht eine solche Perspektive hierzulande allerdings nur durch eine entsprechend verändertes schulisches Beratungsverständnis implementierbar. 2004-01-05 DISKURS 14 1 36-44
Wächter, Franziska »Links und rechts kann man nicht verwechseln« Zum Verständnis eines politischen Codes bei Jugendlichen »In der Politik wird immer wieder von »links« und »rechts« gesprochen. Wo würden Sie sich selber auf einer Skala von 0 bis 10 platzieren, wenn 0 »links« bedeutet und 10 »rechts«?" Der Beitrag geht der Frage nach, inwieweit das vielfach eingesetzte Links-Rechts-Konzept für Jugendliche und junge Erwachsene als Orientierungshilfe im politischen Raum noch relevant ist. Wie verstehen junge Leute Politik, die sich dieser Richtungsbegriffe bedient? Anhand von Daten aus repräsentativen Jugendstudien sowie über qualitative Zugänge wird diskutiert, wie sicher 15- bis 25-Jährige im »Handeln« des Instruments sind, welche Inhalte sie mit dem etablierten »politischen Code« verbinden und wie bedeutsam »links« und »rechts« für die Beschreibung ihrer eigenen politischen Verortung ist. 2004-01-04 DISKURS 14 1 45-53
Tully, Claus J. Schule und Job Vom Nacheinander zum Nebeneinander Schule und Arbeit kennen unterschiedliche Regeln: Bildung steht im Dienste der Persönlichkeitsentfaltung und der Wissensvermittlung, Erwerbsarbeit folgt den Prinzipien ökonomischer Rationalität. Schülerinnen und Schüler sind für ihre Qualifizierung von regulärer Erwerbstätigkeit freigestellt. Unabhängig davon steigt der Anteil derer, die neben der Schule einem Job nachgehen. Vor diesem Hintergrund, kann die eher traditionelle arbeitsweltbezogene Unterweisung im Schulalltag modifiziert, aktualisiert und mit konkreten Erfahrungen angereichert werden. Möglicherweise aber muss die Idee von einer Verzahnung von »Schule« und »Arbeitswelt« aufgegeben werden. Die Joberfahrungen sind wohl auch weiterhin höchst vielfältig. Was also soll die Schule tun? Zunächst muss die Schule zur Kenntnis nehmen, dass Schüler mit Jobs reichlich Positives verbinden – und dies trotz der häufig anspruchslosen Tätigkeiten. Herausgestellt wird vor allem der »Stolz auf die eigene Leistung«, die Überzeugung, das zu lernen, was sie »später brauchen«, im Job etwas »Sinnvolles« zu übernehmen: »Aufgaben, die Spaß machen« und »eigenes Geld verdienen«. 2004-01-03 DISKURS 14 1 54-63
Fernández de la Hoz, Paloma Familienleben und Gesundheit Europäische Betrachtungen aus der Perspektive sozialer Inklusion Die Familie im Gesundheitssystem: ein Faktor zur Kostensteigerung oder zur Kostenminderung? Der Beitrag thematisiert diese Frage vor dem Hintergrund eines in Wien 2003 veranstalteten Seminars der Europäischen Beobachtungsstelle zur sozialen Situation, Demographie und Familie. Anhand sekundärer Quellen werden Zusammenhänge zwischen drei Elementen – Familienleben, Gesundheit, Armut und soziale Ausgrenzung – so wie sie heute in den EU-Mitgliedsländern analysiert werden, erörtert: Ausgehend von den Begriffen »soziale Inklusion« und »soziale Ausgrenzung« werden soziale Faktoren untersucht, welche für die Gesundheit im Familienleben konstitutiv sind. Darüber hinaus wird auf die Situation besonderer Risikofamilien eingegangen. Abschließend werden einige Schwerpunktaufgaben identifiziert, welche bei der Bestimmung und praktischen Ausrichtung von sozialen Projekten unentbehrlich sind, um Familien in ihrer Funktion als gesundheitsfördernde Instanzen zu stärken.
2004-01-02 DISKURS 14 1 64-71
Lange, Andreas; Szymenderski, Peggy Auf Spurensuche nach dem »Neuen« in der Gesellschaft Soziologische Deutungsangebote zu Veränderungen in Wirtschaft, Arbeit und Medien (2. Trendbrief) Nach längerer Abstinenz auf dem Feld der Zeitdiagnose meldet sich die Soziologie wieder zurück mit neuen Deutungsangeboten des Sozialen. Neben der fleißigen Arbeit an der nicht abreißenden Kette von Begriffen wie Risiko-, Erlebnis- und Multioptionsgesellschaft versucht man neuerdings auch wieder an übergreifende Topoi des Faches anzuknüpfen. Mit den Konzepten der »Entgrenzung«, »Verflüssigung« und »Hybridisierung« verleiht man der neuen Intensität und Tiefe des sozialen Wandels Ausdruck. Wir referieren auf der Basis kultureller Phänomene wie David Beckham und den »Pokemons« die Grundideen dieser Debatte, skizzieren die wirtschaftlichen Entgrenzungen als wesentliche Triebfedern des Wandels, beleuchten die Rolle der Medien im Entgrenzungsgeschehen und formulieren daraus resultierende Herausforderungen für den Einzelnen, die Forschung und die Politik.
2004-01-00 DISKURS 14 1 72-82
Kompetenz und Konkurrenz - Ungleiche Mitgiften für die Bewährung auf dem Arbeitsmarkt Heftthema Mit dem THEMA Kompetenz und Konkurrenz erscheint dieses Heft zu einem Zeitpunkt (Frühjahr 2005), da in Politik und Medien normale Sachverhalte des Wirtschaftslebens wie "Auslandsinvestitionen", "Betriebsverlagerungen und -schließungen", "Personalabbau", "Managergehälter" ziemlich lautstark als "Raubtierkapitalismus", "Profitsucht", mithin als Auswüchse des Kapitalismus angeprangert werden. Dies ist erstaunlich, weil politisch-öffentliche Beurteilungen der Lage Deutschlands unter Aufmachern dieses Kalibers bislang nicht gerade Konjunktur hatten. Die professionelle Begutachtung gesellschaftlich-ökonomischer Veränderungen bevorzugt gewöhnlich eher weniger klassenkampfbelastete Begriffe wie "Globalisierung", "Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft", "Erosion des Normalarbeitsverhältnisses", "Prekarität von Lebenslagen", "Flexibilisierung", "Mobilität", "Freisetzung" und "Entgrenzung".
Was immer diese sachlich-prägnant anmutenden Chiffren und die mit ihnen einhergehende Sozialkritik bezeichnen, verdecken oder offenlegen, es wäre verfehlt, der Mehrheit derjenigen, die sich ihrer in Politik, Wissenschaft und Praxis bedienen, eine genuine Kapitalismuskritik unterstellen zu wollen. Weit mehr dürfte sie - bei allen Unterschieden im Detail - ein breites Verständnis einen, sich von "unterkomplexen" und in die Jahre gekommenen Analyse- und Interpretationsmodellen wie dem vom "Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen" längst und nachhaltig verabschiedet zu haben.
Was aber professionell machen und wie sich (sozial)wissenschaftlich aus- und einrichten, wenn nicht ohne weiteres klar und daher gelegentlich wieder mal darüber zu streiten ist, was vorrangig zu erforschen ansteht: die materiellen und psychosozialen Kosten "prekärer Lebenslagen" bzw. die Möglichkeiten ihrer Minderung oder die Gründe für die Entstehung solcher Kosten? Von der gegenwärtig (politisch) aufflackernden Kapitalismuskritik - genauer wohl: Kapitalismusschelte - wird man sich hinsichtlich dieser den Sozialstaat seit seinen Anfängen im 19. Jahrhundert begleitenden Fragen keine sonderlich hilfreichen Anregungen zur Entschärfung von Arbeitsmarktrisiken erwarten dürfen: Sie hadert mit dem Missbrauch, nicht mit dem Gebrauch wirtschaftlicher Macht. Damit beschwört sie einen "Kapitalismus mit menschlichem Antlitz" und fuchtelt mit Erinnerungen an Etappen ausbeuterischer Praxis, von denen der real existierende Kapitalismus in Gestalt der Sozialen Marktwirtschaft sich längst emanzipiert haben sollte.
Was diese Kritik somit auszeichnet: eine moralische Skandalisierung der "Risiken und Nebenwirkungen" kapitalistischen Wirtschaftens, die den - sei es aufgrund ihres Alters, ihrer Bildung, sei es wegen iher sozialen Herkunft und/oder ethnisch-kulturellen Zugehörigkeit - stets aufs Neu zu vermeldenden Benachteiligten und Opfern keine praktischen Perspektiven eröffnet, sich mit ihren jeweiligen persönlichen Ausgangsvoraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Um diesen Zukurzgekommenen, Unvermittelbaren, Vernachlässigten, Übervorteilten, Überflüssigen bei der Vermittlung in Arbeit bzw. bei den unterschiedlichen Übergängen von der Schule in die Arbeitswelt (doch noch) zu helfen, werden gegenwärtig - mit sozialwissenschaftlicher und sozialpädagogischer Unterstützung - von der Arbeitsverwaltung, der Wirtschaft und von Einrichtungen der Jugendhilfe wie auch von Privatinitiativen vielfältige Programme aufgelegt mit dem Ziel, den Einzelnen "Kompetenzen" vermitteln, deren Besitz es ihnen erleichtern soll, sich in der Konkurrenz erfolgreich(er) zu bewähren.
Diese institutionellen, formellen wie informellen Kompetenzentwicklungsofferten, die sich - zumindest von ihrem Anspruch her - ganzheitlich auf das Individuum richten, mithin nicht nur auf die Behebung seiner konkurrenzhinderlichen Defizite abzielen, scheinen in dem Maße das Mittel der Wahl zu sein, wie bisherige sozialstaatlich-institutionelle Vorkehrungen gegen die Risiken des Arbeitslebens - bzw. zur Vorbereitung auf dieses - unter der Flagge "Reform des Sozialstaats" und unter der Maxime "Erhalt und Ausbau des Standorts Deutschland" zunehmend zur Disposition stehen und abgebaut werden.
Mit mehr Kompetenz besser in der Konkurrenz? Dies wird sich erweisen, wenn geklärt wird, welche Kompetenzausstattung wer zu was braucht bzw. wem der Anspruch auf Erwerb einer bestimmten Kompetenzgarnitur überhaupt zugebilligt wird, damit er oder sie an dieser Gesellschaft - nach Maßgabe geltender Standards - materiell wie kulturell, öffentlich wie privat erfolgreich teilhaben kann. In dem Maße, wie nicht vorab ausgemacht werden kann, welcher Kompetenztitel zählt, nützlich und lohnend ist, werden Kampagnen zur Mobilisierung von Kompetenzreserven ihr Verfallsdatum dann haben, wenn Kompetenzen vermittelt werden, die auf dem Markt nicht oder nur bedingt nachgefragt - und damit denen, die über keine anderen verfügen, auch nicht vergütet werden.
Dies muss aber nicht nur die Stunde einer markigen Kritik oder Schelte gegenüber Exponenten der Wirtschaft sein, sondern kann auch - nicht nur affirmativ - als eine Einladung zu handfesten und zupackenden Aufräum- und Umstrukturierungsarbeiten in ihren einzelnen Basiscamps (Migration/Integration, Bildung, Arbeitsorganisation und Familienressourcen) gelesen werden, in denen Menschen auch dann eine angemessene Bleibe haben, wenn sie diese nicht mehr bezahlen können. Manuela du Bois-Reymond und Wolfgang Schröer führen in die vier Beiträge zu ungleichen Mitgiften für die Bewährung auf dem Arbeitsmarkt ein.
Walter Hornstein stellt sich im INTERVIEW den Fragen von Werner Schefold und Wolfgang Schröer. Verhandelt werden die Chancen einer randständigen und zersplitterten Jugendpolitik, sich - mit Beistand einer engagierten, nicht nur auftrags- und serviceorientierten Jugendforschung - im Wettkampf mit "härteren" Politikbereichen Gehör zu verschaffen.
Im SPEKTRUM äußert sich John Urry zum Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen im Kontext von Familie und lokalen Bezügen vor dem Hintergrund einer modernen, netzwerkmäßig organisierten mobilen und kommunikativen Gesellschaft. Die Fragen stellte Claus J. Tully.
Der Beitrag von Paula-Irene Villa erörtert Fragen nach der Angemessenheit des Konzepts der "geschlechtsspezifischen Sozialisation". Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen stehen Konvergenzen und Divergenzen von konstruktivistischen und sozialisationstheoretischen Perspektiven.
Wolfgang Gaiser, Martina Gille, Johann de Rijke und Sabine Sardei-Biermann resümieren die Wandlungen der politischen Einstellungen Jugendlicher und junger Erwachsener in den beiden Teilen Deutschlands anhand der Ergebnisse der drei Erhebungswellen des DJI-Jugendsurvey von 1992 bis 2003. 2004-02-10 DISKURS 14 2 90
Walther, Andreas Bewältigung von Übergängen in Arbeit Potenziale der Partizipation und des informellen Lernens Übergänge junger Frauen und Männer in Arbeit sind zunehmend durch individualisierte Bildungsprozesse strukturiert. Diese bieten auf der einen Seite Möglichkeiten subjektiver Aneignung, lassen auf der anderen Seite aber Strukturen sozialer Ungleichheit und die individuell zu bewältigende Risiken sozialer Ausgrenzung in den Hintergrund treten. Damit wird auch die individuelle Bildungsmotivation zunehmend zum Faktor von Integration oder Ausgrenzung. Der Beitrag stellt diese Problematik in einen Zusammenhang mit dem neuen Interesse an Partizipation als zentralem Prinzip der Bürgergesellschaft. Hierzu werden ausgewählte Ergebnisse und Fallbeispiele aus dem europäischen Forschungsprojekt "Youth Policy and Participation. Potentials of Participation and informal learning in young people's transitions to work" vorgestellt. Auf der Grundlage von Interviews mit Jugendlichen zu motivierenden und demotivierenden Erfahrungen mit Übergängen in Arbeit zum einen und von Fallstudien über partizipatorische Projektansätze zum anderen wird untersucht, unter welchen Bedingungen Partizipation eine realistische Perspektive individualisierter Bewältigung von Übergängen darstellt und - im Kontext aktivierender Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik - eine Zunahme an Selbstverantwortung wie auch eine Erweiterung von Handlungsspielräumen junger Frauen und Männer ermöglicht. 2004-02-07 DISKURS 14 2 20-28
du Bois-Reymond, Manuela; Schröer, Wolfgang Mit Kompetenzen gegen ökonomische Zwänge Wie immer ohne Gewähr 2004-02-09 DISKURS 14 2 5-7
Dronkers, Jaap Migration und Arbeitsmarkt in den Niederlanden Integration und Ausschluss von erster und zweiter Migrantengeneration Der Beitrag analysiert die Anpassung von unterschiedlichen Typen von Immigranten und ihren Kindern an die niederländische Gesellschaft. Die Leitfrage ist dabei, ob sich die Migranten in die Schichtungsprozesse einfügen, die für die Bevölkerung der Niederlande gelten. Hierzu wird sowohl der Arbeitsmarktstatus als auch der Berufs- und Einkommensstatus der wesentlichen Gruppen von eingewanderten ethnischen Minoritäten anhand der besten verfügbaren nationalen Daten untersucht. Die Ergebnisse belegen, dass die Zugehörigkeit zu einer Minorität erkennbar negative Effekte auf die Teilnahme am aktiven Arbeitsmarkt und die Arbeitslosigkeit von männlichen Migranten hat. Die Muster der Arbeitsmarktbeteiligung und Arbeitslosigkeit bei weiblichen Migranten sind generell komplexer als bei männlichen. Überdies gibt es auch Unterschiede zwischen den jeweiligen ethnischen Gruppen und hinsichtlich des Generationsstatus der Einwanderer(innen). Unter den Frauen der zweiten Generation sind sämtliche Unterschiede der Arbeitsmarktbeteiligung – verglichen mit einheimischen niederländischen Frauen – komplett verschwunden. Für die zweite Generation der Migrant(inn)en sind die Chancen, zu einer bestimmten Berufsklasse zu gehören, nahezu dieselben wie für die einheimische Bevölkerung – mit Ausnahme der Dienstleistungsklasse, deren Statusgruppe für Migrant(inn)en nahezu verschlossen erscheint. Auch legen die niedrigen Alters- und Bildungsschwellen für die erste Generation von männlichen und weiblichen Migranten nahe, dass es eine gewisse Schließungstendenz auf dem niederländischen Arbeitsmarkt hinsichtlich insbesondere der besser gebildeten Migrant(inn)en gibt. 2004-02-08 DISKURS 14 2 8-19
Kreher, Thomas; Oehme, Andreas Junge Erwachsene in der Informalität Zur Entkopplung von formellen und informellen Vermittlungsstrukturen Die industrielle Arbeitsgesellschaft befindet sich gegenwärtig in einem strukturellen Wandlungsprozess, in dem sich einerseits die Jugendphase als Moratorium und die institutionalisierten Übergangswege in Arbeit allgemein entgrenzen, andererseits neue soziale Segmentierungen entstehen. Mit der Verknappung formell anerkannter Arbeit geht ein Verdrängungskampf einher, in dem insbesondere junge Erwachsene mit fehlenden oder geringeren Bildungsabschlüssen in die Informalität abgedrängt werden (vgl. dazu den Themenschwerpunkt des DISKURS 1/2004). An dieser Art der Ausgrenzung haben die heutigen bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Programme erheblichen Anteil, weil sie bestenfalls informelle Ressourcen für eine Vermittlung in die bestehenden formellen Strukturen des »regulären« Arbeitsmarktes einbeziehen. In dieser Lage kommt es darauf an, eine neue Perspektive auf Arbeit und Beschäftigung zu entwickeln und darin Tätigkeits- und Lernstrukturen, die in die Informalität abgedrängt sind, in einem neuen Rahmen anzuerkennen. 2004-02-06 DISKURS 14 2 29-35
Gerzer-Sass, Annemarie; Sass, Jürgen Familienkompetenz Entdeckung einer interaktiven Humanressource Dieser Beitrag baut auf der Grundthese auf, dass der Strukturwandel der Arbeitswelt eine neue Definition von privat und öffentlich erfordert und die Zukunft sowohl der Arbeitsgesellschaft als auch der Familie wesentlich von der Annäherung der bisher getrennten Bereiche abhängt. Der derzeit stattfindende Übergang zur Kommunikationsgesellschaft bedingt in der industriellen Arbeitsgesellschaft einen technischen und organisatorischen Wandel, der technisch-fachliche Qualifikationen immer schneller veralten lässt. Dies betrifft die Familie insofern, als diese neuen Strukturen nur noch begrenzt den Prinzipien und Takten folgen, die durch die Industriegesellschaft geprägt wurden. Kennzeichen dieses Wandels sind nicht nur flexiblere Arbeitszeiten, kurzfristigere Beschäftigungen und sogenannte Patchwork-Biografien, sondern auch ein größeres Interesse der Wirtschaft an höher qualifizierten Frauen, das mit dem gestiegenen Interesse der Frauen an einer eigenständigen Berufsbiographie korrespondiert. In dem Beitrag wird das neue Instrument der „Kompetenzbilanz“ vorgestellt, das es der betrieblichen Personalführung ermöglicht, die in informellen Lernorten – wie insbesondere der Familie – erworbenen besonderen Kompetenzen der MitarbeiterInnen künftig besser zu erkennen und als zusätzliches Leistungspotenzial zu erschließen. 2004-02-05 DISKURS 14 2 36-44
Jugendpolitik - wider ihren Ruf verteidigt Walter Hornstein im Gespräch mit Werner Schefold und Wolfgang Schröer Walter Hornstein, Prof. em., "Gründungsdirektor" des Deutschen Jugendinstituts, als es sich in den 1960er- und 70er-Jahren zu einem sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut im Bereich der Jugend-, Kinder- und Familienforschung sowie einer hierauf bezogenen Praxis- und Politikforschung entwickelte, ist vor einigen Monaten 75 geworden. Er hat wie kein anderer Jugendpolitik und Jugendforschung in den vergangenen Jahrzehnten kritisch begleitet und schließt gerade ein umfangreiches Buchmanuskript zur Einführung in die Jugendpolitik ab. Ein Sammelband mit seinen Arbeiten über Jugendforschung und Jugendpolitik liegt seit einigen Jahren vor. Im dem Interview mit Werner Schefold und Wolfgang Schröer entfaltet er die These, dass Jugendpolitik sich heute als relativ konzeptions- und konturenloses Bündel von unterschiedlichen politischen Maßnahmen darstelle und den aktuellen Herausforderungen nicht gerecht werde. Er plädiert dafür, den Zusammenhang zwischen Jugend und der Zukunft der Gesellschaft wieder ins Zentrum politischer Diskurse und politischer Praxis zu rücken. 2004-02-04 DISKURS 14 2 45-55
On the run? Growing up in modern mobile societies John Urry interviewt von Claus J. Tully Das hier veröffentlichte Interview wurde am Rande des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie am 7. Oktober 2004 in München geführt. Thema des Gesprächs ist die Ausformung sozialer Bezüge unter dem Eindruck einer modernen, netzwerkmäßig organisierten mobilen und kommunikativen Gesellschaft. Im Interview wird der Frage nachgegangen, wie sich das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen im Kontext von Familie und lokalen Bezügen unter diesen Bedingungen verändert. In seinen Büchern „The Tourist Gaze“ von 1990 und „Consuming Places“ (1995) thematisiert er die gewandelte Bedeutung von Orten. 1994 expliziert er gemeinsam mit Lash in „Economies of Signs and Space“ die These der generellen Mobilisierung von Symbolen und der Menschen, die der mobilen Ökonomie dienen. In „Sociology beyond Society“ (1999) argumentiert John Urry im Sinne der Castells’schen Netzgesellschaften, dass wir soziales Leben nicht länger mit den vertrauten und letztlich statischen Kategorien beschreiben können. Auch in seinem jüngsten Buch „Global Complexity“ (2004) plädiert er für eine neue Sichtweise auf Nationen, Orte, Regionen im Dienste sozialwissenschaftlicher Begriffsbildung vor dem Hintergrund globaler Verschränkung. 2004-02-03 DISKURS 14 2 56-64
Villa, Paula-Irene Vom Sein und Werden Sozialisation und Konstruktion von Geschlecht Der Beitrag greift in die "alte" und neu entflammte Debatte um die Brauchbarkeit des Konzepts der "geschlechtsspezifischen Sozialisation" ein. Dabei stehen Konvergenzen sowie Differenzen von konstruktivistischen und sozialisationstheoretischen Perspektiven im Mittelpunkt. Ausgehend von Texten aus der ersten Frauenbewegung – vor allem Hedwig Dohm – über die existenzialistische Philosophie Simone de Beauvoirs bis zu Judith Butlers Begriff des "postsouveränen Subjekts" werden Kernideen zum Zusammenhang zwischen individueller Sozialisation und Geschlecht als Strukturkategorie nachgezeichnet und kritisch diskutiert (Essentialismus, Subjektbegriff, Prozesshaftigkeit), die ihrerseits eine der Grundfragen soziologischen Denkens betreffen – die nach dem Verhältnis von Struktur und Person bzw. Individuum und Gesellschaft. Am Ende steht ein Ausblick auf Möglichkeiten der Verknüpfung von Mikro- und Makroperspektive anhand der Kategorien "Konstitution" und "Konstruktion". 2004-02-02 DISKURS 14 2 65-73
Gaiser, Wolfgang; Gille, Martina; de Rijke, Johann; Sardei-Biermann, Sabine Entwicklungen der Politischen Kultur in West- und Ostdeutschland Ergebnisse des DJI-Jugendsurveys von 1992-2003 Inwieweit haben sich die politischen Einstellungen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den beiden Teilen Deutschlands angenähert oder auseinander entwickelt? Diese Frage wird in dem Beitrag anhand der drei Erhebungen (1992, 1997 und 2003) des Jugendsurvey des Deutschen Jugendinstituts untersucht. Dabei geht es insbesondere um die Zustimmung zum politischen System insgesamt, um Einschätzungen der Leistungen der Demokratie und um das Vertrauen in Institutionen und politische Akteure. Die Analyse des Zusammenhangs zwischen der Zustimmung zur Idee der Demokratie und der Bewertung der realen Demokratie ermöglicht die Konstruktion einer Typologie, die die "kritischen Demokraten" als konstruktive Gruppe für den gesellschaftlichen Entwicklungsprozess identifiziert. 2004-02-01 DISKURS 15 2 74-82
Hössl, Alfred; Vossler, Andreas DISKURS Manchmal bin ich fix und fertig ... Auf der Grundlage einer qualitativen Längsschnittstudie zu Bildungsverläufen in der Grundschule beschäftigt sich der Beitrag mit der Frage, was Kinder selbst als Erfolgs- und Misserfolgeserlebnisse in den ersten Schuljahren wahrnehmen und von welchen subjektiven Belastungen sie bzw. ihre Eltern berichten. Dabei zeigen sich die Auswirkungen des grundsätzlichen Bildungsdilemmas, dass Kinder mit heterogenen Ausgangsbedingungen hinsichtlich ihres Leistungsvermögens von Anfang an mit den homogenen Leistungsanforderungen eines einheitlichen Lehrplans konfrontiert werden. Wie mit ausgewählten Untersuchungsergebnissen und Fallstudien illustriert werden kann, erleben vor allem leistungsschwächere Kinder sowohl im Unterricht als auch zu Hause schon früh demotivierende Belastungssituationen und Rückmeldungen. Damit bestätigt sich eine häufig geäußerte Kritik am deutschen Bildungssystem, wonach bereits in der Grundschule strukturell bedingte Belastungen den Bildungserfolg gefährden können. 2004-03-09 DISKURS 14 1 18-27
Perspektivenwechsel international - Neue Ansätze der Familien-, Kindheits- und Jugendforschung Heftthema Das vorliegende Heft weicht von dem üblichen Aufbau in formaler und inhaltlicher Hinsicht ab. Es stellt ausschließlich Beiträge internationaler Fachkollegen und -kolleginnen in den Mittelpunkt, die sich auf die zentralen Forschungsfelder des Instituts – Familien-, Kindheits- und Jugendforschung – beziehen und die für etliche Forschungs-und Praxisprojekte des Deutschen Jugendinstituts theoretisch und/oder methodisch anregend gewesen sind. Dass unter dem Stichwort "international" in erster Linie westeuropäische Autoren und Autorinnen zu Wort kommen, erklärt sich aus der seit 1990 dramatisch beschleunigten europäischen Integration, durch die – insbesondere über die differenzierten EU-Forschungsrahmenprogramme – inter-europäisch vergleichende Projekte und Kooperationsmaßnahmen (vor allem der Jugend- und Familienforschung) entscheidend gefördert worden sind. Die wenigen Beiträge von außereuropäischen Kollegen und Kolleginnen stammen aus Kanada und Neuseeland, zwei Staaten, die bisher im Rahmen der internationalen Kooperationen des DJI eher übergangen wurden, die jedoch neuerdings interessante Impulse zur Entwicklung und Kontextualisierung von DJI-Projekten geliefert haben.
Anhand der Interdependenzen der Beiträge wird insgesamt deutlich, dass der proklamierte "internationale Perspektivenwechsel" zahlreiche gemeinsame und einige unterschiedliche Facetten aufweist, die nicht nur im Design und in den Ergebnistrends der berichteten empirischen Studien, sondern auch an den diskutierten (sozial-)pädagogischen und sozialpolitischen Maßnahmen abzulesen sind.
Auch wenn zwischen Theorie und Empirie sowie zwischen Empirie und Politik noch erhebliche "Klüfte" bzw. "Barrieren" zu überbrücken bleiben, sind doch bereits in vielen Ländern zeitgleich und mit unterschiedlichen Mitteln "Brückenbauer/innen" erfolgreich am Werk.Diese große inter-disziplinäre Gemeinschaft (community) von Familien-, Kindheits- und Jugendforschern und -forscherinnen bemüht sich mit den ihr eigenen Methoden darum, nicht nur die Rechte und den Status, sondern auch den Eigensinn der erforschten und/oder betreuten Subjekte zu respektieren und zu wahren und ihnen professionell und politisch besser Ausdruck zu verleihen. Das Deutsche Jugendinstitut e. V. vertritt ebenfalls diesen dezidierten Standpunkt. Es hat daher nicht zuletzt seine internationalen Forschungs- und Praxisnetzwerke seit den 1990er Jahren erheblich ausgebaut und wird diese in Zukunft weiter pflegen. Insofern kann dieses DISKURS-Heft als eine konstruktive Sonde verstanden werden, die die relevanten Signale der internationalen Entwicklung in den maßgeblichen Forschungsfeldern des Instituts gezielt aufnimmt, vermittelt und umsetzt.
2004-03-10 DISKURS 14 3 3-7
Beham, Martina; Wilk, Liselotte; Zartler, Ulrike; Kränzl-Nagl, Renate Wenn Eltern sich trennen Bewältigungsstrategien aus Kinder- und Partnersicht Im folgenden Beitrag werden ausgewählte Ergebnisse der multi-disziplinären Studie "Wenn Eltern sich trennen. Wie Kinder, Frauen und Männer Scheidung erleben" (Zartler et al. 2004) dargestellt, die einen Mehrmethodenansatz angewandt hat. Im Zentrum steht die Frage, welche Faktoren von Einfluss dafür sind, wie es den Kindern gelingt, die elterliche Scheidung zu bewältigen. Neben Analysen der ökonomischen und rechtlichen Situation sowie Expert/innen-Interviews wurden qualitative Einzelinterviews mit den ehemaligen Partnern und deren gemeinsamen Kindern (zwischen 9 und 14 Jahren) geführt. Thematisch ging es unter anderem um das Erleben der Nachscheidungssituation aus der Sicht der Kinder und um deren Befindlichkeiten. Die empirischen Ergebnisse verdeutlichen, dass das Zusammenwirken einer Vielzahl von Faktoren (die gesellschaftlich und politisch beeinflussbar sind), es den Kindern erleichtert oder erschwert, die Trennung ihrer Eltern zu bewältigen und die Eltern unterstützt, trotz ihrer Trennung ihre Verantwortung gegenüber ihren Kindern wahrzunehmen. 2004-03-09 DISKURS 14 3 19-27
Brannen, Julia Familienleben aus kindlicher Sicht Ein britisches Projekt zur Verbreitung von Forschungsergebnissen durch Video Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit dem Projekt "Connecting children: Care and family life in later childhood", in dem erhoben wurde, wie britische Kinder ihre Familie sehen und erleben. Er beschreibt, wie die in diesem Projekt empirisch gewonnenen Forschungsergebnisse mittels eines Videofilms im In- und Ausland verbreitet wurden. Was als Studie mit einem herkömmlichen methodischen Instrumentarium – d. h. Fragebogenerhebung und Interviews – begann, entwickelte sich in der Folge zu etwas völlig Neuem. Die bei den Interviews eingesetzten Methoden reichten von Stammbäumen und Vignetten bis zu emotionalen Soziogrammen. In der Verbreitungsphase aber wurden die Stimmen der Kinder nicht nur verwendet, um sie vor einem Auditorium von Erwachsenen für sich selbst sprechen zu lassen. Das aufgezeichnete Video diente auch als öffentliches Forum, in welchem die Kinder als Expertinnen und Experten für ihre eigenen Familien über die Studie, an der ihre Vorgänger/innen (in der gleichen Schule) teilgenommen hatten, informiert wurden und sie evaluieren konnten. Wie der folgende Beitrag zeigt, verselbständigte sich dieses Unterfangen zu einem eigenen kleinen Forschungsprojekt darüber, wie Kinder ihre Fähigkeiten zum Verständnis von Forschung und in einem formellen Rahmen – quasi als Sachverständige vor der Kamera – einsetzen. 2004-03-09 DISKURS 14 3 28-37
Carr, Margaret Wechsel des Blickwinkels Ein soziokulturelles Curriculum und die Erforschung der frühen Kindheit in Neuseeland Im Jahr 1996 veröffentlichte das neuseeländische Bildungsministerium ein nationales Curriculum für die frühe Kindheit, genannt "Te Whäriki". Dieses Curriculum führte eine neue – soziokulturelle – Sichtweise für einen Sektor ein, der zuvor seine Perspektiven und Strategien überwiegend aus der Psychologie gewonnen hatte. Der vorliegende Beitrag untersucht einige der Implikationen dieses bedeutsamen Paradigmenwechsels sowohl für die Praxis als auch für die Forschung. Die Autorin beschreibt das neue Curriculum für die frühe Kindheit mit besonderer Betonung auf jene Aspekte, die es "soziokulturell" machen. Sie spürt ihrer eigenen professionellen Entwicklung nach – von der Erzieherin zur Kindheitsforscherin – bis zu ihrer Übernahme der soziokulturellen Sichtweise der Maori, d. h. vor der Einführung des "Te Whäriki" und danach. Diese Innovation wird in Bezug auf drei Ebenen analysiert: Lernergebnisse, Motivation und Bewertung. Nach der Einführung des "Te Whäriki" rangieren die Lernergebnisse hinter der Teilhabe an einer Gemeinschaft von Lernenden. Die Autorin untersucht die Art und Weise, wie Lernen und Leistungsziele (Aspekte der Motivation) in Aktivitäten angelegt zu sein scheinen. Außerdem bilden sich narrative Arten der Bewertung aus, die mit der neuen curricularen Betonung des kontextbezogenen Lernens harmonieren. Lerngeschichten von Kindern in frühpädagogischen Umfeldern, in denen der "Te Whäriki"-Ansatz implementiert wird, dienen als Illustration für die soziokulturellen Themen und Ideen, die den Beitrag strukturieren.
Download 2004-03-09 DISKURS 14 3 39-48
Singer, Elly; de Haan, Dorian "Zusammen machen": Gemeinsamkeit herstellen und Konflikte lösen Beobachtungen aus der niederländischen Kleinkindbetreuung In den Niederlanden hat aufgrund der wachsenden Zahl von Kindertagesstätten das Interesse an innovativer Forschung über Interaktionen von Vorschulkindern in Gruppensituationen zugenommen. Die Forschungen auf diesem Gebiet orientieren sich zumeist an sozial-konstruktivistischen und ethologischen Ansätzen. In unserem Beitrag referieren wir Studien, die der Frage nachgehen, wie bereits Kleinkinder gemeinsam Bedeutungssysteme konstruieren, Gemeinsamkeiten zum Ausdruck bringen und ihre Konflikte lösen. Dabei richten wir unsere Aufmerksamkeit auf nonverbale wie auch verbale Strategien in den kindlichen Interaktionen. Die Erzieherinnen können dabei positive Beziehungen zwischen Kindern sowohl stimulieren als auch erschweren. Dies illustrieren wir mit Beispielen von pädagogischen Interventionen niederländischer Erzieherinnen.
2004-03-09 DISKURS 14 3 49-56
Arnkil, Tom Erik Institutionelle Barrieren intersubjektiv überwinden Sorgenbezogene dialogische Verfahren in der Frühintervention Finnlands Strategien zur Frühintervention zu entwickeln, bedeutet nicht nur, sich auf Kinder, Jugendliche und ihre Familien einzustellen, sondern auch, gegen die mangelnde Kooperation des in einzelne Arbeitsfelder gegliederten professionellen Systems anzugehen. Grenzüberschreitungen sind erforderlich. Der Alltag von Kindern und Familien muss in den Mittelpunkt gerückt werden, und ausgehend davon sind die professionellen Maßnahmen zu planen. Der STAKES-Ansatz berücksichtigt die unterschiedliche Stellung der einzelnen Akteur/innen und ihre entsprechenden subjektiven Sorgen. Es werden Möglichkeiten zur Thematisierung subjektiver Sorgen sowie Verfahren zur Verringerung dieser Sorgen vorgestellt. Dialogische Methoden zur Grenzüberschreitung innerhalb und zwischen den fachlichen Netzwerken und den persönlichen Netzwerken der Betroffenen werden beschrieben, wobei der Schwerpunkt auf der speziellen Methode der "Erinnerung an die Zukunft" liegt. 2004-03-09 DISKURS 14 3 57-65
Kelly, Katharine D.; Caputo, Tullio C. "Straßenjugend" als Risikogruppe Ein Überblick zu den Forschungen im englischsprachigen Kanada Der vorliegende Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die angewandte Forschung zum Thema "Straßenjugendliche" und Ausreißer/innen, die während der letzten zwei Jahrzehnte im englischsprachigen Teil Kanadas durchgeführt wurde, sowie über ausgewählte Arbeiten insbesondere aus den USA. Diese Gruppe verdient besondere Aufmerksamkeit, weil sie typischerweise in höchstem Maße gefährdet ist und öffentlich sichtbare Risikojugendliche umfasst. Die konzeptionellen und theoretischen Fragestellungen sowie die Herausforderungen, die sich bei der Formulierung einer brauchbaren Definition von "Straßenjugend" ergeben, werden einer eingehenden Analyse unterzogen. Schließlich wird auf die gängigen Debatten in der Literatur zu den veränderten Konzeptualisierungen von Kindern und Kindheit sowie auf die Implikationen dieser Entwicklungen für die künftige Forschung im Bereich Risikojugendliche und "Straßenjugendliche" eingegangen. 2004-03-09 DISKURS 14 3 67-75
Bendit, René; Hein, Kerstin; Biggart, Andy Delayed and negotiated autonomy Domestic emancipation of young Europeans In der Europäischen Union lebt ein signifikanter Anteil von jungen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren immer noch zuhause bei ihren Eltern. Dieser Trend, die räumliche Trennung vom Elternhaus aufzuschieben, variiert von Land zu Land sowie zwischen jungen Frauen und jungen Männern. Bislang hat es zu diesem Phänomen relativ wenige Forschungen gegeben; die "verspäteten Nesthocker" haben jedoch zunehmend die Aufmerksamkeit von Fachleuten der Familienpolitik gefunden. Denn diesen wurde bewusst, dass der Aufschub der häuslichen Emanzipation zugleich einen Aufschub der eigenen Familienbildung bedeutet. Der folgende Beitrag handelt folglich von der häuslichen Emanzipation von jungen Menschen in Europa. Er stützt sich auf die Analyse quantitativer Trends und qualitativer Interviews, die im Rahmen des EU-Projekts Family and Transitions in Europe (FATE) erhoben worden sind (vgl. Bendit/Hein 2004; Biggart et al. 2005).
2004-03-09 DISKURS 14 3 76-85
Hammer, Torild; Russell, Helen What are unemployed young Europeans up to? A comparative analysis of gender-specific differences in employment commitment Der vorliegende Beitrag befasst sich schwerpunktmäßig mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Erwerbsneigung bzw. Beschäftigungsbereitschaft von arbeitslosen jungen Europäer/innen. Eine Analyse dieser Unterschiede ist aus folgenden Gründen angezeigt: Eine unterschiedlich starke innere Bindung an Erwerbsarbeit könnte (a) die Chancen auf Wiederbeschäftigung beeinflussen; (b) eine negative Folge von Arbeitslosigkeit sein; und (c) die psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit mildern. Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Erwerbsneigung bzw. Beschäftigungsbereitschaft prägen daher u. U. entscheidend die Erfahrungen und Entwicklungsverläufe von jungen – männlichen und weiblichen – Arbeitslosen. Ihre Erforschung ist insofern von besonderem Interesse, als die Gruppe der arbeitslosen Jugendlichen in Europa dem höchsten Risiko einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit ausgesetzt ist und aufgrund ihrer schwachen Einbindung in den Arbeitsmarkt häufig im Blickpunkt steht. Im Beitrag werden einige ausgewählte Ergebnisse der von 1996-2000 in fünf europäischen Ländern (Deutschland, Finnland, Norwegen, Schweden und Spanien) durchgeführten empirischen Jugendstudie vorgestellt und auf der theoretischen und statistischen Ebene mit jenen strukturellen, kulturellen und psychologischen Faktoren verknüpft, mit deren Hilfe sich geschlechtsspezifisch unterschiedliche Bindungen an Erwerbsarbeit möglicherweise erklären lassen. 2004-03-09 DISKURS 14 3 86-97
Haubrich, Karin; Holthusen, Bernd; Struhkamp, Gerlinde Evaluation - einige Sortierungen zu einem schillernden Begriff 2005-00-00 DISKURS 72 1-4
Hofmann-Lun, Irene; Michel, Andrea Schulmüdigkeit und Schulverweigerung 2004-00-00 DISKURS 1 60
Alt Christian;Betz Tanja;Lange Andreas;Traub Angelika Schwerpunkt Das DJI-Kinderpanel 2006-00-00 DISKURS 2 171-217
Rieker, Peter Interethnische Beziehungen von Migranten in Ostdeutschland 2006-03-08 DISKURS 16 1 145-148
Tully, Claus J. Rezension zu"Aus Kindern werden Leute, aus Mädchen werden Bräute". 2006-03-00 DISKURS 16 6 466-468
Betz, Tanja; Lange, Andreas; Alt, Christian Das DJI-Kinderpanel als Beitrag zu einer Sozialberichterstattung über Kinder. Theoretisch-konzeptionelle Rahmung und method(olog)ische Implikationen 2006-02-10 DISKURS 16 2
Betz, Tanja Gatekeeper Familie - Zu ihrer allgemeinen und differentiellen Bildungsbedeutsamkeit 2006-02-10 DISKURS 16 2
Traub, Angelika Kontinuität und Kompensation Die Bedeutung von Familie und Gleichaltrigen (Peers) für Persönlichkeit und Problemverhalten in der mittleren Kindheit 2006-02-10 DISKURS 16 2
Stecher, Ludwig Schulleistungen als Familienthema - Grundschülerinnen und Grundschüler in deutschen Familien und in Migrantenfamilien im Vergleich 2006-02-10 DISKURS 16 2
Alt, Christian Herausgabe der Kinderpanelbeiträge 2006-02-10 DISKURS 16 2
Tully, Claus J. Rezension zu "Aus Kindern werden Leute, aus Mädchen werden Bräute". 2006-03-09 DISKURS 16 6 466-468
Sander, Ekkehard Rezension: Thomas Wetzstein, Patricia I. Erbeldinger, Judith Hilgers, Roland Eckert: „Jugendliche Cliquen. Zur Bedeutung der Cliquen und ihrer Herkunfts- und Freizeit" 2006-00-00 DISKURS 16
Jurczyk, Karin; Lange, Andreas Familie und Vereinbarkeit von Arbeit und Leben. Neue Entwicklungen, alte Konzepte 2002-03-09 DISKURS 12 3 9-16
Jurczyk, Karin; Lange, Andreas Familie und Vereinbarkeit von Arbeit und Leben. Neue Entwicklungen, alte Konzepte. 2002-03-09 DISKURS 12 3 9-16
Hochschild, Arlie Russell; Jurczyk, Karin Familie und Arbeit - »die Zeitfalle«. Karin Jurczyk interviewt Arlie Russell Hochschild. 2002-02-07 DISKURS 12 2 51-55
Jurczyk, Karin; Oechsle, Mechtild Die fluide Gesellschaft. Entgrenzung ohne Ende.
2002-03-10 DISKURS 12 3 5-8
0000-00-00 DISKURS
Winzen, Gerda Rezension, Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS) des Robert-Koch-Institut 2007-03-09 DISKURS 17 4 487-488i
Deutscher Ethikrat Das Problem der anonymen Kindesabgabe. Stellungnahme. 0000-00-00 DISKURS
Lex, Tilly; Gaupp, Nora; Reißig, Birgit Verloren im Lern-Labyrinth. DJI Bulletin, Heft 90. S.23-24 2010-00-00 DISKURS 20
IzKK-Nachrichten Sexuelle Gewalt durch Professionelle im Jugendalter 2007-03-00 DISKURS 17 1
Reißig, Birgit Im Gespräch mit Arnulf Bojanowski. Interview in Dreizehn - Zeitschrift für Jugendsozialarbeit 2011-03-07 DISKURS 21 6 21-25